Alte Post ist verkauft : Mehr als nur ein Renditeobjekt

Ilona und Günter Haß (r.) haben die Alte Post an die Eckernförder Bank verkauft, Vorstand Frank Nissen nimmt die Schlüssel entgegen.
Ilona und Günter Haß (r.) haben die Alte Post an die Eckernförder Bank verkauft, Vorstand Frank Nissen nimmt die Schlüssel entgegen.

Die Eckernförder Bank übernimmt zum 1. Januar die denkmalgeschützte Alte Post in der Fußgängerzone von Vorbesitzer Günter Haß. Auch die letzte freie Fläche soll in diesem Jahr vermietet werden.

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03. Januar 2017, 06:47 Uhr

Eckernförde | Der Verkauf von Immobilien zählt neben der Vergabe von Krediten und der Vermögensanlage von Kundengeldern zu den Kerngeschäften der Eckernförder Bank. Seit gestern ist ein weiteres Geschäftsfeld hinzugekommen: der Kauf ausgewählter Immobilien. Einstiegsobjekt ist die Alte Post. „Das Gebäude passt zur Eckernförder Bank“, sagte Bankvorstand Frank Nissen gestern in der Kieler Straße vor dem imposanten früheren Postgebäude. Unmittelbar danach überreichte ihm Vorbesitzer Günter Haß die Schlüssel. Die Kaufsumme wurde nicht genannt, die im August 2015 mit einer ersten Besichtigung eingeläuteten Verkaufsverhandlungen bezeichnete Nissen jedoch als „herausfordernd“, unter dem Strich aber als „sehr, sehr gutes Unterfangen“.

Nissen ließ keinen Zweifel am langfristigen Engagement der Eckernförder Bank: „Die Alte Post ist gekauft und wird weggepackt. Wir wollen Kontinuität und ein sehr guter Vermieter sein.“ Klarer kann man eine Absage an einen theoretisch möglichen zeitnahen, lukrativen Weiterverkauf kaum ausdrücken. Man sehe den Kauf der Alten Post in Zeiten niedriger Zinsen und angesichts der notwendigen Diversifizierung der Anlagen als „strategische Entscheidung“ an, die auch vom Aufsichtsrat einstimmig mitgetragen worden sei. Der Erwerb „dieses tollen Gebäudes“ sei auch ein „Bekenntnis zu Eckernförde“, sagte Nissen als Vertreter des letzten selbstständigen Kreditinstituts im Ostseebad.

Doch nur auf der Grundlage von Bekenntnissen ist die Kaufentscheidung nicht gefallen. Banker gucken in erster Linie auf Zahlen, Bilanzen und Wirtschaftlichkeit. Und die stimmen im Fall des 1900 erbauten Backsteinbaus mit knapp 3000 Quadratmetern in bester Lage, in dem derzeit rund 100 Beschäftigte arbeiten: „Wir gehen fest davon aus, dass wir spätestens zum 1. November 2017 die Vollvermietung erreicht haben“, sagt Nissen. Die derzeit noch freien 420 Quadratmeter im ersten Stock sollen an einen Interessenten aus Eckernförde vermietet werden, der den Mix aus Restaurant, Zahnarztpraxis, Postfiliale, Dentallabor, Arztpraxen sowie im hinteren Gebäudeteil des Telekom-Verteilerzentrums, der Diakonie-Schuldnerberatung und des Mäusemuseums „Mauseum“ von Prof. Dr. Gynter Mödder bereichern soll.

Frank Nissen lobte die Pionierarbeit von Vorbesitzer Günter Haß, der die Alte Post nach dem Auszug des Postverteilzentrums in die Rendsburger Straße vor 18 Jahren erworben und ausgebaut hat. Haß verbindet mit dem Gebäude auch familiäre Bande, denn bereits sein Urgroßvater und Großvater haben einst dort gearbeitet. Die Anfangsidee des Architekten, im Erdgeschoss der gerade am 16. Dezember 2016 unter Denkmalschutz gestellten Alten Post ein Shop-in-Shop-System aufzubauen, „hat sich leider nicht bewährt“. Haß strukturierte und baute um und vermietete an eine große Zahnarztpraxis, in den beiden oberen Stockwerken sind inzwischen mehrere ebenfalls gut gehende Arztpraxen eingezogen. Im Kellergewölbe hat es – wie auch jetzt zum Jahreswechsel – mehrere Betreiberwechsel in der Gastronomie gegeben.

Haß warnte davor, die Parkplatzkapazitäten in der Innenstadt weiter zu reduzieren, dadurch würden Geschäfte gezwungen, an den Stadtrand auszuweichen. Auch ihm seien mehrere Mietinteressenten wegen unzureichender Parkmöglichkeiten in der Innenstadt abgesprungen, berichtete der 80-Jährige. Er plädierte zudem dafür, die seit Jahren weitgehend leerstehende benachbarte Willers-Jessen-Schule, deren Entwurf 1893 auf der Weltausstellung in Chicago den 1. Preis gewann, für das städtische Leben zu nutzen. Es gebe „Notwendigkeiten in kultureller Hinsicht“, sagte der engagierte und streitbare Eckernförder. „Es wäre schade, wenn das Gebäude zerfällt. Die Willers-Jessen-Schule schreit nach einer Nutzung.“ Nach derzeitiger politischer Beschlusslage sollen dort die Eckernförde Touristik und Marketing GmbH sowie der Kindergarten Mitte einziehen. Die Umsetzung ist bislang an den Umbaukosten von sechs Millionen Euro gescheitert.

Die Eckernförder Bank jedenfalls scheint mit dem Erwerb der Alten Post auf den Geschmack gekommen zu sein. „Ich schließe nicht aus, dass wir noch ein Objekt zur Vermietung erwerben, aber es muss zu uns passen“, sagte Bankvorstand Frank Nissen.

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