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Empörte Gemeindevertretung : „Maiskampagne“ – Wut über Erntegespanne in Karbys Dorfmitte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In Karby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sind die Gemüter erhitzt: Der Gemeinderat beklagt das Fahren von zu vielen Trecker-Maishängergespannen in der Dorfmitte.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 08:12 Uhr

In Karby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wird die aktuelle Debatte um Maisgespanne zu einem Streitpunkt in der Gemeinde. Während Bürgermeister Klaus-Dieter Möse (SPD) seinem Zorn über das Befahren der Eckernförder Straße durch Erntegespanne freien Lauf lässt, fahren im Sieben-Minuten-Takt Trecker mit Maisanhängern am Gasthaus Nüser vorbei – wie die Geräusche von der Straße deutlich verraten. Möse gebraucht auf der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend deutliche Worte: „Die Erntefahrer jagen wie Geisteskranke durch den Ort, so dass die Leute in ihre Vorgärten flüchten müssen und ihre Teller und Tassen in den Schränken wackeln. Dem muss endlich Einhalt geboten werden.“

Die Wut der Vertreter aller Fraktionen war an diesem Abend deutlich zu hören. Seit mehr als zwei Jahren ist die „Maiskampagne“ ein Thema in Karby. Der dringende Wunsch der Gemeinde, den Schwerlastverkehr, somit auch die Erntegespanne, aus dem Dorf zu verbannen, konnte bisher nicht umgesetzt werden. Auch die Anfrage beim Kreis, auf der Kreisstraße 62 eine Tempobegrenzung auf 70 km/h zu veranlassen, habe bisher kein Ergebnis gebracht, so der Bürgermeister. Karby fühlt sich vom Kreis im Stich gelassen.

Umso mehr, als dass es zwar vor über einem Jahr auf einem Ortstermin eine mündliche Zusage vom Kreis hinsichtlich der Anbringung eines Zebrastreifens auf der Eckernförder Straße gegeben habe, die schriftliche Bestätigung aber immer noch auf sich warten lasse. Deshalb konnte die Gemeinde selbst noch nicht aktiv werden. „Warum braucht der Kreis so lange? Ich kann das nicht begreifen. Muss erst jemand tot gefahren werden?“, empörte sich der Bürgermeister. Auch Karl-Heinz Hauser (KWK) ist wütend. „Die Fahrzeuge werden immer größer, die Fahrer immer jünger“, so Hauser.

Um Karby herum gibt es mehrere Höfe, die sich auf Biogas spezialisiert haben. Einer von ihnen ist Sönke Henrici aus Schuby. Die Vorwürfe seien ihm bekannt, so der Landwirt, macht aber zugleich darauf aufmerksam, dass er seinen Fahrern klar die Anweisung gebe, im Ort „nicht schneller als 25 km/h zu fahren.“ Die Tatsache, dass die Anlieger an der Eckernförder Straße die Geschwindigkeit der Treckergespanne als eine viel höhere wahrnehmen, erklärt Henrici durch die „lauten Abrollgeräusche, die durch die breiten Reifen“ entstehen. „Es hört sich einfach schneller an“, so der Landwirt.

Ähnlich argumentiert auch Jens Joost von der Firma Agrarenergie Schuby. Er habe großes Verständnis für die Betroffenen, so Joost, aber „das Problem kann man ja nicht wegzaubern.“ Den Vorwurf der zu hohen Geschwindigkeit entkräftet er mit dem Hinweis, dass „bauartbedingt nachweislich keiner der Gespanne schneller als 40 km/h fährt.“ Er selbst halte stets drei leere Hänger auf dem Maisfeld vor, damit die Fahrer nicht das Gefühl bekämen, sich abhetzen zu müssen, so Joost, was einen großen Kostenfaktor bedeute. „Sicherlich müssen unsere Fahrer Rücksicht nehmen“, sagt Volker Stark von Schubymühle auf sh:z-Nachfrage, verweist aber auf die Tatsache, dass die Ware schließlich transportiert werden müsse. „Das Wichtigste ist, dass man miteinander spricht“, so Stark.

Das wollen Karbys Gemeindevertreter demnächst tun. Alle betroffenen Landwirte sollen ein Schreiben hinsichtlich dieser Thematik erhalten. Hans-Werner Pohl (CDU) will sich im Raum Angeln über die dortige Verkehrsregelung erkundigen.

Auf Anfrage des sh:z teilte Barbara Rennekamp, Fachdienstleiterin der Allgemeinen Ordnungsverwaltung und Verkehr, am Donnerstag mit, dass der Antrag der Gemeinde auf Aufstellung eines tonnagebegrenzenden Schildes entsprochen wird. Nach Absprache mit dem Landesbetrieb Straßenbau wird das Gebotsschild 421-10 an der Eckernförder Straße aufgestellt. Es handelt sich um einen gelben Pfeilwegweiser, der Lastverkehr mit einer Gesamtmasse von über 3,5 Tonnen das Nichtbefahren dieser Straße nahelegt. In Bezug auf den Zebrastreifen stellte Rennekamp eine „zügige Abarbeitung“ in Aussicht. Aufgrund eines Versehens sei das nicht erledigt worden, so die Leiterin.

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