Maueranker: Handwerkliche Kunstwerke

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Wie aus statischen Notwendigkeiten repräsentative Handwerkskunst wurde – eine kleine Beispielsammlung in Eckernförde

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02. März 2017, 15:57 Uhr

In Eckernförde sind an verschiedenen Gebäuden noch historische Maueranker zu entdecken. Diese „Bandeisen“ schafften eine zugsichere Verbindung von Bauteilen - sie waren zum Beispiel außen an einem Backstein-Giebel befestigt, zogen sich im Inneren des Gebäudes als Kette oder Metallstange bis zur gegenüberliegenden Wand und hielten so beide Bauelemente zusammen. Da solche Anker an Fassaden zum Teil bis heute sichtbar sind, boten sich Architekten früherer Jahrhunderte Schmuckmotive an, die aus einer technisch notwendigen „Schraube“ ein kleines Kunstwerk machten. Naheliegend waren auch Buchstaben oder Jahreszahlen, die auf Besitzer und Bauzeiten hinwiesen und zugleich Architektur zusammenhielten.

Zu den ältesten bekannten Beispielen in Deutschland gehören Maueranker am Dom zu Aachen (um 800); in letzter Zeit wurde das Element bei der Rekonstruktion der Frauenkirche zu Dresden eingesetzt. Zu den bekanntesten Zeichen dieser Art in Eckernförde gehören die eisernen Maueranker am Ostgiebel der Kirche St. Nicolai, die mit der Jahreszahl 1604 und den Buchstaben J.K. und P.M. auf eine größere Reparatur des Gotteshauses durch die Bürgermeister Jürgen Kremer und Peter Mandixen hinweisen.

Weithin sichtbare handgeschmiedete Zeichen, nun an einem bürgerlichen Gebäude, erkennen wir an einem Speicherbau der bekannten Kaufmannsfamilie Otte in der Langebrückstraße. Die Buchstaben CO und EO gehören zum Reeder Christian Otte und seiner Frau Elsabe Otte, die Zahl 1723 bedeutet das Baujahr des stattlichen Hauses und zeigt zugleich einen Höhepunkt der Otte’schen Unternehmertätigkeit an.

Erst vor kurzem verschwand die Jahreszahl 1909 an einem gut erhaltenen Wohnhaus mit Jugendstilelementen in der Kieler Straße Süd: Über hundert Jahre schützten diese Zeichen den Backstein-Giebel vor Brüchen, erst vor kurzem wurden sie bei einem Umbau entfernt.

Ursprünglich waren Maueranker individuelle Schmiedearbeiten, bis ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Serie gefertigte Stücke im Handel erhältlich waren. Als Landrat Freiherr von der Recke im Jahr 1913 das 1894 erbaute Kreishaus erweiterte, wurde an der Backsteinmauer der Südseite ein aufwendiger Maueranker eingesetzt, der fast noch barocken Schwung zeigt. Eine Serienarbeit, etwa im Bauhandel der Großstädte Berlins oder Hamburgs bestellt, ist ein Maueranker aus dem späten 19. Jahrhundert am Siemsen-Speicher im Binnenhafen.

Die höchstgelegene Metallarbeit dieser Epoche ist am 1894 in der heutigen Form errichteten Turm der Borbyer Kirche zu finden. Dort hält ein Maueranker, an dem man deutlich Schraube und Mutter erkennen kann, die Mauer aus Feldsteinen zusammen. Die Gusseisen-Arbeit deutet die sog. „Lutherrose“ an, das fünfblättrige Bildzeichen, das Martin Luthers seit 1530 verwendete.


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