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Ratschläge von Eva Kessler : Mehr Harmonie in der Familie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Erziehungsberaterin Eva Kessler erläuterte in Gettorf Eltern ihr Konzept zur optimalen Aufgabenverteilung von Eltern und Kindern

Gettorf | Eltern verzweifeln, Streitigkeiten eskalieren, Kinder kommen zu kurz, Partnerschaften werden getrennt. Viele Elternpaare wissen, wie anstrengend und störanfällig das Organisieren von Haushalt und Kinderbetreuung ist, wenn beide Partner berufstätig sind. Vor allem viele Mütter leiden unter dem Stress, der entsteht, wenn sie die alten Rollenerwartungen an eine Mutter zu erfüllen versuchen und daneben noch zusätzlich ihren Beruf meistern.

Eva Kessler, 63, Mutter zweier erwachsener Kinder, Kommunikationswissenschaftlerin, Erziehungsberaterin und Supervisorin mit eigener Praxis in Kronshagen, hat ein Buch zum Thema mit dem Titel „Das Familienkonzept“ geschrieben. Sie weckt Neugier bei Eltern, mit veränderter Perspektive auf ihre Lebenssituation zu schauen. Es gilt, Kindererziehung, Berufstätigkeit beider Eltern und Haushaltsführung miteinander in Einklang zu ringen, ohne dass einer ausbrennt.

Um die 80 Mütter, Väter und auch Erzieherinnen aus den umliegenden Kitas kamen am Mittwoch ins Hotel Stadt Hamburg nach Gettorf um ihren Vortrag mit Debatte zu hören. Eingeladen zu der Auftaktveranstaltung in der Reihe „Frau, Gesundheit & Beruf“ hatten die Netzwerkpartnerinnen Anja Fiebelkorn, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Dänischer Wohld, Nina Jeß, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Schlei-Ostsee, Bibeth von Lüttichau, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Hüttener Berge, Ute Heyn vom Familienzentrum Eckernförde der evangelischen Kirchengemeinde Borby und Dr. Christiane Kaiser vom Beratungsbüro „Frau & Beruf“ im Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Wir freuen uns sehr, dass so viele gekommen sind“, sagte Anja Fiebelkorn. „Und schön auch, dass so viele Väter dabei sind“, fügte Nina Jeß an. Denn in vielen Familien herrsche immer noch das traditionelle Rollenmuster. 80 Prozent der Hausarbeit leisteten noch immer die Frauen. „Für uns ist es wichtig zu gucken, wie kann man da unterstützen.“

Eva Kessler lud ein, gemeinsam laut zu denken. In ihrem Vortrag mit vielen Beispielen schilderte sie, wie eine moderne Familie heute leben kann, ohne dass einer ausbrennt. „Es geht darum, wie kann Familie ein schöner Raum sein, wo Kinder entspannt groß werden“, sagte sie. Als Pädagogin blickte sie auf die Kinder. Kinder sollen Kinder sein dürfen. Wenn Kinder zu früh elterliche Aufgaben übernehmen müssten, erhöhe das in ihrem späteren Leben die Wahrscheinlichkeit, depressiv zu werden oder sich zu überfordern. Denn sie seien es gewohnt, benutzt zu werden. Ihnen fehle die Leichtigkeit, mal die Füße hochzulegen und Pause zu machen. Altersgemäße Aufgaben zu erfüllen gehöre dagegen zur Kindheit. Da die Identitätsbildung des Kindes hauptsächlich im Elternhaus stattfindet, profitierten Kinder von gut gestimmten Eltern, machte die Expertin deutlich. Meckern dagegen bedeute, dass das Kind nicht ok ist, so wie es ist.

Kinder wünschten sich entspannte Eltern, die auch mal loslassen, Spaß machen und Zeit haben. Um das zu erreichen ist ihre Idee, einen Plan zu machen für jeden Wochentag und die Haus- und Arbeit mit den Kindern außerhalb der beruflichen Blöcke zu teilen. Das Grundprinzip sei Halbe-halbe. Doch es sollte sich für beide Partner gerecht anfühlen. In der Hausarbeit und Arbeit mit den Kindern ist dann jeweils einer für einen Tag oder Zeitraum der Chef, der andere hat als Mitmensch Auszeit. „Das hat sich total bewährt“, führt Eva Kessler aus. Frauen, die bislang traditionell die Hausarbeit übernommen haben, sollten anfangs aus dem Haus gehen, wenn der Partner die Chefaufgaben hat. Sie bräuchten diese Zeit, auch um loslassen zu können. Sie weiß das aus ihrer Beratungsarbeit. Die Frauen könnten zum Sport oder mit der Freundin ins Kino gehen. Und sie zerstreut Bedenken. „Kinder sind ganz schnell damit, dieses System zu lieben“, sagte sie. „Die Kinder bekommen super Orientierung. Und es gibt immer einen, der reagiert.“

Die Eltern hörten gespannt zu, manche machten sich Notizen, es wurde gelacht, sich in Beispielen wiedererkannt und eine Menge an Fragen gestellt. „Ich fand die Debatte toll, es hat Spaß gemacht“, schloss Eva Kesser nach zweieinhalb Stunden ihren Vortrag. „Es war total spannend“, meinte die Gleichstellungsbeauftragte Anja Fiebelkorn, selber Mutter von drei Kindern. „Ich habe einiges mitgenommen.“

 


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