zur Navigation springen

Heimatgemeinschaft : Luther, Bärenklau und KPD – ein Jahrbuch mit Weitblick

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Prinz Heinrich, Bärenklau und der Schwertertanz – die Heimatgemeinschaft hat am Donnerstag ihr 75. Jahrbuch mit Texten von 58 Autoren vorgestellt. In einem Beiheft berichtet Ulrich Green über den Widerstand der Eckernförder KPD gegen das NS-Regime.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 06:13 Uhr

Martin Luther und Louisenlund, Käte Lassen und „Hunde, denen ein Fuß abzuschlagen ist“ – das 75. Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde ist prall gefüllt mit Wissenswertem und Erstaunlichem aus Geschichte und Zeitgeschehen. Gestern Abend wurde das 416 Seiten umfassende Werk im Carls öffentlich vorgestellt.

48 Autoren und 13 Künstler haben Beiträge verfasst. Wie in den 74 Jahren zuvor reicht ihre Vielfalt von Archäologie bis zur Kunst, von Volkskunde bis zu Natur und Umwelt, von Zeitgeschichte bis zu Plattdeutsch. Ein Beitrag befasst sich mit der Geschichte des Jahrbuches selbst: Dr. Heinrich Mehl untersucht die Titelbild-Gestaltung der letzten 75 Jahre. Er ist zusammen mit Dr. Telse Stoy und Bärbel Hoffmann für die Redaktion des Jahrbuches zuständig. Das Fazit der Redaktion: „Auch wenn sich das äußere Erscheinungsbild der Bände im Laufe der Jahrzehnte leicht veränderte, im Mittelpunkt der Texte stand immer die verantwortungsvolle Aufarbeitung regionaler Geschichte.“ 3000 Aufsätze wurden in den 75 Jahren veröffentlicht. „Fast einen Meter im Bücherregal macht die Reihe der Jahrbücher mittlerweile aus“, so die Vorsitzende der Heimatgemeinschaft Dr. Telse Stoy.

Geschichtliches bietet in diesem Jahr unter anderem das Reformationsjubiläum: Edith Grünauer hat Luthers Spuren in der Region erforscht. So soll die neue Lehre 1542 durch den Prediger Tilemann von Hussen Einzug in Eckernförde gehalten haben. Der Reformator selbst ist durch zahlreiche Bildnisse in den Kirchen der Region verewigt. 100 Jahre jünger als die Reformation ist die Löwen-Apotheke in Eckernförde, deren 400-jährige Geschichte im Jahrbuch erzählt wird, ebenso die 800-jährige Baugeschichte der St.-Nicolai-Kirche.

50 Jahre Maritimer Fünfkampf und 555 Jahre Hummelfeld – die geschichtlichen Themen dominieren, das zeigt auch ein Bericht über Prinz Heinrich von Preußen und das Leben auf Gut Hemmelmark und ein Artikel über 20 Jahre Seniorenredaktion der Eckernförder Zeitung.

Dass es aber nicht nur um die Vergangenheit geht, beweisen Beiträge, die sich mit der Gegenwart beschäftigen: So stellt Bärbel Hoffmann das Museum in Noer vor, schreibt Hans-Ulrich Piontkowski über schützenswerte Wildblumenarten auf Friedhöfen und Jörg Harder über Schafe, die den giftigen Bärenklau bekämpfen.

Neben dem Jahrbuch hat die Heimatgemeinschaft auch das Heft „Zum Widerstand der Eckernförder KPD gegen das NS-Regime“ von Ulrich Green vorgestellt. In ihm wird nachvollzogen, welche Schicksale die Menschen ereilte, die zum Beispiel Verfolgte mit Fischerbooten nach Dänemark brachten oder auch nur Mitglied der Kommunistischen Partei waren, was in der NS-Justiz als Hochverrat galt. Hermann Ivers, Heinrich Otto, Karl Piepgras und andere – sie wurden in Straflagern interniert, kamen in Konzentrationslagern um, mussten medizinische Experimente über sich ergehen lassen.

Dieser Aufsatz wurde gestern besonders gewürdigt: Telse Stoy verlas ein Geleitwort von Prof. Dr. Detlev Kraack, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Er bestätigte, dass die „Materialien und Forschungen aus der Region“ der Heimatgemeinschaft, in deren Reihe das Begleitbuch erschienen ist, „zu dem Besten gehört, was es zu diesen Themen gibt“. Wir alle dürfen uns glücklich schätzen, dass Ulrich Green (...) die Energie und Disziplin aufgebracht hat, dieses kleine große Buch zu schreiben.“

>Ab heute ist das Jahrbuch im Buchhandel erhältlich. Preis: 18 Euro. Das Beiheft von Ulrich Green ist für 6,50 Euro erhältlich.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen