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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 11:13 Uhr

Lkw-Stress und Marine-Millionen

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Eckernförde erstickt im Stau. Wars im Sommer und an den Wochenende ohnehin schon unerträglich mit kilometerlangen Blechlawinen an den Ausfallstraßen B 76 und B 203, setzt das Brückenchaos auf der A 7noch eins drauf. Hunderte Lkw und Busse quetschen sich Tag für Tag über die Ausweichstrecke mitten durch die Stadt. Die Anwohner im Domstag leiden Höllenqualen. Kaum besser geht es den Menschen in der Berliner Straße zwischen Lornsenplatz und Seegarten. Lärm und Gestank nähern sich der Zumutbarkeitsgrenze. Sie haben sich mit einer Messpistole bewaffnet, Überschreitungen der zulässigen Maximalbelastung festgestellt und fordern eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h und Durchfahrvahrverboot für die Maut-Drückeberger unter den Lastern. Die Anwohner habendie Temposünder sogar gefilmt und würden die Datenbank den Behörden zur Verfügung stellen. Ihre weiteren Forderungen: Fahrbahnverengung und später -verlegung sowie ein Tunnel für die Bahn, damit der immer stärker werdenden Verkehr nicht auch noch durch ständig geschlossene Bahnschranken zusätzlich behindert wird.

Auch das ist eine Form der Bürgerwehr.

Im Süden der kleine FKK-Strand, im Norden der Hundestrand - dazwischen das Wahrzeichen der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe, Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung, kurz WTD 71 - der Torpedoschießstand. Die Nackten und die Hunde stören die meist im Verborgenen stattfindende Arbeit des "Marine-TÜV" nicht im Geringsten, und der Schießstand wird nach Auskunft vor Ort nur noch selten genutzt. Man hat wohl elegantere Mittel und Wege gefunden, um die Unterwasserwaffen zu erproben. Außerdem ist das längst nicht mehr die Hauptarbeit der technologisch hochgerüsteten und hochkompetenten Dienststelle, die selbst gehobenen internationalen Forschungsansprüchen genügt, wie die vielen Anfragen aus dem Ausland und der forschenden Industrie zeigen. Eckernförde hat nicht nur wegen der Sprotten, der Pistolen und des Kleinen Feiglings einen internationalen Namen.

Was jedoch überhaupt nicht funktioniert, ist die stiefmütterliche Behandlung durch die Bundesbaubehörden, die die Molen im Marinehafen sehenden Auges vergammeln lassen und so Spekulationen über Schiffsverlegungen Vorschub leistet. Angeblich soll der Bund bis 2022 145 Millionen Euro für den Aufbau der militärischen Infrastruktur am Standort Eckernförde locker machen.

Hoffentlich hält er Wort und zweigt die Millionen nicht durch irgendwelche Winkelzüge für die Sanierung der desaströsen Verkehrswege im Norden ab.

Es gibt nur noch wenige Zweifel an der voraussichtlichen Standortentscheidung für das neue Eckernförder Kino: Falls nicht noch etwas Weltbewegendes passiert, die Bahn die Verhandlungen platzen lässt, ein noch unbekannter Interessent das Doppelte für den Bahnhof bietet oder dem Investor Sindram die Luft ausgeht, dürfte es nach der offenbar erhellenden Kino-Exkursion der Bahnhof werden.

Warum ist man eigentlich nicht früher auf die Idee gekommen, sich ausgewählte Kinos als Blaupause für Eckernförde anzusehen.

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