Europatag : Mehr Prävention gegen Rechtsextremisten

Den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek (r.), begrüßte FHVD-Präsident Professor Dr. Josef Konrad Rogosch am Rehmkamp.
Den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek (r.), begrüßte FHVD-Präsident Professor Dr. Josef Konrad Rogosch am Rehmkamp.

Vorsitzender des Zentralrats der Muslime stellt klare Forderungen bei Besuch in Altenholz

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08. Mai 2015, 06:00 Uhr

Altenholz | 14 Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York stehen Muslime bei terroristischen Anschlägen noch immer unter Generalverdacht, kritisiert Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Beim Europatag der Verwaltungsfachhochschule (FHVD) am Rehmkamp warb er gestern vor 250 Zuhörern für mehr Präventionsarbeit und den Dialog.

„Nationalismus, Rassismus und Islamismus – Herausforderungen für das wiedervereinigte Deutschland als Teil der europäischen Wertegemeinschaft“ war das Thema des Tages. Die Festnahme der vier mutmaßlichen Rechtsextremisten der „Oldschool Society“ (OSS) am Mittwochabend mache einmal mehr deutlich, dass die Gefahr auch nach dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) latent und real ist, sagte Mazyek. Wie der Sozialismus zu Zeiten der RAF werde heute der Islamismus instrumentalisiert, um in Blogs im Internet Hetze zu betreiben. Der Nährboden dafür sei meist empfundenes Unrecht, berichtete Mazyek.

Er forderte Staat und Gesellschaft auf, genau hinzusehen. Jugendliche bräuchten Hilfe, um die von religiösen Extremisten getroffenen Aussagen einordnen zu können. Mazyek: „Die Summe der Vorurteile führt zu rassistischen Erscheinungen. Wir brauchen Grundvertrauen, damit Pegidisten nicht obsiegen und neosalafistische Heilsprediger daraus kein Kapital schlagen können.“ Es brauche mehr Präventionsarbeit an Schulen und Universitäten, Angebote wie den Europatag an der FHVD. Ein gesundes Grundvertrauen müsse eingeübt und gegenseitig bestätigt werden. Es brauche deutliche Signale wie die vom Zentralrat der Muslime nach dem Anschlag auf das Pariser Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ organisierte Mahnwache am Brandenburger Tor, bei der die Spitze des Staates versammelt gewesen sei, um deutlich zu machen, dass Extremismus jeglicher Couleur menschenverachtend und der Plan der Terroristen, mit ihrer Hass-Tat einen Keil in die Bevölkerung zu treiben, nicht aufgegangen ist. Von den Medien forderte Mazyek mehr „Trennschärfe“ in der Berichterstattung – Verbrechen in religiösen Kontext dürften nicht generell dem Islam zugeschrieben werden, betonte er. „Es ist unser Interesse, den Extremisten die Deutungshoheit unserer Religion wegzunehmen“, so Mazyek.

Ihre Sicht zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit anderer Nationalität stellten neben Jan Ramm, einem Kieler mit kurdischen Wurzeln, der Däne Michael Petersen aus Flensburg und die Kolumbianerin Natalya Hergett aus Kiel dar, bevor der ehemalige Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Zierke über die „Sicherheitsarchitektur Deutschlands“ sprach.

Ziel des Europatags, der für alle drei Fachbereiche der Hochschule gedacht ist, sei es, den europäischen Gedanken unter kritischen Facetten betrachten zu lernen, erklärte Präsident Professor Dr. Josef Konrad Rogosch. Die angehenden Kräfte der Verwaltung und Polizei sollten so sensibilisiert und zum verschärften Nachdenken angeleitet werden, so Rogosch weiter. Das dürfte gelungen sein.

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