Looser Bürger können Windbauern werden

Sie planen den Bürgerenergiepark Schlei-Ostsee: Sönke Martensen (l.) und Marten Jensen. Foto: Steinmetz (3)
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Sie planen den Bürgerenergiepark Schlei-Ostsee: Sönke Martensen (l.) und Marten Jensen. Foto: Steinmetz (3)

Einwohnerversammlung zur Vorstellung eines Bürgerwindparks nördlich des Osterhofes und südlich Gut Neu Ilewitt / Windparkgröße und Beteiligungsform noch offen

shz.de von
15. September 2012, 08:49 Uhr

Loose | Den Energiewechsel - weg von der Atomkraft hin zu regenerativen Energieformen - den können Bürger in Loose begleiten. Nördlich vom Osterhof und südlich von Gut Neu Ilewitt könnte ein Bürgerwindpark entstehen. Um über diese Idee, über Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und den Stand der Planung zu informieren, hatte Bürgermeister Gerd Feige Vertreter des Amtes Schlei-Ostsee, Betroffene, Planer und Finanzdienstleister Donnerstagabend als Gäste zu einer Einwohnerversammlung in die Sporthalle der BBS eingeladen. Durch den Abend führte Feiges Stellvertreter, Hans-Jürgen Mordhorst.

Grundlage des Vorhabens ist ein Gemeinderatsbeschluss aus dem November 2011, zwei Flächen im Grenzbereich zu Waabs als Windeignungsflächen zur Aufnahme in den Regionalplan zu melden, führte Bauamtsleiter Norbert Jordan in das Thema vor gut 90 Besuchern ein. In der neuen Fassung des Regionalplanentwurfes sei die größere Fläche mit rund 52 Hektar als Windkrafteignungsfläche aufgenommen worden. Sollte die Landesregierung den Regionalplan vermutlich im Dezember beschließen, sei es für Loose und Waabs "nicht mehr die Frage ob Windkraft, sondern nur noch, wie Windkraft" kommt, so Jordan. Mit dem Bau begonnen werden könnte, wenn der Regionalplan die Fläche ausweist, ein städtebaulicher Vertrag (alternativ ein vorhabenbezogener B-Plan) mit den Betreibern abgeschlossen wurde und die Baugenehmigungen vorliegen, die gesetzliche Vorgaben nach dem Bundesemissionsschutzgesetz (u.a. Lärm und Schall) berücksichtigen, so Jordan.

Was ist technisch möglich? Das Land schreibt den Bau von wenigstens drei Windkraftanlagen mit mindestens 150 Metern Höhe auf mindestens 20 Hektar zusammenhängender Fläche vor. Diese Anforderung erfüllt die Fläche. Zur Realisierung des Vorhabens haben bereits die drei Landeigentümer Jürgen Kirberg (Loose), Dirk Weiland (Loose) und Kurt Jürgen Carl (Waabs) gemeinsam mit den Energietechnikern von der NaturEnergieKonzept GmbH, Marten Jensen und Sönke Martensen, eine Bürgerenergiepark Schlei-Ostsee Planungs GbR gegründet. Aus ihrer Sicht sei der Betrieb von fünf Windkraftanlagen mit je drei Megawatt Leistung mit Anlagenhöhen von etwa 180 Metern denkbar. Mit ihrer frühzeitigen Übereinkunft, den Bau, Betrieb und den Ertrag der Windkraftanlagen mit den Bürgern vor Ort gemeinsam zu teilen, verzichteten sie auf deutlich höhere Pachterträge für ihre Potentialflächen, erklärte Sönke Martensen. Alle drei Landeigentümer, der Bürgermeister und auch das Bauamt hätten nach Bekanntgabe der Aufnahme der Fläche in den Regionalplan sehr viele Anfragen zum Landkauf oder zur Pacht bekommen. Diese Interessenten hätten die Flächen als Windpark ohne Bürgerbeteiligung nutzen wollten, Erträge und Gewerbesteuern wären vermutlich nicht in Loose geblieben. "Wir haben ganz bewusst den Weg eines Bürgerwindparks gewählt, um mit den Bürgern im Ort gemeinsam zu handeln", sagte Dirk Weiland. Er, Kirberg und Carl seien sich einig gewesen, Bürgern Möglichkeiten zur Beteiligung an Erträgen und der Mitbestimmung zu bieten, um so auch die Akzeptanz zu erhöhen. "Ich bin sehr froh über das große Bürgerinteresse. Es ist gut, dass so viele Informationen gegeben wurden, bevor Gerüchte kursieren", sagte Kirberg.

Wie sich Bürger beteiligen können, das steht noch nicht fest. Denkbar wäre die Bildung einer Kommanditgesellschaft (KG), bei der jeder Bürger mit einer festen Geldeinlage beteiligt ist, erklärte Marten Jensen. Sonderrechte für Landeigentümer, Anlagenhersteller oder Projektentwickler gäbe es nicht. Über Mehrheitsbeschlüsse der Gesellschafter würden Entscheidungen getroffen, erklärte Jensen. So könnte auch festgelegt werden, ob Pflichterträge der Anlagen jährlich Einrichtungen in der Gemeinde zugute kämen. Über seine positiven Erfahrungen als Gesellschafter am Windenergiepark Enge-Sande berichtete Holger Hansen den Besuchern. "Es war alles ganz einfach, und jetzt gab es die erste Auszahlung, zehn Prozent Rendite für ein Dreiviertel Jahr", sagte er.

Als eine weitere Form der Bürgerbeteiligung stellte Stefan Siebert, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank aus Bad Sulzungen, dass Genossenschaftsmodell vor. Dabei würde die Bank nicht nur Finanzierungen ab 20 Prozent Eigenkapital übernehmen und die Bildung der Genossenschaft für den Windpark begleiten, sondern auch Bürgern Kredite für ihre Anteile bieten. Sie seien von der Sicherheit und der Rendite der Anlagen überzeugt. Denkbar seien auch Wind-Sparbücher, um selbst Kleinanlegern eine Beteiligung zu ermöglichen. Selbst betreibt das genossenschaftliche Bankhaus alternative Energieanlagen nicht nur in Thüringen. Das Umwelt - und Engergieengagement sei in der Satzung verankert, um die Bürger an der alternativen Stromerzeugung zu beteiligen und um ausländische Investmentanleger außen vor zu halten, so Siebert. Die Verlässlichkeit der VR-Bank bestätigte Prof. Peter Jochimsen vom BSI-Campus in Eckernförde. Die Stiftung des BSI habe sich der Förderung von Gesundheit und Energie verschrieben und arbeite dabei mit der Bad Salzunger VR-Bank seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Er empfahl die Bildung einer Genossenschaft, damit jeder Anteilseigner unabhängig seiner Anlagenhöhe, gleiches Stimmrecht habe.

Welches Bürgerbeteiligungsmodell zum Einsatz kommt, welche Mindesteinlagen nötig sind, wie viele Anlagen überhaupt gebaut werden - all das könne erst festgelegt werden, wenn man die Rechtskraft des Regionalplanes habe, machte Jordan deutlich. Dann werde es weitere Infoveranstaltungen geben. Geplant seien außerdem Fahrten an die Westküste, um Anlagen zu besichtigen und Bürger zu befragen. Infos finden Bürger auch auf der Homepage des Amtes www.schlei-ostsee.de - Loose - die Bürgermeister Feige auch schriftlich bereit hält.

Bereits in Arbeit seien ornithologische Untersuchungen und Gespräche mit Ämtern und dem Netzbetreiber, um den produzierten Strom ins Netz einzuspeisen, berichtete Jensen. Dies sei im Fall Loose wohl ohne Probleme möglich. Er schlug vor, in irgendeiner Form, die Bürger über ihr Beteiligungsinteresse zu befragen, um bei der Ausgestaltung des Parks verlässlichere Daten zu bekommen. Selbstverständlich könnten Bürger Anregungen geben, die dann im Zuge der Vertragsverhandlungen berücksichtigt würden, ergänzte Hans-Jürgen Mordhorst. So auch der Wunsch von Dieter Detlefsen, der sich als Nächstwohnender zu potenziellen Anlagen mehr Abstand wünscht. "So ein Bürgerwindpark sei eine echte Chance für Loose, dass zwischen Ostsee und Schlei gelegen, sonst oft außen vor bleibe", stellte Mordhorst fest.

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