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Maikundgebung in eckernförde : Mehr Besonnenheit und Mindestlohn ohne Ausnahme

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

DGB-Vorsitzender Horst Kunze appelliert an die Stadt Eckernförde, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Redner Bodo-Christian Petersen fordert Mindestlohn – ohne Ausnahme

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigte gestern wieder Flagge: Zum Tag der Arbeit luden die Gewerkschafter zur Kundgebung mit Familienfest auf den Rathausmarkt. Traditionell startete der Maiumzug am Gedenkstein Petersberg, wo der DGB-Ortsvorsitzende Horst Kunze die rund 100 Teilnehmer begrüßte. Angeführt wurde der fahnenreiche Umzug von den Drums & Pipes. Auf dem Rathausmarkt setzte der Musikzug und abschließend die Brassband der Peter-Ustinov-Schule die musikalische Unterhaltung fort.

Horst Kunze hob die antifaschistische Tradition der Gewerkschaften hervor. Am Gedenkstein erinnerte er an die Menschen, die beim Kapp-Putsch 1920 in Eckernförde ihr Leben ließen und beim Sturm der Nazis auf das Gewerkschaftshaus am 10. Juli 1932 getötet wurden. Kunze nannte auch den ehemaligen Bürgermeister Richard Vosgerau, der kurz vor Kriegsende bei dem Abschuss der „Cap Arcona“ durch britische Bomber starb und den Widerständler Hermann Ivers, der bei medizinischen Experimenten zu Tode gespritzt wurde.

Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Situation mahnte Kunze zu mehr Besonnenheit und weniger Säbelrasseln. „Kriege brechen nicht aus, Kriege werden von Herrschenden gemacht“, sagte er.

Horst Kunze lobte die Stadt Eckernförde dafür, dass sie die Ahnengalerie im Rathaus mit den ehemaligen Bürgermeistern, unter ihnen auch einige mit nationalsozialistischer Vergangenheit, neu bewerte und nicht unkommentiert stehen lasse.

Eckernförde sei aber auch gefordert, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, fuhr Kunze fort. Natürlich sei das Stadtbild wichtig und es sollten auch keine Betonklötze entstehen. Aber hinter den Fassaden müssten Menschen leben, die ihre Wohnung bezahlen können. Eine Schicki-Micki-Stadt“ dürfe Eckernförde nicht werden.

Redner auf dem Rathausmarkt war Bodo-Christian Petersen. Der 54-jährige Neu-Eckernförder ist Betriebsratsvorsitzender der Vivento Customer Service (VCS) GmbH in Rendsburg, einer 100-prozentige Tochter der der Deutschen Telekom AG. Bundesweit sind 2800 Mitarbeiter für das Callcenter tätig, in Rendsburg 130. Gegründet wurde VCS 2004 als Auffanggesellschaft für arbeitslos gewordene Konzernmitarbeiter der Telekom. Eine starke Gewerkschaft und aktive Mitglieder hätten die jüngste Tarifrunde zu einem annehmbaren Ergebnis geführt, sagte Petersen. Zudem sei der Ausschluss von Kündigungen für die nächsten zwei Jahren ausgehandelt worden.

Ein Erfolg der Gewerkschaften auf Bundesebene sei die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro durch die Große Koalition. „Ausnahmen darf es beim Mindestlohn nicht geben“, forderte Petersen. Er müsse für alle Arbeitnehmer gelten, ungeachtet ihres Alters oder der Dauer von Arbeitslosigkeit. „Würde kennt keine Ausnahmen“, so Petersen. Anderenfalls würde es zu einem Wettbewerb im Lohn nach unten kommen, so seine Befürchtung. Wenn Betrieb den Lohn nicht zahlen könnten, dürfte dies nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden.

Wort halten müsse die Bundesregierung auch beim Thema Rente mit 63. Abschlagsfrei, denn eine Mindestrente reiche nicht zum Leben.

Im Hinblick auf die Europawahl am 25. Mai appellierte Petersen an die Bürger, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen: „Eine niedrige Wahlbeteiligung begünstigt Rechtspopulisten und Neoliberlisten.“ Sie seien die „Totengräber der Demokratie“.

„Wasser ist Menschenrecht“, sagte Petersen und griff die Forderung von knapp zwei Millionen EU-Bürgern auf, die sich an einer Unterschriftenaktion gegen Pläne, die Wasserversorgung zu privatisieren, beteiligt haben. Damit sei das Vorhaben vorerst vom Tisch. Die Wasserversorgung privaten Kapitalgesellschaften zu überlasen, die mit geringem Aufwand viel Gewinn erzielen möchten, sei fatal.

 

 

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erstellt am 02.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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