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50 Jahre in Eckernförde : Wenn die Minentaucher feiern, knallt's

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Ob in der Ostsee oder am Horn von Afrika: Die Minentaucherkompanie in Eckernförde beseitigt gefährliche Munition. Am Samstag wird gefeiert.

Eckernförde | „Nec aspera terrent“ - „Widrigkeiten schrecken nicht“ ist das Motto der Minentaucher der Marine. Und so lassen sich zwei Taucher ganz ruhig von einem Schnellboot absetzen. In Sichtweite treibt ein kugelförmiges Etwas in der Eckernförder Bucht - eine Treibmine. Die Taucher schwimmen auf dem Rücken auf die Mine zu, sondieren die Lage und bringen schließlich sogenannte Vernichtungsladungen an der Kugel an. Sie schwimmen zurück zum Boot, und per Fernzündung wird die Mine unschädlich gemacht. An einer anderen Stelle fährt ein kleiner Roboter auf einen verdächtigen Gegenstand zu, der an einer Hauswand liegt. Er sprengt das Paket mit lautem Knall. Ein Mann in einem schweren Bombenschutzanzug nähert sich anschließend vorsichtig dem Päckchen. Er muss überprüfen, in welchem Zustand das Objekt ist.

Was sich hier in wenigen Minuten abspielt, dauert in einem echten Einsatz oft mehrere Stunden. Denn an diesem Samstag müssen sich die hoch spezialisierten Soldaten der Minentaucherkompanie nicht mit scharfer Munition, Piraten oder echten Sprengfallen auseinandersetzen - vielmehr wollen sie aus Anlass ihres 50-jähriges Bestehen Angehörigen, Freunden und Medienvertretern einen Einblick in ihrer Fähigkeiten geben.

Die Aufgaben der Taucher haben sich in den letzten fünf Jahrzehnten immer wieder gewandelt. Anfangs haben sie ausschließlich in deutschen Hoheitsgewässern Seeminen aus dem Zweiten Weltkrieg geräumt. Später beseitigten sie unter anderem bei Landeinsätzen etwa im Irak und in Afghanistan Kampfmittel oder waren in ihrem „klassischen“ Element am Horn von Afrika oder vor der Küste des Libanon tätig. Aber auch von zivilen Stellen werden die Spezialisten angefragt. Sie helfen beispielsweise bei der Suche nach Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee, aber auch beim Bergen abgestürzter Flugzeugen wie etwa 1992 vor Sylt oder 1998 vor Borkum, oder bei der Suche nach Leichen oder gesunkenen Schiffen. 1986 wurden die Minentaucher aus Eckernförde sogar zur Bergung von 23 Säcken Sondermüll aus der Okertalsperre gerufen.

Die Ausbildung ist hart, und nicht alle Bewerber schaffen sie. Seit Gründung der Minentaucherkompanie am 1. Oktober 1964 wurde nicht einmal 1000 Soldaten der begehrte Fisch - das Minentaucherabzeichen - an die Brust geheftet. Derzeit sind rund 50 Taucher im Seebataillon, dem die Kompanie seit 1. April dieses Jahres angehört, aktiv. Stellen gibt es rund doppelt so viele. „Es melden sich deutlich weniger als früher“, sagt Fregattenkapitän Arne Krüger, Kommandeur des Seebataillons und selbst ausgebildeter Minentaucher. Woran das liege, wisse er nicht genau.

Fakt sei aber, dass immer weniger Jugendliche die körperliche Fitness für den Job hätten. „Darauf haben wir in den vergangenen Jahren deutlich reagiert“, sagt der Leiter des Ausbildungszentrums, Korvettenkapitän Mario Fink. Der eigentlichen Ausbildung, die zweimal im Jahr startet, seien Basistauch- und Sportlehrgänge vorgeschaltet. Dennoch musste gerade der aktuelle Lehrgang abgebrochen werden - von anfangs sieben Teilnehmern waren nach der „Höllenwoche“ in der Tauchhalle nur noch zwei übrig: zu wenig. Sie können beim nächsten Jahrgang mitmachen. Vom Vorgängerjahrgang haben von 23 nur 8 die Ausbildung bestanden.

Die Anforderungen der eigentlichen Ausbildung runterzuschrauben, um die Stellen zu besetzen, geht nicht, sagt Fink. „Kampfmittel verzeihen keine Fehler.“ Und werden im Zweifel auch eher komplexer.

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erstellt am 23.Aug.2014 | 15:00 Uhr

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