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Waffen aus Eckernförde : Ermittlungen gegen Sig Sauer: Peinliche Computer-Diebstähle aus Kieler Staatsanwaltschaft

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Absicht oder Zufall? Diebe stahlen bereits im August ein Beweismittel aus den Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft gegen den Waffenhersteller Sig Sauer. Die Behörde geht nicht von einer gezielten Aktion aus.

Eckernförde | Gleich zwei Computer-Diebstähle aus der Kieler Staatsanwaltschaft sorgen für Wirbel. Aus einer Außenstelle der Behörde wurde bereits im August ein Laptop aus den Ermittlungen gegen den Waffenhersteller Sig Sauer gestohlen.

„Auswirkungen auf das Verfahren Sig Sauer sind nicht zu befürchten“, sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Freitag. Der Computer war bereits im August vergangenen Jahres aus einer Außenstelle der Behörde verschwunden. Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer gezielten Aktion im Zusammenhang mit den Ermittlungen im Fall Sig Sauer aus. Offen blieb die Frage, ob die Daten zuvor gesichert wurden.

Sig Sauer war im vergangenen Jahr wegen möglicherweise illegaler Pistolen-Lieferungen in den Irak, nach Kasachstan und Kolumbien in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb, dem Bericht zufolge gegen fünf aktive oder ehemalige Führungskräfte, darunter den amtierenden Chef von Sig Sauer USA. Ermittler hatten den Computer und andere Beweismittel beschlagnahmt, als sie die Geschäftsräume der Firma und Privatwohnungen von Angestellten durchsucht hatten.

Der Diebstahl des Laptops war aber kein Einzelfall: Nach Angaben von Oberstaatsanwältin Heß verschwanden wenige Wochen nach dem Diebstahl des Beweismittels weitere Laptops, Bargeld und Wertgegenstände aus der Außenstelle. „Bei den Geräten handelte es sich aber nicht um Beweismittel aus laufenden Ermittlungsverfahren“, sagte sie.

Nach Angaben von Heß alarmierte die Staatsanwaltschaft nach den Diebstählen im vergangenen Jahr die Polizei. Auch der betroffene Laptop-Eigentümer sei sofort über den Fall informiert worden. „Es läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.“ Wie der Computer in dem videoüberwachten und gesicherten Gebäude verschwinden konnte, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft erklärte Medienberichten zufolge, die Sicherheitsmaßnahmen seien seitdem erhöht und die Regeln für den Umgang mit Beweismitteln verschärft worden.

Das Justizministerium wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu dem Vorfall äußern. Dafür meldete sich die Landtags-Opposition zu Wort. „Es löst Kopfschütteln aus, wie sorglos offensichtlich bei der Staatsanwaltschaft Kiel mit wichtigen Beweismitteln umgegangen wird“, sagte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. „Dass der jetzt bekanntgewordene Diebstahl möglich war, gibt uns der Lächerlichkeit preis und erlaubt die Frage, warum die Staatsanwaltschaft Kiel ihrer Aufgabe, Akten und Beweismaterialien ausreichend zu sichern, nicht nachgekommen ist.“ Das Verschulden liege bei der Staatsanwaltschaft. „Politische Vorwürfe lassen sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ableiten.“

CDU-Fraktionschef Daniel Günther betonte: „Unabhängig davon, ob der Diebstahl die Ermittlungen beeinträchtigt oder nicht: Die wiederholten Einbrüche in ein Gebäude der Staatsanwaltschaft sagen viel darüber aus, wie sicher sich Einbrecher in Schleswig-Holstein mittlerweile fühlen.“ Es sei nicht zu dulden, dass nur jeder achte Einbruch aufgeklärt werde.

Der Grünen-Rechtspolitiker Burkhard Peters bezeichnete es als naiv, davon auszugehen, der Diebstahl des Laptops habe wegen der Entwendung anderer Wertsachen nichts mit dem Verfahren Sig Sauer zu tun. „Genauso gut möglich ist, dass der oder die Täter nur deswegen auch etwas anderes mitgehen ließen, um den ansonsten möglicherweise eindeutigen Zusammenhang mit Sig Sauer zu vernebeln.“

Sig Sauer hatte Ende Februar angekündigt, mit deutlich weniger Mitarbeitern künftig nur noch Sportwaffen herzustellen.

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erstellt am 06.Mär.2015 | 12:40 Uhr

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