Inventur : „Mehr als eine Sisyphusarbeit“

Schätzungsweise 9000 Schlüssel werden für Jens Knopf und seine Kollegen im Hagebaumarkt während der Inventur zu zählen sein.
1 von 4
Schätzungsweise 9000 Schlüssel werden für Jens Knopf und seine Kollegen im Hagebaumarkt während der Inventur zu zählen sein.

Der Jahreswechsel ist die Zeit der Inventur. Ob mit Scanner oder Stift und Block: Einzelhändler in Eckernförde zählen ihren Warenbestand.

shz.de von
03. Januar 2015, 06:07 Uhr

Stück für Stück scannt Jörg Plüschau jedes Schmuckstück einzeln ein. Ein kurzes„Piep“ und der Artikel ist erfasst. „Das ist absolut unkompliziert“, so Plüschau, Inhaber von „Juwelier Petersen“ in der Kieler Straße. „Anfang jedes Jahres wird geprüft, ob die Waren da sind, die auch da sein sollen.“ Rund 10  000 Einzelartikel müssen in dem Schmuckgeschäft erfasst werden. Zur Inventur, also der Erfassung aller vorhandenen Bestände, ist jeder Kaufmann nach Paragraph 240 des Handelsgesetzbuches zum Ende eines Geschäftsjahres verpflichtet. „Mit unserem modernen Warenwirtschaftssystem können wir die Inventur während der Öffnungszeiten durchführen“, sagt Jörg Plüschau. Früher habe alles von Hand gezählt werden müssen, heute reicht ein Schwenk mit dem Scanner über das Artikeletikett.

Für die jährliche Bestandsaufnahme extra schließen, muss derweil der „Hagebau“-Markt in der Noorstraße. Von Sonntag bis Montag sollen dort etwa 42  000 Artikel, die in den Regalen und im Lager vorrätig sind, gezählt oder gewogen werden. Bis zum 5. Januar müssen Marktleiter Norbert Engelhardt und seine Mitarbeiter die Inventur abgeschlossen haben. Dann nämlich müssen die Zahlen an ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen für die Jahresbilanz gemeldet werden.

Besonders mühsam sei das Zählen von Kleineisenwaren wie Schrauben, Nägeln oder Schlüsseln, sagt Norbert Engelhardt. „Das ist mehr als eine Sisyphusarbeit.“ Einer der Mitarbeiter in dieser Abteilung ist Jens Knopf. Für ihn ist es in diesem Jahr die 16. Inventur. „Aufwendiger als die Inventur selbst sind die Vorbereitungen in den Wochen zuvor“, so Jens Knopf. Dann müssen die Regale aufgeräumt und sortiert werden, damit das Zählen in den zwei Tagen der Bestandserfassung zügig erledigt werden kann. Nach dem Vier-Augen-Prinzip arbeiten immer zwei der insgesamt 42 Mitarbeiter zusammen. Einer zählt, während der andere den Wert in ein Gerät zur Mobilen Datenerfassung (MDE) eingibt. Von links nach rechts und von oben nach unten wird so jede der sieben Meter langen Regalreihen durchkämmt. „Wenn die Regale vernünftig aufgeräumt wurden und die Teams gut zusammenarbeiten, braucht man ungefähr fünf Stunden pro Regal“, schätzt Engelhardt. Um die Inventur zügig innerhalb der zwei Tage bewerkstelligen zu können, wurden bereits Anfang Dezember zusätzliche Schülerhilfen für die Aufräum- und Sortierarbeiten im Vorfeld eingestellt. Weitere Unterstützung kommt von den Kollegen aus den Filialen in Eckernförde Süd und Schleswig. Die Gewinnausfälle durch den fehlenden Verkaufstag sieht Marktleiter Engelhardt gelassen. „Ob wir schließen oder eine Fremdfirma mit der Inventur beauftragen – das hält sich die Waage.“

Ganz klassisch und ohne technische Geräte verläuft die Inventur bei „Spiel + Freizeit Carstensen“ in der Kieler Straße. Die rund 18  000 Artikel werden hier noch schriftlich mit Stift und Block erfasst. Nachdem auch in dem Spielwarengeschäft im Vorfeld die Regale und das Lager aufgeräumt wurden, machen sich Geschäftsführer Dirk Schreiber und seine Mitarbeiter am Sonntag ans Zählen. „Natürlich gibt es Warengruppen, die man nicht so gerne zählt“, sagt Dirk Schreiber. Das seien vor allem kleine Artikel wie Spielzeugfiguren oder Malfarben, und von denen gibt es viele.

Während die Inventur bei einigen Eckernförder Einzelhändlern bereits in vollen Zügen ist, beginnt sie bei anderen wie „Expert Jöhnk“ oder dem „Futterhaus“ erst im Februar.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen