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Ratsversammlung : Mehrheit kippt Kino im Skaterpark

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

SPD, Grüne, Linke und Bürger-Forum stimmen gegen die Ansiedlung eines Kinos und Verbrauchermarkts im Schulweg. Bürgermeister Sibbel mahnte einen „ehrlichen“ Dialog an: Auf „absehbare“ Zeit werde es kein Kino geben.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 06:46 Uhr

Eckernförde | Eckernförde wird in absehbarer Zeit kein Kino bekommen. Die Ratsversammlung hat sich am Montagabend mit 14:11 Stimmen gegen den Kino-Standort Skaterpark im Schulweg ausgesprochen. Eine zeitnah realisierbare Standortalternative gibt es derzeit nicht. Für den Standort Skaterpark gab es drei Interessenten, die dort in Verbindung mit einem Verbrauchermarkt ein neues Kinocenter errichten wollten. Einer von ihnen hatte den Ratsmitgliedern übers Wochenende eine Lageskizze zukommen lassen. Die Bauherren und Kinobetreiber sollen bereit gewesen sein, am Standort Skaterpark über 8 Millionen Euro zu investieren und rund 50 Arbeitsplätze zu schaffen. Der Investor hätte auch die Umsetzung und Erneuerung des Skaterparks auf der anderen Straßenseite finanziert – jetzt müsste die Stadt für die Erneuerung der Anlage im wohl sechsstelligen Bereich aufkommen. Die Investoren brauchen sich nicht mehr zu bemühen – der Schulweg steht nicht mehr zur Verfügung. Dafür haben SPD (7), Grüne (3), Linke (1) und Bürger-Forum (3) gesorgt, die den von der Verwaltung ausgearbeiteten Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 73 „Skaterpark / Kino- und Einkaufscenter“ gegen die Stimmen von CDU (8), SSW (2) und FDP (1) mehrheitlich gekippt haben.

Zwölf Tage nach der Bauausschusssitzung, in der Bürgermeister Jörg Sibbel alle sieben Standortvorschläge und neun Lösungsvarianten im Detail vorgestellt hatte, zählte der Bürgermeister nochmals alle Fakten und Vorteile des Standorts Skaterpark auf: Größe, Lage, zeitnahe Umsetzbarkeit, Verträglichkeit mit dem Einzelhandel, Erreichbarkeit und Anfahrbahrkeit mit ÖPNV und Auto sprächen eindeutig für diesen Standort. Die Ansiedlung eines Verbrauchermarkts würde die Versorgung der Innenstadt auf Dauer sichern, zudem könnten die Flächen der geplanten Nooröffnung anderweitig für bezahlbaren innerstädtischen Wohnraum genutzt werden. Die Nutzer des Skaterparks sowie die Kleingärtner hätten sich mit der Verlagerung des Skaterparks auf die andere Straßenseite und die Aufgabe der verbliebenen Kleingärten einverstanden erklärt. „Andere freie Innenstadtflächen in der erforderlichen Lage und Größe für die zeitnahe Einrichtung eines Kinos mit kombiniertem Einzelhandel und ausreichenden Parkplätzen gibt es aus meiner Sicht nicht“, erklärte Sibbel unmissverständlich. Der auch für ihn nachvollziehbare Wunsch, das Bahnhofsareal städtebaulich zu überplanen, sei allerdings mit einem erheblichen Zeit- und Planungsaufwand verbunden, so dass es in absehbarer Zeit nicht zur Ansiedlung eines Kinos kommen werde. Das gehöre zum ehrlichen Umgang mit den Bürgern auch dazu. Der Bau eines Kinocenters sei zudem für den Erhalt und die Entwicklung des Internationalen Naturfilmfestvials Green Screen von immenser Bedeutung. Die Entscheidung „ist keine bloße Standortfrage. Es ist die Grundsatzfrage, ob wir in Eckernförde noch in absehbarer Zeit ein neues kommerzielles Kino für unsere Bürger und Gäste ermöglichen wollen“, sagte der Bürgermeister.

