Meteoriteneinschlag in Russland : Meteorit statt Interkontinentalrakete

Einzigartig und unheimlich - die Meteoritenspur am strahlend blauen Himmel über dem Südural. Fotos: Privat
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Einzigartig und unheimlich - die Meteoritenspur am strahlend blauen Himmel über dem Südural. Fotos: Privat

Künftige Eckernförder Rotary-Studentin aus Tscheljabinsk schildert die Meteoriteneinschläge: Zwei bange, ungewisse Stunden nach dem Einschlag

shz.de von
23. Februar 2013, 08:00 Uhr

Eckernförde/Tscheljabinsk | Im März wird die russische Deutschstudentin Anastasia Suleymanova aus Tscheljabinsk auf Vermittlung des Rotary Club Eckernförde für ein halbes Jahr nach Eckernförde kommen, um an der Christian-Albrechts-Universität zu studieren. In ihrem Bericht zeigt sie, wie gravierend das Naturereignis des Meteoriteneinschlags für die Menschen im Südural war, welche Spekulationen ins Kraut schossen - und wie gut sie bereits mit der deutschen Sprache umgehen kann.

"…das Wetter in Tscheljabinsk für heute: warm, wolkenlos, ein leichter Meteoritenregen…. Mein erster Gedanke war, dass ein Krieg begann, als am 15. Februar um 9.28 Uhr plötzlich eine Serie von Explosionen Tscheljabinsk erschüttert. Ich war zu diesem Moment im Studentenwohnheim und trank Tee. Meine Tasse fiel auf den Boden, da die Erde bebte. Die Druckwellen von diesen Explosionen waren so stark, dass die Fensterscheiben klirrten. Wie ich später erfahren habe, sind in etwa 3000 Häusern in Tscheljabinsk die Fensterscheiben und sogar Fensterrahmen zersprungen. In den lokalen Medien gab es zu diesem Zeitpunkt kaum Informationen über die Explosionen. Die Mobilverbindung war für drei Stunden gestört, und der einzige Weg, mehr über die Ereignisse zu erfahren, war das soziale Netzwerk.

In den ersten zwei Stunden hat man verschiedene und sogar verrückte Vermutungen aufgestellt. Man glaubte zuerst, dass ein Kampfjet abgestürzt sei, als zweites, dass eine Interkontinentalrakete eingeschlagen sei. Erst mit der ersten offiziellen Nachricht wurde erklärt, dass das Gebiet Tscheljabinsk und der ganze Ural von einem Meteoritenregen betroffen seien.

Alles begann mit einem hellen Lichtblitz am Himmel, sodass alle Augenzeugen dachten, dass die Sonne extrem schnell aufgeht. Es war jedoch ein Meteorit, der in der Atmosphäre in einzelne Teile zerfallen ist. Diese Meteoritenteile trafen verschiedene Orte im Gebiet Tscheljabinsk, dann einige Explosionen. Die Sachbeschädigung durch die Druckwelle war groß: Fast in allen Bezirken der Stadt sind die Fensterscheiben zerborsten. Das Einschlagloch eines Meteoritenteils habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen. Ein kleiner Teil fiel in den See Tschebarkul, auf dem nun deutlich in der weißen Eisfläche ein dunkelblaues Loch mit sechs Metern im Durchmesser zu sehen ist. Unser Heimatmuseum hat jetzt vor, eine Meteoritenausstellung zu veranstalten, bei der auch einige Meteoritenteile zu betrachten sein werden.

In den sozialen Netzwerken erschienen gerade viele Witze und Spötteleien über den Meteoritenabsturz, über die Reaktion der Regierung und auch über die erlebte Angst. Doch nicht für alle Betroffenen ist es ein harmloses Abenteuer gewesen. Mehr als 1000 Menschen sind Opfer von Fenstersplittern geworden. Eine Frau war so stark verletzt, dass sie nach Moskau in eine Spezialklinik transportiert und dort operiert werden musste. Ähnliche Fälle passieren glücklicherweise selten. Wir können uns nur freuen, dass diese Naturerscheinung ihr Ziel verfehlt hat.

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