Menschen und Tiere – eine unendliche Geschichte

Kühe begegnen uns mit unendlicher Gutmütigkeit.
Kühe begegnen uns mit unendlicher Gutmütigkeit.

Wir wir mit den Tieren umgehen sollten, und wir wir tatsächlich mit ihnen umgehen

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30. Dezember 2014, 06:43 Uhr

Ein Leser schrieb vor einiger Zeit an unsere Zeitung: „Cockerspaniel erschlagen und ins Meer geworfen … Pferd blutig traktiert ... Tierquäler gehören in die Psychiatrie ... oder in den Knast!“

Nicht weniger brutal ergeht es Nutztieren, wenn sie zu Höchstleistungsmaschinen optimiert werden - wobei das Wort Nutzen hier eine schon zynisch zu nennende Bedeutung erfährt.

Nicht viel anders ergeht es „tierischen“ Weihnachtsgeschenken, wenn man ihrer überdrüssig geworden ist und sie deshalb entsorgen möchte; sie werden schlimmstenfalls irgendwo vergessen. Warum sollte jemand mit Tieren Mitgefühl empfinden? Bis 1990 galten Tiere juristisch gesehen als Sache.

Leidensfähigkeit wurde ihnen abgesprochen und Mitgefühl wäre ihnen gegenüber somit unangebracht. Immerhin verfügte das Reichsstrafgesetzbuch bereits 1871, dass „. . .mit Strafe bedroht wird, wer öffentlich oder in Ärgernis erregender Weise Thiere boshaft quält oder mißhandelt ...“
Ähnliches sagt auch das geltende Tierschutzgesetz. Welches Ansehen Tiere in Wahrheit heute noch bei einigen Menschen genießen wird spätestens dann klar, wenn beleidigende Äußerungen fallen wie: Schwein, Hund - in der gesteigerten Form auch Schweinehund.

Was ist ein Tier schon wert?

Von der christlichen Theologie, die sich die Erde nach ihrer Vorstellung untertan gemacht hat - Tiere eingeschlossen - darf man diesbezüglich keinen hilfreichen positiven Impuls zum landläufigen Umgang mit Tieren erwarten. Darin spiegelt sich die überkommene egozentrische Sicht auf die Welt wider, deren Höchstes wir, die Menschen, sind.

Die Ethik als Exponent des Verstandes trägt ebenfalls nicht sonderlich viel bei, das menschliche Verhalten gegenüber Tieren zu erläutern, da seit Descartes „die europäischen Denker darüber wachen, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen“ (Albert Schweitzer).

Als Tatsache ist urteilsfrei festzuhalten, dass sich alle Lebewesen gegenseitig als Lebensmittel betrachten, Vegetarier ausgenommen. Jede Form der Ernährung ist statthaft, sofern man daraus keine Religion macht. Überdies sollte nicht vergessen werden, dass unser Körper seit Tausenden von Jahren seine alte Biologie als Sammler und Jäger unverändert in sich trägt. Steinzeit. Bis heute. Die Zeit für eine Anpassung an andere Lebensumstände war für uns viel zu kurz.

Aber um das Tier als Lebensmittel geht es hier nicht, sondern es geht allein um den Umgang mit jenen Tieren, die dem überlegenen menschlichen Zugriff unmittelbar ausgesetzt sind und das nur, weil wir sie leichter umbringen können als sie uns. Kühe begegnen uns mit unendlicher Gutmütigkeit und schauen uns nur fragend an, wenn sie misshandelt werden.

Menschen, beileibe nicht alle, wissen um die Fähigkeit einiger Tiere, Gedanken zu empfangen, Empfindungen aufzunehmen und zu äußern. Von Schimpansen weiß man, dass sie sogar humorbegabt sind und lachen können, allerdings anders als wir es gewohnt sind und worüber sie sich amüsieren, wissen wir nicht. Vielleicht ist es auch besser so.

Die Missachtung der Tiere bleibt dem Verstand keineswegs verborgen. Verstand und Empfinden, Kopf- und Bauchgefühl, werden aber immer noch als unversöhnliche Gegensätze wahrgenommen. Vielleicht käme der Mensch weiter, wenn er diesen unsinnigen Gegensatz aufheben und beides als Einheit leben würde. Auf dieser Grundlage würde der Mensch Tiere als eigenständige Wesen respektieren, ihr Verhalten zu deuten versuchen und sich entsprechend verhalten.

Tierliebe bleibt dennoch der untaugliche Begriff für unser Verhältnis zum Tier, weil der Begriff zu viele weitschweifige Eigeninteressen umfasst. Das Problem dabei bleibt, dass wir die Tiere nicht nach ihren Ansichten und Gefühlen dazu befragen können. Solange muss „Tierliebe“ so verstanden werden, das zu unterlassen, was den Tieren Schmerz, Angst und Leiden zufügt und stattdessen zu versuchen, zu tun, was Tiere gesund erhält und artgerecht wachsen lässt.

Unter dieser Prämisse würden Tierquäler nicht in die Psychiatrie oder in den „Knast“, sondern in die Vergangenheit gehören.



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