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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 05:43 Uhr

Sauer : Messe-Plus erhöht Leiharbeit

vom

Mitarbeiter: Stammkräfte werden durch Leiharbeiter ersetzt.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 07:35 Uhr

Eckernförde | Den großen Schnitt hat SIG Sauer bereits hinter sich. Viele Beschäftigte mussten das Werk verlassen, die Jagdwaffenproduktion wurde nach Isny ins Allgäu verlegt - ein schwerer Schlag für den traditionreichen, 1751 im thüringischen Suhl gegründete nWaffenbauer aus der Eckernförder Sauerstraße. Auch die anschließende Gründung und Auflösung der Lauffertigungstochter Barrel International ist Teil der wechselvollen und oft genug wenig erbaulichen jüngeren Firmengeschichte in Eckernförde.

Dagegen nimmt sich das nun aufgelegte Freiwilligenprogramm fast schon bescheiden aus. Ziel war es, 33 Mitarbeiter in eine zum 1. März gegründete Transfergesellschaft zu überführen - neun Beschäftigte aus der Stammbelegschaft haben das Angebot angenommen. Das bestätigte Betriebsratsvorsitzender Rolf Rohde. Er bestätigte auch, dass durch höhere Verkaufsabschlüsse auf der Waffenmesse IWA im März in Nürnberg die Produktion wieder erhöht werden musste und die neun Stellen mittlerweile wieder durch befristete Verträge und Leiharbeiter besetzt worden sind. Die geplanten weiteren betriebsbedingten Kündigungen seien wegen der Auftragslage bis August auf Eis gelegt.

Einer, der absolut kein Verständnis für den Ersatz des Stammpersonals durch Leiharbeiter hat, ist ein "Saueraner", der viele Jahre im Unternehmen gearbeitet hat, aber nun durch die betriebsinternen Unruhen und zunehmende Verschlechterung des Betriebsklimas in den vergangenen Jahren an einem Punkt angelangt ist, an dem er für sich keine Zukunft mehr im Unternehmen sieht und schweren Herzens in die Transfergesellschaft gewechselt ist. Der Mann in der Mitte des Lebens, der im Hinblick auf seine weitere berufliche Zukunft namentlich nicht genannt werden möchte, hat in der Produktion sehr gute Zeiten miterlebt, berichtet aber auch darüber, dass gestandene Mitarbeiter mit dem Ziel des Personalabbaus unter Druck gesetzt worden seien. Nun wird es schwer für ihn, eine neue berufliche Perspektive in der Region zu finden, die 19-prozentige Gehaltskürzung als Empfänger des Kurzarbeitergeldes ist für ihn noch am ehesten zu verkraften.

Im Grunde hängt er immer noch an dem Unternehmen, wie es früher einmal war - die Zeiten haben sich geändert. Ihn wühlt besonders auf, dass der Betriebsrat dieser Personalentwicklung zugestimmt hat. "Das Stammpersonal wird abgebaut, und der Betriebsrat spielt mit", sagt er kopfschüttelnd. Natürlich habe er sich darüber persönlich beschwert, vergeblich. Angeblich sollten dem Betriebsrat die Hände gebunden gewesen sein. Mindestens ebenso enttäuscht ist er über die Haltung der Agentur für Arbeit, die bei diesem Personalkarussell mitspiele und mit öffentlichen Geldern mit dazu beitrage, dass Stammarbeitsplätze durch Leiharbeiter und zeitlich befristete Mitarbeiter ersetzt würden.

Betriebsratsvorsitzender Rolf Rohde kritisiert grundsätzlich den Ersatz von Stammpersonal durch Leiharbeiter. Im konkreten Fall jedoch habe der Betriebsrat in den Verhandlungen mit der Geschäftsführung die geplanten 33 betriebsbedingten Kündigungen verhindern können. Es sei jedoch nicht zu verhindern gewesen, dass neun Stammkräfte über das Freiwilligenprogramm in die Transfergesellschaft gewechselt sind. Man habe jedoch darauf gedrungen, dass erst Leiharbeiter und Mitarbeiter mit Zeitverträgen entlassen wurden.

Andrea Juhlke von der zuständigen Agentur für Arbeit Neumünster wies auf die Rechtsgrundlagen hin. "Wenn eine Transfergesellschaft läuft (hier ab 1. März, die Red.) und im Betrieb unvorhersehbare und ungeplante Veränderungen (wie das Auftragsplus) eintreten, ändert das nichts an den vereinbarten Regelungen zur Transfergesellschaft", sagte Juhlke. Wenn Mitarbeiter wegen einer vielleicht nur drei bis vier Monate dauernden Mehrarbeitsphase wieder aus der Transfergesellschaft ausschieden, "können sie nicht mehr zurück und haben dann keine Ansprüche mehr".

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