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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 04:13 Uhr

Mehr Fragen als Antworten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dialog über Käte Lassens „Nordischer Schwertertanz“ zwischen Christina Kohla und Norbert Weber wirft viele Fragen auf

Im Museum läuft derzeit eine Ausstellung unter dem Titel „Käte Lassen, Malerin am Meer“. Zeitgleich, nur an anderem Ort, ist ein großflächiges Wandgemälde der Künstlerin zu sehen, das sowohl mit seinem Darstellungsinhalt – „Nordischer Schwertertanz“ – wie mit Geschichte und dem aktuell unübersehbar schlechten Zustand inzwischen zum Stadtgespräch geworden ist. Am Sonnabend hatten interessierte Besucher die Möglichkeit, direkt in der Aula der Pestalozzi-Schule das Gemälde zu betrachten und dabei die Ausführungen von drei Wissenschaftlern zu verfolgen. Zur Dialogführung hatten Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske, Dr. Christina Kohla, die Kuratorin der Sonderausstellung „Käte Lassen“, und Norbert Weber eingeladen. Er ist Kunsthistoriker M.A. und Spezialist für nordeuropäische Kunst. Den drei Kunstkennern saßen rund 30 Gäste gegenüber, die beim Verfolgen des Dialogs immer gleich das bezeichnete Gemälde über den Köpfen der Referenten betrachten konnten. So kamen die Worte zum Bild, eine anschauliche und runde Sache.

Fragen tauchten auf: Wenn nun Käte Lasse im Auftrag des Direktors Georg Schaub, der am vormaligen Jungmanngymnasium dieses Bild in Auftrag gab, 1939 fertigstellte – war das „Nazi-Kunst“? Die Darstellung der fast nackten jungen Männer, die im Reigen tanzen und dabei Schwerter hoch schwingen, könnte man durchaus in Hitlers Zeit bildnerischer Darstellungen und Inhalte ansiedeln. Weiß man jedoch, dass Käte Lasse lange in Dänemark lebte und arbeitete, sie dort die männlichen Modelle nutzte, und man Strandsand unter den Füßen der Tänzer entdeckt, dazu hinter den Islandpferden Meereswellen –, dann kommt man schon ins Grübeln. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Bild damaligen Zeitgeist atmet (Beginn von FKK und Ausdruckstanz), dem ohnehin nordischen Stil der Malerin entspricht und vom Schweizer Malerkollegen Hodler ein ähnlicher Reigen gemalt wurde, ist die Jahreszahl allein noch kein Hinweis auf nationalsozialistische Kunst. Eher auf altrömisches wie germanisches Gedankengut.

In der Nachkriegszeit tapezierten die Engländer das Wandgemälde über, bei einer Renovierung 1989 kam es wieder zum Vorschein. Beim Ablösen der Tapete verschwand viel von der ursprünglichen Farbe, es blieb ein schwacher, diffuser Rest, der mit den gut erhaltenen Konturen heute eher graphisch wirkt. Ein Foto von 1939 zeigt helle und eher dunkelhäutige Männer, eine Darstellung von Stadt- und Landberufen, so Bieske. Die Reaktion von Schülern, Hände und Füße seien ja viel zu groß, und die Malerin habe es wohl nicht besser gekonnt, stieß auf Heiterkeit. Bieske: Käte Lasse habe schon gewusst, was sie malte mit der „großen Hände Arbeit“ und den Füßen, die groß und fest den Boden berühren. Das sei Kunst, sagt Norbert Weber und eben nicht nur Wanddekoration. Wie Christina Kohla berichtete, war die Künstlerin in Berlin und Paris gut ausgebildet. Zu einer Zeit, als Frauen noch keinen Zugang zu Kunstakademien hatten. Sie lebte unter anderem von Auftragsarbeiten – wie hier der künstlerischen Gestaltung einer Aula.

Soll das Bild in der ehemaligen Farbigkeit restauriert werden? Oder werden lediglich die Löcher in der Malfläche beseitigt. Wird es – dem Licht ausgesetzt – weiter ausbleichen? Sollte man es wieder verhängen oder passt es in die heutige Zeit? Schließlich tanzt hier regelmäßig der Tanzkreis. Und wann kann man an der gegenüberliegenden Wand die Möwen sehen, die – zur Zeit noch unter Tapete – zur Gesamtkonzeption der Raumgestaltung gehören? Ist die Vermutung, auch Carl Lambertz habe sich mit dem „Schwertertanz“ befasst, mehr als die verschwommene Erinnerung eines damaligen Schülers? Fragen über Fragen.

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