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Neues Hafenkonzept : Mehr Schiffe und ein Blick unter Wasser

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke arbeitet an einem neuen Hafenkonzept: Klare Zuordnung für Segler, Kutter und Sportboote sind das Ziel. Und der Hafen soll attraktiver werden.

Eckernförde | Die Hafenentgeltsatzung in Eckernförde ist ein echter „Oldie“. Sie besteht seit 1994 und wurde nur 2001 von DM auf Euro „übersetzt“, das war’s, seitdem gelten die alten Gebührensätze. Zeit zur Aktualisierung und Anhebung, sagt sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke, und das bereits seit Januar 2012. Doch der Teufel steckt im Satzungsdetail, es gilt, rechtliche Fragen abzuklären und die neue Entgeltsatzung wasserdicht zu machen. Dazu wurde das Finanzberatungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PWC) um Mithilfe gebeten, das jetzt einen ersten Entwurf vorgelegt hat, der allerdings noch nicht beschlussfähig ist, weil für eine Verabschiedung noch Fragen offen sind und Daten- und Zahlenmaterial nachgeliefert werden muss.

Das ist das vorläufige Ergebnis der ersten öffentlich geführten Vorstellung der neuen Entgeltsatzung am Dienstagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen. Und da es dabei auch um die Hafennutzung geht, hat der Aufsichtsrat gleich ein neues Hafenkonzept geschrieben, dass ebenfalls im Paket mitbeschlossen werden soll und in der Sitzung im Ostsee Info-Center ebenfalls noch weiteren Beratungsbedarf ausgelöst hat.

Der kommunale Hafen, der aus steuerlichen Gründen von den Stadtwerken Eckernförde betrieben wird, ist ein Verlustgeschäft. Rund 75  000 Euro beträgt das jährliche Defizit, erläuterte Bürgermeister Jörg Sibbel, und da sind die steuerlichen Vorteile schon berücksichtigt. Ziel der angedachten Entgeltsatzung ist es, die Entgelte um 25 Prozent anzuheben, um die Verluste um knapp 25  000 Euro jährlich zu minimieren. Und dazu bedarf es weiterer Daten, Fakten und rechtlicher Klärungen, die PWC liefern soll.

Zuvor soll aber grundsätzlich die Frage geklärt werden, was die Stadt mit ihrem Hafen vorhat und welche Nutzung an welchem Standort sinnvoll ist. Dazu liefert das neue, im vergangenen Jahr von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Jenny Kannengießer (Die Grünen) erdachte Hafenkonzept konkrete Hinweise. Ziel ist es, den Hafen für alle Nutzer attraktiver und erlebbarer zu machen. Das Konzept muss noch überarbeitet werden, weil das Ergebnis des Bürgerentscheids mit der Aufgabe der Gaehtjestraßen-Planung nicht berücksichtigt ist.

Der Ausschussvorsitzender Ralph Krüger (CDU) umriss die bis dato wesentlichen Aspekte des Hafenkonzepts:

>Hafenspitze und Schiffbrücke: Dort sollen ausschließlich „fahrende Schiffe“ einen Liegeplatz finden. Also Traditionssegler, die „Tu Solo Tu“, der Angelkutter „Simone“ und fahrende Gastlieger, die aufgrund ihrer Größe nicht durch die Holzbrücke in den Binnenhafen einlaufen können. Das Restaurantschiff „Herta“ soll laut Planung im März den Hafen verlassen, das Gastronomieschiff „Capella“ in den Binnenhafen verleget werden. Als zusätzliche mobile Begrünung soll dort mit „Großgrün“ in Kübeln gearbeitet werden, dass bei Großveranstaltungen beiseite geräumt werden kann.

>Fischereipier: Von der Schiffbrücke Höhe Eishaus bis kurz hinter der Holzbrücke im Binnenhafen sollen die Fischkutter liegen und fangfrischen Fisch verkaufen. An der Pier liegen auch Netze und Ausrüstung parat. Zwischen 14 und 21 Uhr dürfen dort auch bei Abwesenheit der Fischer Gastlieger anlegen, um den Hafen zusätzlich zu beleben.

>Binnenhafen: Der Bereich zwischen Holzbrücke, Steindamm und Borbyer Ufer ist für Sport- und Freizeitskipper sowie Gastronomieschiffe („Capella“) vorgesehen. Neben dem Museums- und Fischersteg auf Borbyer Seite soll ein weiterer Steg für Sportboote errichtet werden, auch das Rettungsboot soll im Binnenhafen zur Besichtigung festmachen. Des Weiteren ist die Erneuerung der Sportbootliegeplätze vorgesehen. Bei Bedarf wird auch über weitere Flächen für Traditionsschiffe nachgedacht. Auch eine schwimmende, zehn mal zehn Meter große Bühne ist angedacht, um den Binnenhafen zusätzlich zu beleben und attraktiver zu machen. Diesem Ziel dient auch der Einbau einer barrierefrei zugänglichen Glaswand, die einen Blick auf die Unterwasserwelt ermöglicht. Für junge Besucher soll ein Lehrpfad von der Hafenspitze über die Holzbrücke bis zum Binnenhafen angelegt werden, wobei die Schulen in die inhaltliche Entwicklung einbezogen werden sollen.

>Borbyer Ufer: Dort soll Investoren die Möglichkeit erhalten, Tret- oder Elektroboote zu vermieten und das gastronomische Angebot aufzuwerten. Der Bedarf für eine Slipanlage wird nicht gesehen. >Kostenschätzung:Glaselement 850  000 Euro, Steg für Sportboote 100  000 Euro, schwimmende Bühne 40  000 Euro, Lehrpfad 10  000 Euro, mobiles Großgrün 1000 Euro pro Kübel plus Unterhaltungskosten. Die Umsetzung der Maßnahmen des Hafenkonzepts steht unter Finanzierungsvorbehalt, erklärte Krüger. Bürgermeister Sibbel fügte ausdrücklich hinzu, dass die Aufstellung eines U-Bootes (wir berichteten) im Hafenkonzept nicht vorgesehen ist. Außerdem sei bei der Frage nach der Bedeutung des Hafens zu beachten, dass er in diesem Jahr fünf Mal von Kreuzfahrtschiffen angelaufen werde. Das Konzept zur Attraktivitätssteigerung und Neuordnung des Hafens wurde insgesamt begrüßt, hinterfragt wurden einzelne Maßnahmen. Edgar Meyn (Grüne) wies auf die Gefahr von „Ritzern“ bei der Glaswand im Binnenhafen hin und fragte nach der Kostendifferenz zwischen Glaswand und normaler Spundwand. Die für 2018 geplante Sanierung der Spundwand würde 300  000 bis 400  000 Euro kosten, sagte Stadtwerke-Chef Dietmar Steffens.

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erstellt am 16.Feb.2017 | 06:02 Uhr

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