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Renaturierung : Mehr Moor für bedrohte Tierarten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Firma ecodots wandelt 12,6 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Hummelfeld zum Ökokonto um.

Hummelfeld | Wer im vergangenen Sommer bei einer Fahrradtour Schleswig-Holstein erkundet hat, wird die allgegenwärtige Präsenz einer bestimmten Nutzpflanze auf vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht abstreiten können. Der Biogasboom hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Mais jetzt auch in den Niederungen angebaut wird– mit fatalen Folgen für die Wiesenvögel und andere Tierarten. Der kleine Kiebitz mit seiner frechen Holle ist besonders gefährdet, da es immer weniger geeignete Nistplätze mit entsprechendem Nahrungsangebot gibt. Diesen beunruhigenden Entwicklungen wirkt die Firma ecodots von Sven-Hermann Pohlmann bereits seit 2009 entgegen. Nach erfolgreichen Projekten in Kosel, Loose und Schönhagen hat er sich in Zusammenarbeit mit Landwirten, Lohnunternehmen und dem Planungsbüro Springer seinem neuen Vorhaben in Hummelfeld gewidmet. Die unabhängige Firma ecodots engagiert sich für den Erwerb von Ökopunkten, die immer dort von Belang sind, wo durch Baumaßnahmen die Natur zerstört wird. Im Regelfall müssen dann Ausgleichszahlungen für die Bauprojekte geleistet werden. Durch die ökologische Aufwertung von Ausgleichsflächen können Ökopunkte zurückgewonnen werden. Die Leitung sämtlicher Projekte liegt in der Hand des alleinigen Geschäftsführers Sven-Hermann Pohlmann. Da er selbst aus der Landwirtschaft kommt, behält er neben den Bedürfnissen des Naturschutzes auch immer die Interessen der Landwirte fest im Blick. „Meine Firma möchte den Eigentümern ihr Land nicht abkaufen“, betonte er. „Ich sehe mich als Vermittler zwischen den Landwirten, den Behörden und den Unternehmen, die die entsprechenden Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung auf dem Land ausführen. Ich nehme den Eigentümern die gesamte Planung ab und stehe ihnen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung“, erläuterte er sein Konzept – und das kommt an. In Hummelfeld konnte aktuell eine Fläche von 12,6 Hektar zur extensiven Nutzung gewonnen werden. Das bedeutet, dass das Land ohne den Einsatz von Dünge– und Pflanzenschutzmitteln gepflegt wird. Außerdem dürfen auf der als Ökokonto gekennzeichneten Fläche lediglich 1,5 Rinder oder 4,5 Schafe pro Hektar weiden. Um den Kiebitz und andere Wiesenvögel bei der Brut zu schützen, muss das Gras spätestens bis zum 15. März oder ab dem 1. Juli gemäht werden. Die Eigentümer der aufgewerteten Fläche sind primär Marc Hansen und Markus Gosch. Da Gerd Kühl, dem zuvor auch Land in dem Gebiet gehört hat, seinen Anteil verkaufen wollte, ist nun erstmals auch Land in Besitz der Firma ecodots. „Glücklicherweise ist Marc Hansen bereit, diesen Anteil zu verwalten“, sagte Sven-Hermann Pohlmann. Seine Firma betreibt keine Landwirtschaft.

Um die Fläche in ein Ökokonto zu verwandeln, wurden seit dem Frühjahr verschiedene Maßnahmen ausgeführt. Da die Vögel einen möglichst feuchten und nassen Lebensraum benötigen, wurden die zwischen den Flurstücken liegenden Entwässerungsgräben, sofern sie nicht für die Bewässerung anderer Flächen zuständig sind, zu den Auen hin verschlossen. Des Weiteren wurden die Grabenränder abgeflacht, wodurch breitere Gräben gewährleistet werden können. Die neuen Ränder bieten den Amphibien außerdem einen besseren Zugang zum Wasser. Durch die Anlage von Blänken und Kleingewässern konnten weitere Lebensräume für diese Tiere geschaffen werden. „Wir begrüßen den freiwilligen Charakter des Konzepts“, sagte Heini Schulz, der Verbandsvorsteher vom Wasser- und Bauverband Hüttener Au. Am Mittwoch besuchte er gemeinsam mit Tatjana Hansen, ihrem Sohn Lars (10) und Sven-Hermann Pohlmann die Fläche. „Auf diese Weise kann man etwas Gutes für die Umwelt tun, ohne das eigene Land in fremde Hände geben zu müssen“, freute sich Tatjana Hansen, die schon seit vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in der Landwirtschaft tätig ist und einen Teil ihres Landes für das Ökokonto zur Verfügung gestellt hat. Sven-Hermann Pohlmann möchte sich um Käufer für die Ökopunkte bemühen, damit sich die Investitionen auch finanziell auszahlen. Der Ausgleichswert der neuen Fläche liegt bei 133  337 Punkten.

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