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Liebe zum Detail : „Mein Herz hängt an jeder einzelnen“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Waltraut Peter und ihr Mann Karl fertigten 15 Jahre lang Puppen mit dazugehöriger Kleidung und Mobiliar an. Sieben Jahre lang zeigten Kalender die Vielfalt ihrer Kreativität. Der Verkaufserlös war stets für einen wohltätigen Zweck bestimmt.

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erstellt am 18.Okt.2013 | 06:56 Uhr

Das Nesthäkchen nach Else Ury hat sie ebenso erschaffen wie den Kleinen Prinzen, Meister Eder und seinen Pumuckl oder Schneewittchen und die sieben Zwerge – rund 1000 Puppen hat Waltraut Peter in 15 Jahren genäht und zahlreiche Mütter in die Technik eingeweiht. Das hat ihr den Beinamen „Puppenmutter von Altenholz“ eingebracht. Am Mittwoch besuchte die 91-Jährige mit einer Auswahl ihrer Lieblinge den Seniorennachmittag im Ankergrund.

Die auf den Tischen platzierten Figuren sind mit viel Liebe zum Detail eingekleidet. Hemdchen, Jacken, Kleidchen, Hüte, Schuhe und Söckchen – jedes Stück hat Waltraut Peter selbst genäht oder mit Nähnadeln gestrickt. Jede für sich ist ein Unikat. Zuhause hat sie auf zwei Etagen noch 165 Puppen. „Mein Herz hängt an jeder einzelnen“, sagt Waltraut Peter. Verständlich, nicht nur wegen der handwerklichen Leistung – eine Woche hat die gelernte Hauswirtschaftsleiterin und Schwesternhelferin an einer Puppe gearbeitet. Stehen die kleinen Figuren doch auch für ein Hobby, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Karl nach dessen Pensionierung als Konteradmiral der Marine ausübte. Er widmete sich mit viel Hingabe den Kulissen. So steht Meister Eder in seiner Werkstatt, die nicht nur ein Ofen und diverses Werkzeug hat, sondern alles, was ein Tischlermeister so braucht. Holzstückchen, eine Uhr und Regale sind dort zu entdecken. Die Zahnarztpraxis versetzt den Betrachter ebenso ins Staunen – sogar einen Bohrer hält der Arzt einsatzbereit in der Hand. Mit gleicher Sorgfalt finden sich bei Waltraut Peter zuhaus noch ein Ballettstudio, der von Tieren umgebene Hof, auf dem ihr Mann geboren wurde, und ein Hochzeitsszenario, um nur einige Beispiele zu nennen.

Angefangen hatte alles 1983 durch die Anregung einer Nachbarin. Im Bastelkreis der Kirchengemeinde fertigte Waltraut Peter eine Waldorf-Puppe an, die sie Enkelin Katrin schenkte. Die damals Siebenjährige war so begeistert, dass ihre Oma bald weitere Puppen folgen ließ und sie von einer zur anderen verfeinerte. Die Schafwolle für die Füllung, wurde an der Westküste geordert und musste manches Mal noch gewaschen und gezupft werden, bevor sie verarbeitet werden konnte, schilderte Waltraut Peter. Die einzelnen Arbeitsschritte, wie die Wolle mit Trikot überzogen wird und das Ganze die Form einer Puppe annimmt, zeigt ein Modell, dass in den Kursen zur Anwendung kam, die die Altenholzerin interessierten Müttern gab. Irgendwann sei das jedoch zu viel geworden, und sie entschied sich, ihre Lieblinge in Szene zu setzen, zu fotografieren und damit Kalender zu bestücken, denen sie die Schnittmuster und Beschreibungen beifügen würde. So fanden Peters Puppen den Weg in Nachbars Garten zu den Katzen, an den Strand in Schilksee und an viele weitere Orte, um bezaubernde Motive zu liefern.

Sieben Jahre lang klebte die Puppenmutter von Altenholz Jahr für Jahr 13 Fotos in in 1000 Kalender, deren Blätter sie alle von Hand beschriftete und die sie, ebenso wie die Puppen, für die Unterstützung der Partnergemeinde in der ehemaligen DDR, der Lebenshilfe und der Kirchengemeinde Altenholz verkaufte. „Der Erlös war gut und hat uns immer animiert weiter zu machen“, sagt Waltraut Peter. Sie wünschte sich, ein Verlag würde sich für die Kalender interessieren und in heutiger Technik überarbeitet neu auflegen.

Einen Teil ihrer Sammlung hat sie an ihre vier Enkel und zwei Urenkel gegeben. Das Gros werde vielleicht mal in ein Museum gehen, hofft die Altenholzer Puppenmutter, die ihr „wunderschönes Hobby“ schon vor einiger Zeit aufgeben musste. „Das geht leider nicht mehr“, sagt sie. Aber ihre Augen strahlen: „Mein Mann und ich hatten eine ausgefüllte, herrliche Zeit.“

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