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Mein erster Flug: Zum Malen in den hohen Norden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flüge in kleinen Maschinen eine echte Nervenprobe / Beeindruckende Naturerlebnisse in Finnland

Ein Malkurs der Volkshochschule Flensburg sollte mich für 14 Tage nach Finnland und Lappland bringen. Ein Zubringer brachte mich und unsern Mentor, den Kunstmaler Lutz Theen, nach Hamburg-Fuhlsbüttel. Dort trafen wir dann den Rest der Malertruppe. Ich hatte ich starkes Grummeln im Bauch. Es war immerhin mein erster Flug. Dann ertönte die Durchsage. „Der Flug Nr.225 um 9.17 Uhr nach Helsinki fällt wegen technischer Schwierigkeiten aus, ein Ersatzflug kann um 10.46 Uhr vom Gate IV genutzt werden“. Für mich bedeutete das eine Stunde noch stärkeres Bauchweh. Na, das konnte ja heiter werden! Wir redeten uns gegenseitig Mut zu. Nur eine aus der Gruppe hatte die große Klappe und prahlte mit ihrer angeblichen Flugerfahrungen. Eine kleinere Maschine nahm uns auf und brachte uns zielsicher in die finnische Hauptstadt. Nur eine von uns hing blass und verstummt in ihrem Sessel. Sie ahnen schon, wer das war ...

Der Bürgermeister von Helsinki empfing uns persönlich und machte uns mit den Gepflogenheiten und den Problemen seines Landes vertraut. Er sprach exzellentes Deutsch und stand unserm Land sehr positiv gegenüber. In Helsinki herrscht ein anderes Verkehrssystem. Dort hat der Fußgänger überall Vorfahrt. Autos gleiten in der Innenstadt höchstens mit 20 bis 30 km/h vorbei. Eine angenehm ruhige Geräuschkulisse ohne jede Hektik. In ganz Finnland ist das Hauptverkehrsmittel das Flugzeug. Mit unserem Flugbillet konnten wir deshalb kostenlos an jeden Ort des Landes weiterfliegen. Das nutzten wir drei Tage später und vertrauten uns einer noch kleineren Maschine nach Lappland an. Sofern die Wolken es zuließen, sahen wir nur endlose Kiefern und Birkenwälder und unzählige Seen. Der Begriff: „Land der tausend Seen“ ist wohl weit untertrieben. Es sollen 40  000 sein.

Als unser Fliegen endlich zur Landung ansetzte, sahen wir vor uns eine kleine Schneise im Wald. Entsetzen stand in unseren Gesichtern. Um Gottes Willen, auf dieser kleinen, holprigen Waldweg sollten wir landen? Na, immerhin stand da einer mit zwei Signalkellen, der uns einwinkte. Vor einer Baracke blieb die Kiste tatsächlich stehen. Ein Bus brachte uns dann zu unserem Ziel. 14 rote einfache Holzhäuser, waren für die nächste Zeit unsere Unterkunft. Libellen umschwirrten uns, aber auch Hunderttausende von Mücken. Unser Holzhaus stand natürlich an einem malerischen See. Es war der letzte See im Norden, auf dem noch Seerosen blühten, in dem noch morgens junge Frauen singend und lachend die Wäsche wuschen, an dem die dampfenden Saunen standen und in dem sich die Birken und Föhren hundertfach widerspiegelten und aus dem wir eines nachts Millionen neu geborener Mücken wie Rauchsäulen in den Abend- oder Morgenhimmel steigen sahen. Es war die Zeit der Mittsommernächte. Zwischen Tagesende und Tagesbeginn lagen höchstens fünf Minuten Dunkelheit.

Mein größtes Erlebnis war ein Ausflug zum Inarisee. Zusammen mit Herrn Theen entdeckten wir dort ein Flugtaxi. Da im Büro keiner anzutreffen war, gingen wir in die Wohnung und landeten im Schlafzimmer. Der Pilot schlief gerade. Etwas schlaftrunken zeigte er zum Steg hinunter. Dort lag sein Wasserflugzeug und schwankte im Wellengang hin und her. Der Pilot war klein, setzte sich die Fliegermütze auf sein wirres Haar, knöpfte seine Lederhose zu, die an beiden Seiten mit Lederfransen bestückt war. Am Gürtel hing ein mächtiger Finndolch. Er sah eher einem Fallensteller ähnlich als einem Piloten. Fest angeschnallt fuhren wir auf den Kufen des Wasserflugzeuges auf den See hinaus. Schneller und höher wurde die Bugwelle, bis wir wie ein Albatros abhoben. Vor uns lag der hellblaue See - wie gläsern - im gleißenden Licht der Sonne. Unter uns entdeckten wir die 300 Inselchen. Jede trug einen dunkelgrünen Wald, der mit einem ockergelben Sandstrand umgeben war . Wir vergaßen beim Anblick dieses landschaftlichen Traumbildes jede Gefahr.

Dann wurde unser Pilot plötzlich unruhig, denn wir hatten uns der russischen Grenze bei Kirkenes genähert. „Sie schießen ohne Vorwarnung“ meinte er und drehte mit einer eleganten Kurve Richtung Heimat ab.

Wir haben noch vieles erlebt, denn die Tage waren lang in Lappland. Der Flug über den Inariesee war jedoch der absolute Höhepunkt.

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erstellt am 24.Feb.2015 | 18:21 Uhr

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