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Rentnerfest von Sauer und Sohn in Eckernförde : Meister Fiede und seine Frauen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rentnerfest von Sauer und Sohn: 52 Teilnehmer mit zusammen fast 1500 Jahren im Arbeitsleben kommen im VfR-Vereinsheim zusammen.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 06:21 Uhr

Eckernförde | Gerade 14 Jahre alt war Ernst Jegust, als er bei Sauer & Sohn anfing. Damals war die Firma noch auf einem Erbpachtgrundstück bei der Torpedo-Versuchsanstalt Nord angesiedelt. Der Zweite Weltkrieg war gerade seit fünf Jahren beendet – vieles war noch im Argen. „Da fehlten teilweise noch Fenster im Gebäude“, erinnert sich der 81-Jährige, der sein Arbeitsleben bei Sauer  &  Sohn als Laufjunge startete. Er musste auch Nachrichten überbringen – Computer, die Mails senden konnten, gab es in den 1950-er Jahren nicht. 46,8 Jahre hat der Borbyer in der Firma gearbeitet. Mit 63 Jahren ist Jegust in Rente gegangen. Gemeinsam mit Klaus Küsel (75) organisierte er zum sechsten Mal das Rentnerfest Sauer  &  Sohn. 52 ehemalige Arbeiter und Angestellte haben sich gestern zu einem geselligen Beisammensein im VfR-Heim zusammen gefunden, um Erinnerungen auszutauschen und Kontakt zu halten.

„Fast 1500 Jahre Sauer & Sohn-Arbeitsleben sitzen hier zusammen“, sagt Klaus Küsel (75). Der Eckernförder war ab 1963 in der Buchhaltung und später in der Finanzabteilung tätig. Die Zeit, als das Gehalt noch wöchentlich jeden Freitagnachmittag in der Lohntüte ausgegeben wurde und die Frauen bereits vor den Werkstoren auf ihre Männer warteten und ihnen die Lohntüte abnahmen, war vor Küsels Wirken. „Viele hatten Probleme, als das Gehalt auf das Konto überwiesen wurde“, verrät Küsel, „konnten sie doch nicht so ohne Weiteres etwas für sich abzweigen wie vorher.“ So hat es einige Frauen gegeben, die sich wunderten, wie viel ihre Männer wirklich verdienten – war es doch zu Zeiten der Lohntüte stets weniger gewesen.

Mit 89 Jahren war Willi Möhl der älteste „Saueraner“ in der Runde. Der gelernte Feinmechaniker stieg mit 25 Jahren in den Betrieb ein. Gemeinsam mit fünf Kollegen fuhr er jeden Tag von Seeholz mit dem Fahrrad nach Eckernförde – um 6.30 Uhr begann seine Arbeitszeit, die um 15.30 Uhr endete. „Häufig musste er Überstunden machen, „die aber gut bezahlt wurden“, erinnert sich der Holzdorfer. Aufgrund des Waffengesetzes durften zunächst keine Kugelwaffen hergestellt werden, „wir haben Schrotflinten gebaut.“ Bis zum Meister hat es der Holzdorfer, der unter anderem auf dem Schießstand und in der Kontrolle gearbeitet hat, gebracht. Meister war auch Friedrich Schröder (87), von allen nur Fiede genannt – fast 41 Jahre hat er bei Sauer  &  Sohn gearbeitet. Bis zu 40 Männer und 20 Frauen waren in seiner Abteilung beschäftigt. „Die Frauen haben die Fischhaut für die Verzierung am Schaft geschnitten“, erklärt der Eckernförder. Zu seiner Abteilung gehörten unter anderem Helga Wisniewski(80), die 25 Jahre bei Sauer & Sohn garbeitet hat, Antje Hennings (69 / 26,5 Jahre) und Inge Wandel (78 / 20 Jahre). „Wir alle waren Fiede’s Frauen“, so Helga Wisniewski.

„Wir sind alle eine große Familie“, sagt Jegust, der sich sicher ist, dass „es früher mehr Menschlichkeit in der Firma gegeben hat.“ „Und mehr Aufstiegschancen“, verrät Küsel. „Bei Sauer & Sohn war es möglich, dass jemand dort gelernt hat und Geschäftsführer wurde – das gab es früher selten und heute gar nicht mehr.“

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