Mythos Marilyn : Marilyn erwacht zum Leben

Nach der Vorstellung: Marji (7) bekommt jetzt schon Cello- und Gesangsunterricht und möchte die Rolle der Marilyn später selbst gern singen. Sie holte sich mit ihrer Mutter Doro Tipps von Kontrabassist Kai Stemmler und Sängerin Viveca Lindhe.
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Nach der Vorstellung: Marji (7) bekommt jetzt schon Cello- und Gesangsunterricht und möchte die Rolle der Marilyn später selbst gern singen. Sie holte sich mit ihrer Mutter Doro Tipps von Kontrabassist Kai Stemmler und Sängerin Viveca Lindhe.

Die Theatergemeinschaft hat mit „Mythos Marilyn“ eine Hommage an die blonde Diva in die ausverkaufte Stadthalle geholt.

shz.de von
29. Januar 2018, 05:33 Uhr

Eckernförde | Marilyn Monroe ist zwar nicht mehr auf dieser Welt, aber sie lebt weiter, weil sie schon in ihren Glanzzeiten nicht von dieser Welt war. Am Freitagabend wurde die Erinnerung an sie wieder hellwach: Es agierte auf Einladung der Theatergemeinschaft eine „Monroe“ vertretungshalber in Eckernförde, faszinierte diese „Marilyn“ (Viveca Lindhe) einen Abend lang ihr hingerissenes Publikum.

Überraschend? Nein, denn wenn diese amerikanische Diva aus Hollywood auch am 3. August 1962 bereits mit 36 Jahren starb, so ist sie doch mit Fotos, Songs, Filmen und Büchern noch anwesend. Viele Menschen weltweit tragen lebendige Erinnerungen an sie mit sich. In Aussehen, persönlicher Art und ihrem Lebensweg mit Erfolg, Liebe und Trauer unvergessen, ist sie inzwischen zu einer Legende geworden. Um diesen Mythos ranken sich Anekdoten, um ihren frühen, bisher immer noch unaufgeklärten Tod vielerlei Vermutungen. Marilyn Monroe war zu ihrer Zeit und ist sicher heute noch immer einmalig und unvergleichlich.

Wie mutig, dass sich dann Autor Peter Baumann mit einem Theaterstück an den Zauber dieser Schauspielerin heranwagte, mit „Mythos Marilyn“ der Unvergessenen ein weiteres Denkmal setzte. Es entstand ein musikalisches Schauspiel, das durch die Gestaltungsidee und schmalste Besetzung besticht. Ein Auktionator (René Rollin) versteigert aus dem Fundus der Marilyn Kleider, Bücher, Fotos – sogar den immens wertvollen Diamantring , Geschenk von einem ihrer diversen Ehemänner. So steht der hohe schmale Auktionator mit dem Pult auf der Bühne, preist die einzelnen Devotionalien wortreich an. Naheliegend, dass dabei sehr persönliche Geschichten aus Marilyns Leben auftauchen.

Ob es das Kleid ist, das sie beim Geburtstagsständchen für J. F. Kennedy trug, ob es Fotos aus der ganz großen Sammlung sind. Schließlich war sie zu ihrer Zeit die meist fotografierte Frau der Welt. Schauspieler Rollin macht das charmant und geschickt, er zieht das Publikum bei seinen Angeboten und Preisvorschlägen mit ein – und am liebsten möchte man mitbieten.

Man sitzt als Zuschauer wohl mitten im Geschehen und kommt bald aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da schwingt Viveca Lindhe auf die Bühne und singt – immer genau passend – die Lieder der Monroe zu deren herauf beschworenen Lebenssituationen.

Nein. Auf den ersten Blick ist das wirklich nicht „die Monroe“. Sie singt zwar „I wanna be loved by you“, „Diamonds are a girl’s best friend“ und „I’m through with love“ mit einer Stimme und einem Ausdruck, dass man die Augen schließt und denkt – ja! Und wenn man die Augen wieder öffnet, wird Viveca doch immer mehr zur Monroe: die üppige Figur, die verführerischen Bewegungen, die frappierend ähnliche Stimme. Das Haar nicht ganz so blond, dafür gelockt und mehr als taillenlang. Nicht ganz so zart, fragil und empfindsam, dafür aber sexy ohne Ende – ohne Frage. Umwerfend. Hinreißend.

Regisseur Peter Grisebach platziert die Musiker der „Jazz Romances“ hinter einen transparenten Faden-Vorhang. Dort hört und sieht man Kay Franzen (Piano), Kai Stemmler (Kontrabass), Ulrich Meteltschus (Drums) und Karl-Heinz Böhm (Sax, Flöte, Gesang).


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