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Haus Schwansen : Mehr Platz und Komfort für die Bewohner

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Richtfest beim Haus Schwansen in Rieseby: Der Trägerverein Brücke investiert 1,15 Millionen Euro in das Bauprojekt. Dort werden 69 an Demenz erkrankte Menschen betreut und gepflegt.

Pavillons im Garten, Tische und Bänke, Orangensaft und Sekt – trotz des trüben Wetters wurde gestern Vormittag im Garten des Hauses Schwansen ein fröhliches Fest gefeiert. Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter, Handwerker und Architekten schauten zu, als der Zimmerermeister Thorsten Hagge und sein Geselle Tobias Rohwer das Glas erhoben und den Richtspruch aufsagten. Nach nur drei Monaten Bauzeit war gestern Richtfest für den rund 1,15 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau des Hauses Schwansen. Das Haus ist ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Leuchtturmprojekt mit einer spezialisierten Dementenbetreuung. Acht neue Plätze kann die Einrichtung nach Fertigstellung im April 2015 anbieten, so dass in dem Haus dann insgesamt 69 an Demenz Erkrankte betreut werden können.

Träger der Einrichtung ist die Brücke. „Das Haus Schwansen ist ein Ort, in dem Leben und Sterben, Betreuung und Pflege auf das Engste zusammengehören“, sagte Klaus Magesching, Vorstand der Brücke, in seinem Grußwort. Dass es Bedarf an Betreuungsplätzen für Demenzerkrankte in Deutschland gibt, machte Magesching anhand von Zahlen deutlich. Von rund sieben Millionen Menschen mit Behinderungen bundesweit müssen 2,4 Millionen gepflegt werden. Bereits 2030 wird jeder dritte Bundesbürger über 60 Jahre alt sein – davon werden über 60 Prozent an Demenz erkrankt sein. Das Haus Schwansen sei ein gelungenes Beispiel für die Betreuung und Pflege, so Magesching.

Heute vor genau 21 Jahren wurde die Einrichtung neu gegründet und erwarb sich schnell den Ruf eines Leuchtturmprojekts in ganz Deutschland und diente auf diese Weise anderen Heimen als Vorbild. Mit Blick auf die Politik forderte Magesching die Schaffung eines „neuen Begriffs zum Thema Pflegebedürftigkeit“: „Gute Pflege braucht mehr Zeit, mehr Geld und mehr Anerkennung in unserer Gesellschaft.“ Kompetentes und gut bezahltes Personal stellten eine wichtige Konstante dar. Obwohl die Rahmenbedingungen alles andere als ideal seien, „gibt es eine sehr gute Pflege im Haus Schwansen“, lobte Magesching. Unter der Leitung von Christine Petersen und ihrem Pflegedienstleiter Hannes Brodersen sind 102 Mitarbeiter, vom geringfügig Beschäftigten bis zum Gärtner, im Haus beschäftigt. Der Garten spielt in der Betreuung eine besondere Rolle. Mehrere Varianten haben Magesching und Manuela Hanke vom Architekturbüro Giese und Hanke durchgespielt, bis sie sich für diese Form des Erweiterungsbaus auf dem 6500 Quadratmeter großen Grundstück entschieden – galt es doch, den Charakter des Gartens möglichst nicht zu zerstören. Jetzt fügt sich der Anbau harmonisch an die Gesamtkonstruktion, die an eine U-Form erinnert. Mit der Erweiterung steht Bewohnern und Mitarbeitern eine Fläche von 2900 Quadratmetern zur Verfügung – darunter befinden sich auch Ferienappartements, die Angehörige für einen Besuch nutzen können.

So wie Birgit Bucher und ihre Familie aus Berlin. Die 47-Jährige nahm gestern mit ihren Söhnen Arthur (10) und Friedrich (9) an dem Richtfest teil. Ihr Vater Alfred, der aus dem Elsaß kommt, lebt in der Riesebyer Einrichtung. „Trotz der Entfernung haben wir uns ganz bewusst für dieses Haus entschieden“, begründet die Berlinerin die Wahl. Auch nach neun Jahren hat sie ihre Entscheidung nie bereut: „Hier darf Demenz sein.“ Drei bis vier Mal im Jahr kommt sie für einige Tage nach Rieseby zu Besuch. Ihre Söhne kennen das Haus und seine Bewohner seit ihrer Geburt. Fußballspielen im Garten sei eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Und morgens ein Besuch beim Opa gehöre dazu. Birgit Bucher wünscht sich ein Umdenken in der Politik, um Pflege so zu ermöglichen wie sie im Haus Schwansen praktiziert wird.

Die Fertigstellung des Windergartens, Modernisierungen in der Küche und der Wäscherei sowie der Einbau eines Fahrstuhls gehören ebenfalls zum Erweiterungsprogramm. Dann sei aber auch Ende der Bautätigkeiten, so die Leiterin Christine Petersen. Die Kapazitätsgrenzen von Garten, Bewohnern und Mitarbeitern sei erreicht. Schließlich lege man im Haus großen Wert auf ein vertrauensvolles Miteinander.

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erstellt am 01.Nov.2014 | 06:50 Uhr

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