Grosshändler : Lkw-Maut als Kostentreiber für die Kunden

Getränkegroßhändler Waldemar Behn: Eine Lkw-Maut auf allen Bundes- und Landstraßen  würde zu Preissteigerungen führen.
Getränkegroßhändler Waldemar Behn: Eine Lkw-Maut auf allen Bundes- und Landstraßen würde zu Preissteigerungen führen.

Mautpflicht auf zwei- und vierspurigen Bundesstraßen: Das könnte in Zukunft Realität werden. Getränkegroßhändler Waldemar Behn rechnet mit Mehrkosten von 100.000 Euro pro Jahr bei einer Lkw-Maut auf allen Bundes- und Landesstraßen.

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21. März 2014, 06:30 Uhr

Werden Bier und Bionade, Pullover und Pommes Frites, Wurst, Butter und Milch bald teurer? Das könnte passieren, wenn die Lkw-Maut flächendeckend auch auf Bundesstraßen eingeführt wird und somit die Transportkosten verteuert. Die Pläne dazu stehen im Bundesverkehrsministerium derzeit zwar noch nicht endgültig fest, allerdings plant Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Maut-Einführung auf allen vierspurigen Bundesstraßen für das erste Halbjahr 2015. Die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Lkw-Maut auf allen – auch zweispurigen – Bundesstraßen dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, selbst eine Mautpflicht auf Landesstraßen soll Gesprächsthema gewesen sein.

Ein Thema, das Waldemar Behn vom gleichnamigen Getränkegroßhandel seit langem umtreibt. Seine Lkw-Flotte besteht aus 20 Fahrzeugen und ist im regionalen Lieferverkehr kreuz und quer vor allem im nördlichen Landesteil auf den Landes- und Bundesstraßen unterwegs. Bei der in einem ersten Schritt geplanten Einführung einer Lkw-Maut auf allen vierspurigen Bundesstraßen rechnet Behn mit weiteren Mehrkosten von etwa 3000 bis 4000 Euro pro Jahr, da nur wenige weitere Straßenabschnitte in dieser Region eine Rolle spielen: Die alte B 77 Busdorf – Schleswig, die B 77 Rendsburg – Jevenstedt inklusive Kanaltunnel und eventuell noch einige weitere Abschnitte im Großraum Kiel und Flensburg.

Sollte in einem zweiten Step die Benutzung aller Bundes- und Landesstraßen mautpflichtig werden, kommen allerdings erhebliche Kosten auf das Unternehmen zu, hat der Unternehmer errechnet. Behn geht für seinen 20-Tonner-Fuhrpark dann von rund 100 000 Euro Maut-Kosten pro Jahr aus. Eine Summe, die zu hoch ist, um sie „einfach auszuschwitzen“, wie der der Gesellschafter des traditionsreichen Familienunternehmens gegenüber der EZ sagt. Anders ausgedrückt: Er wird nicht umhin kommen, die anfallenden Maut-Gebühren gesondert auf den Rechnungen auszuweisen und an seine Kunden – Gastronomen, Getränkemärkte oder Tankstellen – weiterzugeben. Getränke aus dem Hause Behn werden dabei kein Einzelfall bleiben. „Das betrifft alle Waren, die mit Lkw transportiert werden“, sagt Waldemar Behn. In der Summe könne sich dies für die Endverbraucher durchaus im Portemonnaie bemerkbar machen, und zwar nicht nur für die am Tresen.

Was kaum bekannt ist: Schon jetzt zahlen Lkw ab 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht Maut auf vielen Bundesstraßen. Auch das Unternehmen von Waldemar Behn. Mautpflichtig sind alle vierspurigen Bundesstraßenabschnitte mit Autobahnanschluss. Wie die B 76 zwischen Gettorf und Kiel, wie auf der Kieler Stadtautobahn zwischen Afrade (Citti) und Altenholz und auf der Flensburger Ortsumgehung Richtung Krusau. Auf diesen Strecken fahren auch die Behn-Getränkelaster – kostenpflichtig. Alle Lkw sind mit einem kleinen Kasten, dem „On Bord Unit“ (OBU) ausgerüstet, über den die Signale über GPS vom Maut-Dienstleister Toll-Collect abgegriffen und den Lkw-Haltern in Rechnung gestellt werden. Die Maut-Pflicht schlägt derzeit mit 7000 bis 8000 Euro pro Jahr zu Buche. Das ist zwar noch überschaubar, doch das wird sich in dem Moment ändern, wenn alle Bundesstraßen für Lkw mautpflichtig werden.

Aufgrund der relativ geringen Jahres-Kilometerleistung seiner Fahrzeuge haben diese eine relativ lange Lebensdauer und werden damit vergleichsweise alt. Folge: Sie fallen in eine niedrige und damit ungünstige Schadstoffklasse. Und da diese neben der Zahl der Achsen und der Fahrstrecke zur Berechnung der Maut herangezogen wird, wird der Betrieb entsprechend teuer. „Dadurch zahlen wir eine relativ hohe Maut von 16 bis 17 Cent pro Kilometer“, erläutert Behn. Um dem zu entgehen, überlegt er, Lkw mit der schlechtesten Klasse gegen neue mit der günstigsten Schadstoffklasse auszutauschen – das würde „erhebliche Investitionen in den Fuhrpark“ nach sich ziehen. Nach Behns Informationen werde sogar in Erwägung gezogen, die Maut-Pflicht auf Lkw ab 7,5 Tonnen auszuweiten, bislang greife diese erst ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 12 Tonnen. Unterm Strich wären das erhebliche zusätzliche Kosten für alle Lkw-Betreiber, die „am Ende der Kunde zahlt“, ist sich der Eckernförder Getränkegroßhändler sicher.

Behn empfindet es als ungerecht, dass ausschließlich die Halter von Lkw Maut zahlen sollen. „Sind Lkw böser als Pkw?“, fragt er ein wenig provokant. Die Laster erfüllten schließlich einen Versorgungsauftrag für die Menschen. Und die erwarteten, dass Waren innerhalb kurzer Zeit geliefert werden und zur Verfügung stehen. Viele Pkw hingegen würden nur „zum Vergnügen auf der Straße gefahren“. Behn spricht sich eindeutig für die Einführung einer Maut-Pflicht auch für Pkw aus, wie sie im Übrigen bereits in zahlreichen Nachbarländern erhoben werde. Es wäre nur gerecht, wenn sie auch in Deutschland „als Riesen-Transitland“ für alle Autofahrer eingeführt wird. „Eine Maut-Pauschale bringt doch keinen um“, sagte Behn, der mit Kosten pro Pkw im mittleren zweistelligen Betrag rechnet. Die Maut-Belegung auch der ausländischen Autofahrer würden zudem viel Geld in den Staatshaushalt spülen, auch das wäre mehr als gerecht, so Behn, da auch deutsche Autofahrer im Ausland zur Kasse gebeten würden.

Zum Vergleich: Die Einnahmen des Bundes allein aus der Lkw-Maut beliefen sich 2013 auf knapp fünf Milliarden Euro. Behn: „Und trotzdem sind die Straßen so kaputt wie noch nie.“

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