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nachhaltiges projekt : Meerforellengeburt im Unterricht

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

An der Richard-Vosgerau-Schule wird nachhaltiger Projektunterricht erteilt. Mithilfe eines Fischwirtmeisters verfolgen die Schüler das Leben der Fische von der Befruchtung der Eier bis zum Aussetzen im Lachsenbach.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 05:51 Uhr

Eckernförde | „Oh nein, ich glaube, die schlüpfen gerade“ – dieser aufgeregte Ausruf schallte gestern Vormittag mehrere Male durch den Klassenraum der 4  b in der Richard-Vosgerau-Schule. Die Jungen und Mädchen wurden während der Schulstunde Augenzeuge der Geburt einiger kleiner Meerforellen. Damit nicht genug – die Schüler haben sozusagen die Funktion von Paten inne. Denn sie waren es, die bei einem Besuch der Fischbrutanstalt Altmühlendorf im November letzten Jahres die Rogen (Eier) und Milch (Sperma) miteinander verrührt haben, um eine Befruchtung der Eier herbeizuführen und Leben zu ermöglichen. Als zertifzierte Zukunftsschule für nachhaltige Bildung bietet die Grundschule das Projekt Meerforellenbrutanlage und -nachzucht unter der Leitung von Hildegard Schenck an, in welchem die Kinder besonders den Aspekt der Nachhaltigkeit kennenlernen sollen.

Fischwirtschaftsmeister Albrecht Hahn von der Fischbrutanstalt Altmühlendorf , auch Geschäftsführer des Verbandes der Binnenfischer und Teichwirte, hatte beim gestrigen Besuch wertvolles Gut im Gepäck: unter anderem diejenigen Eier, bei deren Befruchtung die Schüler selbst Hand angelegt hatten. Mithilfe einer Becherlupe konnten die Kinder ihre Eier in der Petrischale betrachten. Nicht nur die Augen der zukünftigen Meerforellen waren bereits in den Eiern zu erkennen. Aufregend wurde es, als sich ganz unversehens Leben in den Eier zu regen begann. „Oh nein, wie ist das süß!“, war besonders von den Mädchen zu hören. In vielen Petrischalen schlüpften just in dieser Unterrichtsstunde klitzekleine Meerforellen. Zweieinhalb Monate hatten sie sich in ihren Eiern entwickelt, jetzt waren ihre Blutbahnen ebenso zu erkennen wie ihr pulsierendes Herz.

Angesichts des Geburtsvorgangs der kleinen Fische kamen die Kinder aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bettina Köpke, Schulleiterin der Richard-Vosgerau-Schule, die ebenfalls Zeugin des Schlüpfens wurde, fasste die Atmosphäre in diesen Minuten zusammen: „Was bleibt, ist die Ehrfurcht vor dem Leben.“ Da war die Frage einer Schülerin nicht verwunderlich: „Wer passt auf die Kleinen auf? Die Mutter?“ Albrecht Hahn erklärte, dass die Natur eine Fürsorge der kleinen Fische nicht vorsieht. Sie ernähren sich zunächst von ihrem Dottersack und halten sich in freier Wildbahn vornehmlich im Kieslückensystem auf, um nicht von anderen Fischen gefressen zu werden. In diesem geschützten Areal streifen die weibliche Meerforellen (Rogner) auch ihre Eier ab, um sie vor Fressfeinden zu bewahren.

Pro Kilogramm Lebendgewicht können die Rogner bis zu 1800 Eier produzieren und ablaichen. „Und trotzdem hat nur ein Prozent der Eier eine Überlebenschance“, so der Fischwirtschaftsmeister.

In der Fischbrutanstalt Altmühlendorf werden gezielt Meerforellen gezüchtet, um für neuen Besatz in den Bächen Schleswig-Holsteins zu sorgen. Das gilt auch für den Lachsenbach in Eckernförde. Ende März/Anfang April, wenn die kleinen Meerforellen der Klasse 4  b die richtige Größe erreicht haben, kehrt Albrecht Hahn mit ihnen nach Eckernförde zurück. Die Schüler setzen unter seiner Anleitung die Fische in den Bach. Kurz vor den Sommerferien besucht der Fischwirtschaftsmeister die Grundschule ein drittes Mal und hat einen Elektrokescher dabei. Mit dessen Hilfe will Hahn die dann vier Zentimeter großen Meerforellen fangen und gemeinsam mit den Kindern überprüfen, ob die Fische sich den Lebensverhältnissen im Lachsenbach angepasst haben. „Die Kinder lernen so auf beeindruckende Weise die Kontinuität des Lebens kennen“, ist sich die Projektleiterin Hildegard Schenck sicher.

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