Grundwasser : Messwerte sorgen für Wirbel

Trinkwasser aus dem Wasserwerk Krusendorf ist seit Jahren von bester Qualität – da sind sich Verbandsvorsteher Jürgen-Hermann Bornhöft (l.) und Wassermeister Roland Gatzke sicher.
Trinkwasser aus dem Wasserwerk Krusendorf ist seit Jahren von bester Qualität – da sind sich Verbandsvorsteher Jürgen-Hermann Bornhöft (l.) und Wassermeister Roland Gatzke sicher.

Wasserverband Dänischer Wohld kritisiert Darstellung der Analyseergebnisse durch das Landesamt. Die Messstelle soll überprüft werden.

shz.de von
30. Juli 2015, 06:00 Uhr

Krusendorf | Die Mitteilung, dass das Grundwasser in Schleswig-Holstein nach neuesten Analyseergebnissen des Kieler Umweltministeriums in erheblichem Ausmaß durch Pestizide aus der Landwirtschaft belastet ist, sorgt für Unruhe. Der Wasserbeschaffungsverband Dänischer Wohld, der das Wasserwerk in Krusendorf betreibt, stört sich vor allem an der Abbildung aus dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) mit den Messstellen des Landes, wo in den Jahren 2010 bis 2014 einmalig oder auch wiederkehrend Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden wurden. „Wir waren sehr erstaunt über diese Abbildung“, sagt Jürgen-Hermann Bornhöft, Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbands Dänischer Wohld, der mit dem Trinkwasser aus dem Wasserwerk in Krusendorf die Gemeinden Felm, Gettorf, Lindau, Neudorf-Bornstein, Neuwittenbek, Noer-Lindhöft, Osdorf, Schwedeneck und Tüttendorf versorgt.

Das Trinkwasser wird zu 100 Prozent aus Grundwasser gewonnen. Ihre Messstelle in Borghorsterhütten war auf der Abbildung des LLUR mit einem roten Punkt versehen, der Pflanzenschutzmittelrückstände im Grundwasser oberhalb des Grenzwertes anzeigt. Was Jürgen-Hermann Bornhöft für höchst unerfreulich ansieht, zumal sich zum 1. Oktober die Gemeinden Stande Dänischenhagen und Strande dem Wasserwerk anschließen wollen. Sie sind der Sache auf den Grund gegangen. Roland Gatzke, der als Wassermeister im Wasserwerk für die gleichbleibend hohe Qualität des Trinkwassers zuständig ist, hat sich mit dem LLUR in Flintbek Verbindung gesetzt. Geologe Jürgen Schrey, dort zuständig für den Grundwasserschutz, erläutert, wie der rote Punkt zu bewerten ist. „Grundwasser ist nicht gleich Trinkwasser. Wir müssen da ganz dringend unterscheiden“, erklärt er. Grundwasserproben werden aus Messstellen zwischen 41 und 47 Metern Tiefe entnommen, Grundwasser für Trinkwasser wird eine Etage tiefer aus mindestens 100 Meter tiefen Brunnen gewonnen und in Wasserwerken entsprechend der Trinkwasserverordnung aufbereitet und von Gesundheitsämtern kontrolliert. Ausschlaggebend für die Qualität des Trinkwassers ist die Trinkwasseranalyse. „Wenn es da Probleme gegeben hätte, hätte die Gesundheitsbehörde schon lange reagiert.“ Zu dem roten Punkt in der Abbildung habe der einmalige Nachweis von 1,1,2-Trichlor-1,2,2-Trifluorethan im Jahr 2011 geführt, das in der K3-Umwelt-Datenbank als Pflanzenschutzmittel geführt werde und früher als Kältemittel verwendet wurde. Das sei das Ergebnis einer Maximalwertbetrachtung für den Zeitraum 2011 bis 2014. Doch auch die Pestizide Mecoprob und Desphenyl-Chloridazon seien an dieser Messstelle wiederholt nachgewiesen worden – wenn auch unterhalb der Schwellenwerte. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Pflanzenschutzmittel dort im Grundwasser vorhanden sind“, sagt Schrey. Er will jedoch nicht ausschließen, dass die Messwerte auf eine Undichtigkeit der 1977 gebauten Messstelle zurückzuführen sind.

Das vermutet auch Wassermeister Roland Gatzke. Ihm ist wichtig zu betonen, dass die Bewertung der Messstelle nichts mit ihrem Trinkwasser zu tun hat, welches sie aus im Durchschnitt 150 Meter tiefen Brunnen gewinnen. „Hier im Wasserwerk wird seit jeher auf Pflanzenschutzmittel geprobt“, sagt er.

„Es wurde noch nie etwas gefunden.“ Verbandsvorsteher Jürgen-Hermann Bornhöft kündigte an, die Messstelle in Borghorsterhütten im Herbst noch einmal auf Undichtigkeit prüfen zu lassen. Er betonte: „Es wäre für uns das Schlimmste, wenn unser Wasser irgendwann nicht mehr in Ordnung wäre.“

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