Meisterhafte Spürnasen auf vier Pfoten

Belohnung für 'Quinta', die den 'Vermissten' Timo Kroll (l.) schnell gefunden hat.
1 von 2
Belohnung für "Quinta", die den "Vermissten" Timo Kroll (l.) schnell gefunden hat.

Avatar_shz von
14. Dezember 2009, 10:27 Uhr

Eckernförde | Hunde sehen die Welt mit anderen Augen. Wobei Riechen der treffendere Ausdruck wäre, den ihre Nase weist ihnen den Weg: Sie verfügt über 220 Millionen Geruchszellen, der Mensch nur über fünf Millionen. Mit diesem feinen Näschen erschnüffeln sie scheinbar mühelos die 40 000 Hautzellen, die ein Mensch pro Minute verliert, und spüren zielsicher vermisste Menschen auf. Die "Geruchsspezialisten", sogenannte Mantrailer und Flächenhunde, können Leben retten - wenn man sie regelmäßig schult. Die Hundeführer des Verein Rettungshunde-Nord aus Eckernförde machen das seit Februar 2008. Viermal pro Woche bilden sie ihre Hunde für die Suche nach vermissten Menschen aus - beim Flächentraining im Gelände und bei der individuellen Spurensuche, dem Mantrailing anhand eines Bekleidungsstückes des Vermissten. Fast immer erfolgreich, und sehr effektiv in echter Teamarbeit von Mensch und Tier.

Gestern Vormittag haben "Baymen" und "Quinta", ein Hovawart und ein junger Bayrischer Gebirgsschweißhund von Sabine Rußland aus Schuby und Lydia Borgers aus Fleckeby, ihre Arbeit in der Eckernförder Innenstadt auf dem fährtenmäßig schwierigen Kopfsteinpflaster erfolgreich verrichtet. Ernstfall oder Training - für die Rettungshunde gibt es keinen Unterschied. Sie sind darauf fixiert, permanent Höchstleistung abzurufen, die Hilfskräfte zu leiten, den vermissten Menschen aufzuspüren, anzuschlagen, und nach getaner Arbeit mit Fleischhäppchen belohnt zu werden. Während der Suche stehen die Vierbeiner unter Strom: Ein kurzes Schnuppern an Hut, Hemd oder Hose des Vermissten, Witterung aufnehmen, die Nase ständig am Boden, manchmal auch hochgereckt, mit Zug an der langen Schleppleine zielgerichtet dem vertrauten Geruch nach, wenn nötig über Kilometer hinweg. Gestern waren "Baymen" und "Quinta" schon nach wenigen Minuten und einem halben Kilometer am Ziel: der "vermisste" Thomas Krautter stand auf einem versteckten Parkplatz im Rosengang, und Timo Kroll saß auf einer Bank an der Strandpromenade.

Hovawart-Rüde "Baymen" soll im nächsten Jahr seine Trailer-Prüfung ablegen, "Quinta" ist bereits ein einsatzfähig geprüfter Mantrailer, wie die speziell für die Vermisstensuche ausgebildeten Hunde heißen. Vor allem Jagdhunde wie der Bayrische Schweißhund sind für den Einsatz als Rettungshund prädestiniert, sagt die professionelle Hundetrainerin Lydia Borgers, die den Verein Rettungshunde-Nord vor knapp zwei Jahren gegründet hat. Damals war sie in einem Altenheim beschäftigt und musste miterleben, wie ein vermisster Heimbewohner nicht mehr rechtzeitig gefunden werden konnte. Für die Hundeexpertin der Knackpunkt, Hobby und Beruf miteinander zu verbinden und gezielt mit der zwei bis drei Jahre dauernden Ausbildung von Rettungshunden zu beginnen. Der junge Verein unter der Leitung von Manuela Dahmer aus Fleckeby hat seitdem Zulauf von sozial engagierten Hundebesitzern bekommen, die ihre Vierbeiner mit der ehrenamtlichen Rettungshundeausbildung und echten Einsätzen intensiv beschäftigen, fordern und fördern. Mareike Haase aus Scholderup bei Tolk beispielsweise bewegt ihre drei Hunde "Wilma", "Rita" und "Pluto" fünf Mal pro Woche auf zehn Kilometer langen Radtouren und bildet sie darüber hinaus im Aufspüren vermisster Menschen aus.

Polizei und Feuerwehr wissen um die hohe Qualität der privat ausgebildeten Rettungshunde und bitten die Hundeführer um Unterstützung. Mehrfach haben die Hunde schon angeschlagen und vermisste, oftmals auch suizidgefährdete Menschen rechtzeitig aufgespürt. Alle vier bis sechs Wochen kommt es zum Ernstfall, "oft nachts bei schlechtem Wetter", sagt Mareike Haase. Aber das hindern die engagierten Teams nicht daran, ihrer Arbeit nachzugehen - bei Sturm, Eis und Schnee.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen