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Anbau : Mehr Platz für Menschen mit psychischem Handicap

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Einrichtung für Menschen mit psychischem Handicap „Kompass ’98“ hat gestern den Grundstein für einen 1600 Quadratmeter großen Erweiterungsbau im Kolm gelegt. 90 Menschen werden hier von 25 Fachkräften betreut.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 05:31 Uhr

Die Zahl der psychischen Krankheiten in der Bevölkerung nimmt zu. Norbert Eggers, Einrichtungsleiter der Werkstätten Materialhof, weiß warum: „Der Druck in der Arbeitswelt ist größer geworden, und dem ist nicht jeder gewachsen. Das zieht sich durch alle Alters- und Berufsgruppen.“ Daraus können langfristige Erkrankungen wie beispielsweise Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen und schließlich Behinderungen entstehen.

Seit 15 Jahren gibt es deshalb mit dem Kompass ’98 eine Betriebsstätte der Werkstätten Materialhof (Träger: Diakonie-Hilfswerk Schleswig–Holstein), in der Menschen mit psychischen Handicaps betreut werden. Sie finden Arbeit in verschiedenen Gruppen wie Küche, Montage, EDV, Gärtnerei oder in der graphischen Abteilung. Im Kolm, im Hörst und in der Sauerstraße hat die Einrichtung Räumlichkeiten angemietet, doch mit der Zeit wurde es zu eng. 2011 dann kaufte die Einrichtung das langjährig gemietete Gebäude im Kolm 10 (neben dem K7) mit rund 500 Quadratmetern und beschloss anzubauen. Gestern legten Einrichtungsleiter Norbert Eggers und Werkstattleiterin Marita Kahn im Kolm den Grundstein für den 1600 Quadratmeter umfassenden Erweiterungsbau.

Damit werden die Arbeits- und Produktionsstätten zentralisiert und die angespannte Platzsituation entschärft. Es entstehen an diesem Standort Arbeitsplätze und das Angebot für berufliche Bildung für 90 Menschen mit psychischen Handicaps und 25 Fachkräfte. „Ziel ist es zum einen, die Menschen wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärt Norbert Eggers. „Auf der anderen Seite ist für viele aber die Werkstatt schon zum Arbeitsmarkt geworden. Ihre Erkrankung ist so manifestiert, dass eine Rückkehr in den allgemeinen Arbeitsmarkt unwahrscheinlich ist.“ Dennoch konnten im laufenden Jahr drei jungen Menschen Ausbildungsplätze vermittelt werden, einem anderen wurde eine schulische Weiterbildung ermöglicht.

Die 3,5 Millionen Euro teure Gebäudeerweiterung setzt sich aus einem eingeschossigen Westflügel mit Flachdach und einem zweigeschossigen Nordflügel mit Satteldach zusammen. Mittelpunkt und Bindeglied zwischen Bestands- und Erweiterungsbau bildet künftig der Westflügel mit Speisesaal, Multifunktionsraum, Beruflicher Bildung und Küche. Im zweigeschossigen Nordflügel erhalten die Garten- und Landschaftspflege sowie die Montagegruppe ihre neue Arbeitsstätte. Architekt Hartmut Meyer rechnet mit einer Fertigstellung des Gebäudes im Juli oder August kommenden Jahres.

Bei der Grundsteinlegung betonierten Einrichtungsleiter Norbert Eggers, Werkstattleiterin Marita Kahn und Architekt Hartmut Meyer eine Metallröhre mit ein, in der zuvor neben einer aktuellen Eckernförder Zeitung jede Einrichtungsabteilung einen Gegenstand mit guten Wünschen gelegt hatte: vom selbst gravierten Schild bis zur Wildkräutermischung. Was Marita Kahn aber ganz besonders freut: „Das Ganze rechnet sich: Die monatlichen Kosten nach der Fertigstellung sind auch nicht teurer, als wenn wir Miete zahlen.“

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