Lust aufs Landleben und Spaß am Predigen

 Legt Wert auf sorgfältig vorbereitete Predigten: Pastorin Claudia Bruweleit.  Foto: Thomsen
Legt Wert auf sorgfältig vorbereitete Predigten: Pastorin Claudia Bruweleit. Foto: Thomsen

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05. Februar 2011, 06:13 Uhr

Schinkel | Sie möchte eine "engere Beziehung zum Wesentlichen gewinnen". Dass das in Schinkel gelingen könne, habe sie vermutet, sagt Claudia Bruweleit, und genau das erlebe sie auch. Beispielsweise in der Kirche. Hier könne sie sich noch in normaler Tonlage mit Menschen in der letzten Reihe unterhalten, sagt sie. Schließlich biete sie nur Platz für rund 100 Leute. In der Kieler Paulus-Kirche, in der sie elf Jahre tätig gewesen ist, trage die Stimme höchstens bis zur fünften Reihe.

Bereits am 1. September hat sie die Stelle, die durch den Umzug von Pastorin Wiebke Keller nach Ratzeburg frei geworden ist, besetzt. Seit dem sei sie dabei, die Kirche und ihre Menschen kennen zu lernen. Beeindruckt zeigt sich Claudia Bruweleit von dem ehrenamtlichen Einsatz der Gemeindeglieder, vor allem auch in der Zeit, in der die Pastorenstelle vakant war.

Die Selbstständigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Kirche mit Leben gefüllt wird, bestätige ihre Annahme, dass die Schinkeler sich sehr umeinander kümmern. Noch kann die 45-Jährige das Alltagsleben nicht hautnah erfahren. Denn das neue Pastorat ist nicht fertig gestellt. Der frühe Wintereinbruch und die lange Kälteperiode haben die Arbeiten um Wochen verzögert. Sie rechne jetzt damit, im Sommer mit ihrer Familie aus der Landeshauptstadt nach Schinkel umziehen zu können. Ihr Mann Heiko Naß (46), der als Oberkirchenrat im Nordelbischen Kirchenamt in Kiel das Dezernat für Theologie und Publizistik leitet, freue sich ebenso wie ihre Tochter (15) und ihr Sohn (12) auf das Landleben. Zu Fuß in und um den Ort unterwegs zu sein, sich mal mit mehr Zeit beim Bäcker zu treffen und nachts einen dunklen Himmel über sich zu haben - das seien Aspekte des Landlebens, die sie sehr schätze. Es sei eine spannende Zeit, sich neu zu orientieren, aber auch nicht so einfach. Denn momentan sei sie mehr mit Gucken als mit Tun beschäftigt. Sie habe zwar viele Idee, aber sie wolle erst einmal schauen, welche Strukturen da sind, um diese dann zu unterstützen und zu stärken. Ein erstes Projekt hat Claudia Bruweleit aber denn doch schon in Planung: Sie möchte sich an der Aktion der Nordelbischen Kirche "Mehr Himmel auf Erden" beteiligen und in diesem Zusammenhang im April an zwei Abenden Glaubensgespräche in der Kirche anbieten.

Sehr großen Wert legt Claudia Bruweleit außerdem auf die sorgfältige Ausarbeitung ihrer Predigten. Zwölf bis 15 Stunden benötige sie, um sich auf einen Gottesdienst vorzubereiten. Man müsse sich den Text erschließen, nach Beispielen und Berührungspunkten suchen. "Das ist ein Prozess in den man eintritt", sagt sie. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist der interreligiöse Dialog.

Und die Schinkeler haben ja nicht nur eine neue Pastorin, sondern auch einen Mann an ihrer Seite erhalten. Er sei zwar sehr eingebunden in seine Arbeit, begleite sie aber regelmäßig. Manchmal predige er auch, und einmal habe er sie schon auf der Kanzel vertreten, als sie krankheitsbedingt verhindert war "Die Gemeinde nimmt das gut an. Und uns beiden ist es sehr wichtig, mit der Gemeinde zu leben", betont Claudia Bruweleit.

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