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Wenn Dänen feiern : Luftsprünge beim Jahrestreffen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dänische Minderheit feiert „Arsmøde“ auf dem IF-Sportplatz

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2015 | 06:56 Uhr

Es ist ein Zeichen des Zusammenhalts, ein Ausdruck des Stolzes auf ihre Gemeinschaft: das Jahrestreffen der dänischen Minderheit (Arsmøde). Hier treffen sich an einem Wochenende alle, die sich der Minderheit zugehörig fühlen, essen, trinken und singen gemeinsam in einem Meer aus dänischen Flaggen und Fähnchen. In Eckernförde fand das Treffen am Sonnabend wie immer auf dem IF-Sportplatz im Hans-Christian-Andersen-Weg statt.

Und es fühlen sich viele zugehörig: Etwa 1200 Besucher waren gekommen, die die Präsenz und Verankerung der dänischen Minderheit in der Stadt demonstrierten. Sie stellt mehr als ein Dutzend Institutionen in der Stadt – von der Schule über zwei Kindertagesstätten, Sportvereinen und Mitbürgerhaus bis zur Kirchengemeinde und politischen Partei.

Sie alle präsentierten sich rund um den Platz an Ständen zwischen Tombola, Kistenstapeln und Fahrbücherei oder brachten kleine Aufführungen auf die Bühne. Die Kinder tollten umher, die Eltern unterhielten sich bei Kaffee und Kuchen – es herrschte bei bestem Wetter die typisch dänische „Hyggeligkeit“. Dass zwischendurch eine Stunde lang abwechselnde Redner für Dauerbeschallung über Lautsprecher sorgten, wurde zur Kenntnis genommen, oft war aber das persönliche Gespräch am Kaffeetisch dann doch interessanter. Das dänische Jahrestreffen wird seit 1921 abgehalten – im Jahr zuvor war in einer Volksabstimmung über den Grenzverlauf und auch über den Verbleib Südschleswigs bei Deutschlands befunden worden. Seither ist es das Fest des Zusammenhalts für die dänische Minderheit.

Wegen der Folketingswahlen in Dänemark, waren in diesem Jahr keine dänischen Politiker erschienen, stattdessen machte Jørgen Møllekær, Chefredakteur von Flensborg Avis, den Hauptredner. Er stellte die Frage nach der Integration: Im Jahr 1920 habe bei der Volksabstimmung über den Grenzverlauf das Bekenntnis zu Dänemark eher eine Abwahl des Deutschen dargestellt, heute sei es eine Zuwahl des Dänischen. Es habe sich in Südschleswig eine undefinierbare regionale Identität gebildet, die sich weitervererbe. Auf die Frage „Wie deutsch darf man sein, um noch als Däne zu gelten“ konnte auch er keine Antwort geben. Nur soviel: Es genüge nicht, nur die Kinder in einen dänischen Kindergarten zu schicken.

Natürlich war auch Jette Waldinger-Thiering als SSW-Landtagsabgeordnete und Eckernförderin beim Jahrestreffen dabei. In Anspielung auf den Rechtsruck bei den Folketingswahlen, sprach sie sich für offene Landesgrenzen aus. „Wir haben gemeinsam diese Grenze und sind auch gemeinsam gute Nachbarn.“ Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Serpil Midyatli war gekommen. Sie sprach von der Vielfalt in Schleswig-Holstein, die maßgeblich von der dänischen Minderheit geprägt werde und das Land auszeichne. „Die Vielfalt in unserem Land macht uns nur stärker.“

Für die Angehörigen der Minderheit ist die Arsmøde wie ein großes Klassentreffen. „Man trifft alte Lehrer und Klassenkameraden, Freunde und Nachbarn“, erzählt SSF-Vorsitzender Fred Witt. Und es gab auch was zu sehen: Ein Höhepunkt war zum Beispiel das Talentteam aus Hedensted, das den Zuschauern mit atemberaubenden Flickflacks und Salti den Mund offen stehen ließ, während das Pfadfinder-Marimba-Orchester aus Viborg und das Pfadfinderorchester FDF Vejle 1 für Musik sorgten. Fußballturnier und Schülerpräsentation, Kindergartenvorführung und gemeinsames Singen – alles war da, sogar ein Stand mit Softeis. Nur die Hotdog-Bude, die fehlte.

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