Matthias Huber (Bürger-Forum) wollte dem Standort Skaterpark zustimmen, „wenn er alternativlos ist, und das ist nicht gegeben“. Huber argumentierte mit der noch nicht erfolgten Prüfung, ob sich die Sanierung der Stadthalle für 6,5 Millionen Euro überhaupt lohnt, oder ob man sie nicht abreißen und an anderer Stelle, zum Beispiel am Grünen Weg, zusammen mit einem Kino neu baut. Solange das nicht geprüft ist, könne er nicht zustimmen. Weiteres Argument: „Der Bahnhof ist der beste Standort, der Skaterpark ist zweite Wahl.“ Es sei „unfair“ zu sagen, dass alle, die nicht für den Standort Skaterpark sind, kein Kino wollten. „Das Kino wollen alle“, so Huber.

Katharina Heldt (CDU) lobte die Verwaltung für ihre Erarbeitung der Vorlage und insbesondere Bürgermeister Jörg Sibbel für seine Verhandlungen und Gespräche mit den Jugendlichen und Kleingärtnern. „Nun könnte man meinen, alle Probleme sind gelöst. Doch weit gefehlt.“ SPD, Grüne, Linke und Bürger-Forum seien dagegen, ohne Alternativen zu haben. „Die CDU hat dem Bürger-Forum durchaus signalisiert, eine Stadthallenoption am Schulweg mitprüfen zu lassen. Leider ist der Bauausschussvorsitzende ein Hasenfuß. Ihr scheut euch davor, Verantwortung zu übernehmen“. Den Bürgern könne man dies alles nicht mehr erklären, „die fühlen sich hingehalten und verschaukelt.“ Martin Klimach-Dreger (SPD) möchte den Skaterpark aus „kinder- und jugendpolitischen, ökologischen und städtebaulichen Gründen“ nicht hergeben. Er möchte das „grüne Herz“ in Citynähe nicht antasten und die Jugendgruppen des Skaterparks nicht „atomisieren“. Stattdessen soll das Bahnhofsareal städtebaulich entwickelt und unter anderem auch zum Kino-Standort werden. „Last uns die Bereiche überplanen, die schon asphaltiert sind“, sagte er. Es sei ein Fehler gewesen, alle Planungen am Bahnhof einzustellen, als ein Investor aufgetaucht war.

Für Rainer Bosse (SSW) ist der Skaterpark „eine gute Lösung für alle“. Die Planungen am Bahnhof könne man ungeachtet dessen „in Ruhe angehen. Vielleicht bauen wir da eine neue Stadthalle hin.“ Allerdings erteilte Bosse schon jetzt einer Bebauung am Grünen Weg eine Absage, weil es der einzige Parkplatz sei, um den Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. „Das machen wir nicht mit.“ Susanne Molt (FDP) konnte den Rückzug der vier Fraktionen vom Skaterpark nicht verstehen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist er alternativlos.“ Zudem sei der Vorschlag der Investor „sehr gelungen, das Areal wird grün bleiben, ich verstehe die Argumentation nicht“. Edgar Meyn (Grüne) sprach sich ebenfalls für die Entwicklung des Bahnhofs mit einem Kino aus. Rainer Beuthel (Linke) forderte eine Untersuchung des Gebietes Bahnhof-ZOB-Grüner Weg von professioneller Seite. Dass es Meinungsunterschiede bei sieben Ratsparteien gebe, sei völlig normal. Für Verwunderung sorgte Thorsten Peuster (Bürger-Forum), der entgegen seines Abstimmungsverhaltens im Bauausschuss nun auf einmal gegen den Standort Skaterpark stimmte. Er führte seinen Stimmungsumschwung auf den seinerzeit von CDU und SPD abgelehnten Prüfauftrages seiner Fraktion zur Kostenermittlung eines Stadthallenneubau zurück. Kommentar Seite 9

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