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3. Handball-Liga : „Man muss dem Projekt Zeit geben“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen stellt die Weichen für die Zukunft und geht mit Thomas Blasczyk als Trainer in ihre Premierensaison.

Owschlag | Thomas Blasczyk (51) heißt der erste Trainer der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen (O-K-T). Im Gespräch mit EZ-Sportredakteur Stefan Gerken erklärt er, wie er die Zukunft des neuen Vereins sieht und über die Voraussetzungen für einen Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Thomas Blasczyk, Sie werden ab der kommenden Saison der erste Trainer der neugegründeten HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen. Wie leicht oder schwer fiel es Ihnen sich für dieses Projekt zu begeistern und Ihre Zusage zu geben?

Ich finde, es ist eine interessante Geschichte. Für mich ist es eine vernünftige Sache, dass sich da zwei Handballvereine zusammenschließen, die nördlich des Nord-Ostseekanals einen gewissen Stellenwert haben. Das macht auch wirtschaftlich Sinn. Das finde ich gut und reizvoll. Natürlich auch aus sportlicher Sicht.

Haben Sie auch schon mit Spielerinnen gesprochen? Sie kennen Sabrina Maier, Kristin Machau und Lena Schulz ja noch gut aus der gemeinsamen Zeit beim TSV Nord Harrislee.

Der Kontakt zu meinen ehemaligen Spielerinnen ist nie abgerissen. Wir haben zusammen eine sportlich sehr intensive und auch erfolgreiche Zeit erlebt. Sowas kann man nicht einfach beenden und wegwischen. Wir haben mit wenigen Mitteln und viel Teamspirit die 2. Bundesliga gehalten.

Mit wenigen Mitteln viel erreichen – das sind sicherlich Eigenschaften, die man auch bei der neuen HG O-K-T gerne sehen wird.

Absolut (lacht). Bestes Beispiel ist die SGH Rosengarten in der 2. Bundesliga. Die sind Tabellenführer, was denen wohl kaum jemand zugetraut hätte. Aber auch dort sieht man, dass großer Teamgeist Berge versetzen kann.

Teamgeist ist ja nun aber bei einer komplett neuformierten Mannschaft so eine Sache.

Klar ist, dass man diesem Projekt auch Zeit geben muss. Das habe ich in den Gesprächen mit den Verantwortlichen auch immer zum Ausdruck gebracht. Nur weil man etwas auf dem Papier zusammenbringt, darf es nicht heißen, dass wir automatisch um Platz eins bis drei mitspielen. Natürlich ist das wünschenswert, aber bis es soweit ist, müssen alle Rädchen ineinander greifen, was noch viel harter und intensiver Arbeit bedarf.

Was sind jetzt Ihre Hauptaufgaben?

Es gilt jetzt, wo die Trainerfrage geklärt ist, ein Mannschaftsgefüge zu bauen. Genauso wie ein funktionierendes organisatorisches Umfeld. Ich werde jetzt mit den Frauen sprechen, ihnen Perspektiven aufzeigen und ihnen sagen, dass der Schritt zur Fusion der richtige war.

Erwartet Sie nicht eine sehr schwere Aufgabe, immerhin werden Sie aus zwei Mannschaften eine machen. Da wird es zwangsläufig zu enttäuschten Gesichtern kommen, wenn jemand den Sprung in die Ligamannschaft nicht schafft, oder nicht mehr mit der besten Freundin zusammenspielen kann?

Natürlich kann das etwas problematisch werden. Aber eines muss man unbedingt dazu sagen: Die Spielerinnen haben alle eine große Wertschätzung verdient. Wir als Trainerteam werden es uns dabei auch nicht leicht machen und jeder Spielerin natürlich das Recht einräumen sich zu zeigen. Auf der anderen Seite befinden wir uns hier ja schon im Leistungshandball und da denke ich, dass jede Spielerin auch so selbstkritisch ist, um am Ende eine Entscheidung mitzutragen. Aber nochmal: Es werden bei uns keine Spielerinnen vorneweg in irgendwelche Schubladen gepackt und gesagt, in dieser Mannschaft bleibst du jetzt. Jede, die sich der Herausforderung stellen will und in die erste Mannschaft möchte, ist natürlich gerne gesehen. Sie können und sollen sich zeigen.

Und diejenigen, die nicht in der ersten Mannschaft unterkommen?

Es wird nach der Vorbereitung einen ganz normalen sportlichen Auswahlprozess geben. Gerade den jungen Spielerinnen können wir mit der dritten Liga eine Perspektive aufzeigen. Jeder kann sich also durch gute Leistung anbieten. In meinen Augen ist das ein wirklich gutes Konstrukt mit einer Oberligamannschaft als Unterbau. Zwischen erster und zweiter Mannschaft soll es natürlich auch immer einen Austausch geben.

Die Zuschauerzahlen sprechen nicht unbedingt für große Aufbruchsstimmung. Wie groß ist die Chance, dass die neue HG O-K-T sich etabliert?

Eine Chance hat dieses Projekt allemal. Genauso wie man im sportlichen Bereich keine Garantien hat, hat man sie in der Wahrnehmung der Handballinteressierten in der Umgebung auch nicht. Wir werden sicherlich Imagepflege betreiben müssen. Die Leute müssen sich mit der HG O-K-T identifizieren können. An dieser Stelle sind wir als Trainer, Mannschaft und Vereinsumfeld gefordert, um das kleine Pflänzlein, welches da am grünen Tisch geboren wurde, mit leben zu füllen. Wenn es uns gelingt, dass wir durch sportlichen Erfolg auf eine Welle springen, dann hat es eine Chance.

Ist der Aufstieg in die 2. Liga schon in der nächsten Saison ein Thema?

Man muss da realistisch sein. Ich kenne die 2. Liga sehr gut und weiß, dass es aus der dritten in die 2. Liga nochmal ein gewaltiger Sprung ist. Man sieht es jetzt an Travemünde, wie schwer die sich in der 2. Liga tun. Wir sollten nicht so vermessen sein und glauben, nur weil zwei gute Mannschaften zusammengepackt wurden, hat diese ein Anrecht darauf, sich direkt für die 2. Liga zu qualifizieren. Es werden viele auf uns gucken und uns die Favoritenrolle zuschieben. Aber eines sage ich auch ganz klar: Mein Ziel und mein Ehrgeiz ist es, ganz oben mitzuspielen.

Gibt der derzeitige Kader beider Mannschaften das denn her?

Wenn uns keine Spielerin verlässt, ist die Qualität für ganz oben natürlich vorhanden. Das darf vom Spielermaterial auch erwartet werden, aber eine Garantie gibt es eben nicht.

Haben Sie das Geschehen in Owschlag und Kropp-Tetenhusen in dieser Saison verfolgt?

Ich habe früher ja auch oft mit dem TSV Nord Harrislee gegen Owschlag gespielt. Da entstehen dann auch Verknüpfungen, die nicht einfach so abreißen. Insofern habe ich das Geschehen beider Teams immer verfolgt. Ich denke auch, dass beide Mannschaften mich und meine Arbeit ganz gut kennen.

Was haben Sie nach dem emotionalen Ende beim TSV Nord Harrislee zuletzt gemacht?

Ich habe die Zeit ohne Handball genossen. Gerade die letzten Monate beim TSV Nord Harrislee waren ja doch sehr ereignisreich. Da tat eine Pause auch mal gut.

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erstellt am 26.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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