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Schornsteinfeger : Männer in Schwarz bringen Glück

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kai und Jan Thomsen sind Schornsteinfeger in den Hüttener Bergen. Viele Menschen erhoffen sich Glück bei der Begegnung mit ihnen.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 05:19 Uhr

Zum Jahreswechsel wünschen sich viele Menschen vor allem eins: Glück im neuen Jahr. Ein Weg zum Glück soll es sein, einem Schornsteinfeger die Hand zu schütteln. Kai Thomsen kennt diesen Brauch nur zu gut. Er ist der zuständige Schornsteinfegermeister für den Kehrbezirk Fleckeby und betreut zusammen mit seinem Sohn, dem Schornsteinfegermeister Jan Thomsen, überall in den Hüttener Bergen Haushalte. Er werde sehr häufig gefragt: „Bringen Sie mir denn auch Glück?“ „Ich sage dann immer: ‚Ich werde es versuchen. Versprechen kann ich es nicht’“, so Kai Thomsen, der seit 1976 als Schornsteinfeger tätig ist. Man müsse fest daran glauben, meint er.

Sich von einem Schornsteinfeger Glück bringen zu lassen, geht auf verschiedene Arten, berichtet Kai Thomsen. Einige Menschen drehen an den goldfarbenen Knöpfen seines Koller, so nennt sich die Jacke eines Schornsteinfegers, andere spucken ihm drei Mal über die linke Schulter. Wieder andere brechen sich ein Stück vom Draht seines Besens ab und stecken es sich ins Portmonnaie. „Wenn man Glück hat, bekommt man auch mal ein Küsschen“, sagt Kai Thomsen und erzählt, wo der Glaube daran, dass Schornsteinfeger Glück bringen, herkommt: Als die Schornsteine noch mehr genutzt wurden, sei es schnell zum Rußbrand oder zu verstopften Schornsteinen gekommen. Wenn der Schornsteinfeger dann zum Reinigen kam, hätten die Menschen gesagt: „Zum Glück sind Sie da.“

Auch zu Hochzeiten werden Kai und Jan Thomsen als Glücksbringer von Zeit zu Zeit eingeladen. „Sogar an der weißen Tischdecke durften wir mit sitzen“, erinnert er sich. Natürlich sind die beiden „Glücksbringer“ dann auch in ihrer Arbeitskleidung erschienen: Zylinder auf dem Kopf, Koller und Hose mit Hosenträgern an. Auch der Gürtel, das so genannte Koppel, mit Koppelschloss darf nicht fehlen. Auf dem Koppelschloss ist der heilige Florian, der vor Feuer schützen soll, abgebildet. Dazu ein Stielbesen und zwei gekreuzte Schultereisen.

Wenn Kai und Jan Thomsen zum Messen der Öl- oder Gasfeuerungsanlagen oder zum Schornsteinreinigen kommen, tragen sie ihre Zylinder aber nicht: „Der ist nicht so praktisch“, sagt Thomsen. „Man bleibt schnell damit hängen.“

Aber glauben die beiden selbst daran, dass Schornsteinfeger anderen Menschen Glück bringen können? „Ja“, sagen sie. Auch beim Lottospielen hätten sie schon versucht, mit einem schwarzen Kreuz auf dem Schein dem Glück anderer Menschen auf die Sprünge zu helfen. Selbst spielen sie aber kein Lotto: „So viel Glück trauen wir uns dann doch nicht zu“, meint Kai Thomsen.

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