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Altenholz : „Man muss das Gesamtvorhaben sehen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gemeinde Altenholz hat sich um Städtebauförderung beworben / Beispiel Bordesholm zeigt, wie sich ein Ort damit verändern kann

von
erstellt am 26.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Altenholz | Die Chancen für den Ortsteil Stift sind groß, die finanzielle Belastung für die Gemeinde jedoch auch – die Entscheidung für die Bewerbung um die Aufnahme ins Städtebauförderungsprogramm des Landes war entsprechend umstritten (wir berichteten). In der Debatte wurde vielfach auf die Gemeinde Bordesholm verwiesen, die zur Jahrtausendwende an der gleichen Stelle stand. In zwei Jahren wird sie die Umgestaltung des Ortskerns mit Hilfe der Städtebauförderung zum Abschluss bringen. Rund 6 Millionen Euro wird die Gemeinde dann dafür aufgebracht haben – „Geld, das sinnvoll investiert ist in die Zukunft“, erklärt Ilona Ingwersen, stellvertretende Leiterin des Hauptamtes im Amt Bordesholm im Gespräch mit unserer Zeitung.

Als die Großbäckerei Wendeln, heute Kamps, Ende der 90er Jahre ihren Rückzug aus Bordesholm ankündigte, kam der Stein ins Rollen. Drei Hektar in zentraler Ortslage fielen leer und drohten, eine Industriebrache zu werden, erinnert sich Ingwersen. In einem Ideenwettbewerb wurden die Bürger befragt, wie sie sich das Zentrum ohne die Großbäckerei vorstellen. Im Ergebnis wurde klar, dass der Ortskern über das Grundstück hinaus inklusive Einkaufstraße und Bahnhof neu entwickelt werden sollte. „Viele Visionen wurden geäußert, und es war klar, dass eine kleine Gemeinde wie Bordesholm keine Chance hat, das zu realisieren“, sagt Ingwersen. Das änderte sich, als Gelder bei der Städtebauförderung frei wurden. Die Gemeindevertretung stellte 2004 die Weichen für die „gestalterische Aufwertung und funktionale Verbesserung des Ortsmittelpunkts“. Und der ist heute nicht wieder zu erkennen.

Wo einst Tag für Tag tausende Brot über die Backstraße liefen, hat nun das Amt Bordesholm seinen Sitz. 2007 fusionierte die Gemeinde mit dem Amt und verschmolz zu einer Verwaltung, die 2010 die neuen Räume in der Mühlenstraße bezog. Das alte Rathaus am Marktplatz war zu beengt und sei nicht für Kunden mit Behinderung ausgelegt gewesen, erklärt Ingwersen. Es wurde verkauft und bietet heute Raum für Arztpraxen und Tagespflege. Der Neubau wird mit 3300 Quadratmetern auf vier Etagen modernen Anforderungen gerecht. Die Polizei zog mit der Amtsverwaltung um. Der Pavillon, in dem einst das Labor der Großbäckerei untergebracht war, ist als einziges Relikt des Industriebetriebs geblieben und heute ein beliebtes Café. Auch den lange Zeit von der Deutschen Bahn vernachlässigten Bahnhof erwarb die 7300 Einwohner zählende Gemeinde, modernisierte ihn und schuf Platz für Geschäfte. „Wir hatten sofort eine Vollvermietung“, berichtet die stellvertretende Hauptamtsleiterin. Für zusätzliche Belebung sorgt der Wochenmarkt, seit Bezug des neuen Rathauses auf dem Platz davor abgehalten wird. Die Umgestaltung zog zudem Investitionen von Privatleuten nach sich. So ließ die Firma Kiel ihre Märkte für Haushaltswaren und Baubedarf abreißen und neu aufbauen. 26 Eigentumswohnungen wurden im Bereich hinter dem Rathaus errichtet und waren umgehend verkauft. 80 weitere sind in Planung – Baubeginn 2015. „Das wird das Ortszentrum noch mehr stärken“, ist Ingwersen überzeugt.

„Plötzlich war etwas im Fluss“, sagt sie rückblickend. „Das Ziel, das Ortszentrum zu beleben, ist erreicht.“ Die Resonanz von Bürgern und auch Gästen der Gemeinde sei positiv. „So schwer der Anfang auch war, um so mehr Spaß bringt es heute“, sagt die stellvertretende Hauptamtsleiterin, räumt aber ein, dass es auch Bedenken gab und gibt. „Man muss das Gesamtvorhaben sehen“, sagt sie und lässt ihren Blick über den Marktplatz schweifen. Hätte Bordesholm den Schritt nicht gewagt – er würde mit Sicherheit anders aussehen.

 

 

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