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fischerglück : Mehr Salz im Wasser lockt Makrelen an

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stürme im Herbst haben viel Nordseewasser in die Ostsee gedrückt. Dadurch könnten Makrelen und Köhler vermehrt in die Bucht kommen – und Feuerquallen.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Die Angler in Eckernförde dürfen hoffen: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass in diesem Jahr besonders viele Makrelen in die Bucht kommen. Und auch der Köhler – auch Seelachs genannt – fühlt sich seit letztem Jahr in der Förde wohl, die eigentlich nicht zu seinem bevorzugten Lebensraum gehört.

Den Grund sieht Claus Müller, Leiter des Ostsee Info-Centers (OIC), in dem ungewöhnlich hohen Salzgehalt des Wassers. „Das beruht nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern nur auf Beobachtungen“, sagt er. Täglich messen die Mitarbeiter des OIC nicht nur die Temperatur und den Sauerstoffgehalt, sondern auch den Salzgehalt des Wassers vor ihrer Haustür. Normalerweise liegt dieser bei 12 bis 15 Promille, seit einigen Monaten aber hat er die 20-Promille-Grenze deutlich überschritten. Der Grund: Die starken Weststürme im Herbst haben dafür gesorgt, dass viel Nordseewasser mit einem Salzgehalt von 34 bis 35 Promille über den Skagerak in die Ostsee gelangte. „Der Salzgehalt in der Eckernförder Bucht ist dadurch fast bis auf das Doppelte angestiegen“, so Müller. Und bis dieses Wasser wieder ausgeschwemmt ist, vergeht einiges an Zeit.

Ostwind über einen langen Zeitraum könnte das beschleunigen, denn je weiter man in Richtung Baltikum kommt, wird das Ostseewasser durch den Flusswassereintrag laut Müller „immer labbriger“. „Der Seestern braucht zum Beispiel mindestens einen Salzgehalt von 10 Promille“, erklärt Claus Müller. „Hinter Kiel ist er schon weg. Und bei Bornholm sind nur noch sechs Promille Salz im Wasser.“ Das reicht für viele Tiere nicht mehr aus. „Der Dorsch kommt damit noch ganz gut zurecht, die Makrele nicht.“

Durchschnittlich alle zehn Jahre komme es vor, dass sich der Salzgehalt in der westlichen Ostsee so stark erhöht. Darüber freut sich auch die gelbe Haarqualle, im Volksmund auch „Feuerqualle“ genannt. Sie benötigt ein salziges Milieu zur Fortpflanzung. Normalerweise findet sie das nicht in der Ostsee und kommt nur als ausgewachsene Qualle aus der Nordsee herübergeschwemmt. In diesem Frühjahr hat Claus Müller aber schon einige sehr kleine Feuerquallen gesehen, die belegen, dass sich die Haarquallen in diesem Jahr in der Ostsee reproduziert haben. Es kann also sein, dass in diesem Jahr auch mehr Feuerquallen in der Ostsee unterwegs sind.

Auf die harmlosen Ohrenquallen dagegen hat der Salzgehalt des Wasser nur wenig Einfluss. Der warme Winter jedoch hat dazu geführt, dass die Quallen früher mit der Vermehrung begonnen haben. Dass es dadurch automatisch mehr Exemplare im Sommer geben wird, verneint Claus Müller. Das sei unter anderem auch vom Nahrungsangebot abhängig.

Wie auch immer – es sind schon Rufe nach Netzen vor den Badestränden laut geworden, die die Quallen aufhalten sollen. Dem erteilt aber sowohl Claus Müller als auch Touristik-Chef Stefan Borgmann eine Absage. „Frag mal einen Fischer, was das für eine Sauerei ist, wenn er Quallen im Netz hat“, so Claus Müller. „Die sind in kurzer Zeit komplett verstopft und überhaupt nicht mehr zu händeln. Das sind gigantische Gewichte.“ Als unnötigen Eingriff in den Naturraum wertet auch Stefan Borgmann den Vorschlag. „Rein rechtlich dürfen wir das auch gar nicht.“

 

 

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