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Neue Literaturabende im Gemeindehaus : Literatur – Impuls fürs eigene Leben

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Die Bücherliste für die Reihe „Literatur im Gemeindehaus“ liegt fest. Im Januar 2018 starten Beate Kennedy, Hans-Jürgen Bauer und Knut Kammholz wieder die offenen Leseabende.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 00:00 Uhr

Eckernförde | Es sind die  1920er Jahre in England, als ein junger Mann namens Charles aus bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen  in Oxford einen exzentrischen Sohn aus altem englischen Adel kennenlernt. Der schöne  Sebastian  tritt stets in Begleitung seines Teddybären Aloysius auf. Dieser  Teddy scheint jetzt dem Roman von Evelyn Waugh „Wiedersehen mit Brideshead“ entsprungen zu sein – sitzt er doch mit dem  Schal im typischen Karomuster  in Eckernförde im Wohnzimmer von  Hans-Jürgen Bauer, als dieser gemeinsam mit Beate Kennedy und Knut Kammholz die Bücherliste für die Reihe „Literatur im Gemeindehaus“ präsentiert.   Der  Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ aus dem Jahre 1944  von Evelyn Waugh (1903 bis 1966)  ist eines von zwei Büchern, das Hans-Jürgen Bauer in der Lesereihe vorstellt.

 Literatur beflügelt die Fantasie, regt den Leser an, Dinge neu zu sortieren und für sich zu bewerten. Immer wieder gelingt es Autoren, dem Lesepublikum Denkanstöße zu geben, indem sie  Parallelen zur Jetztzeit ermöglichen – so der Roman „Nach Mitternacht“, den Irmgard Keun (1905 bis 1982) 1937 veröffentlicht hat. „Dieser Roman macht deutlich, wie schnell  es möglich ist, in  ideologische Muster zu verfallen“, sagt Beate Kennedy, die Keuns Buch in der Lesereihe vorstellen wird. Es spielt in der Zeit des Umbruchs, in der sich die 19-jährige Protagonistin entscheiden muss, ob sie ihr Leben dem Regime in Nazideutschland anpasst oder sich für die Emigration entscheidet. Keun lässt die Ich-Erzählerin detailgenau    erzählen. Dabei greift sie auf Kontrastsituationen zurück, die durch ihre Symbolik unfreiwillig Satire erzeugen und dadurch die Absurdität der Naziherrschaft verdeutlichen. „Sie gewährt dem Leser differenzierte Blicke auf  Menschen, es gab  nicht nur einen Einheitsbrei von Mitläufern, es gab auch Menschen, die anders lebten“, sagt Kennedy und schlägt den Bogen zur aktuellen Situation im Berliner Reichstag: „Es ist  jetzt unsere Aufgabe, auch heute mit den Rechten im Parlament zu reden.“ Gerade erst vor zwei Wochen ist Knut Kammholz’ Favorit erschienen: „Tyll“ von Daniel Kehlmann. „Ein gewaltiges Buch“, so Kammholz, „das dem Autor jede Freiheit für Spielereien lässt. Es hat historische Figuren, ist aber kein historischer Roman.“ „Tyll“ spielt in den Wirren des 30-jährigen Krieges. Kehlmann lässt seinen Protagonisten als fahrenden Gaukler auftreten, der den Menschen in die Herzen sehen kann. Nicht nur die äußeren Verwüstungen von Landstrichen und das Metzeln der Soldaten beschreibt er genau, sondern auch die Verwüstungen der Seelen durch die Grauenhaftigkeit des  Krieges. „Es kreiert eine grauenhafte Atmosphäre, ist aber ein tolles Buch“, so Kammholz.

Was vor 40 Jahren in Neu Delhi aus einer Verlegenheit entstanden ist, hat mittlerweile nahezu Kultcharakter. Zu jedem Literaturabend kommen mindestens 30 Interessierte.  „Wir haben einen festen Stamm von 50 Personen“, erklärt Knut Kammholz. Er  hat die Leseabende als junger Pastor in seiner indischen Pfarrgemeinde angeboten und  die Idee nach seiner Rückkehr zunächst in Damp umgesetzt. Später hat  der  Propst  sie in seinem Wohnzimmer am Pferdemarkt angeboten, als eine Art Literarischen Salon. Seit 2005 sind Beate Kennedy und Hans-Jürgen Bauer mit von der Partie. Die drei bieten seit fünf Jahren im Wechsel die Literaturabende  in dem Gemeindehaus von St. Nicolai im Brookhörn an. Der Ablauf: eine Stunde wird aus dem jeweiligen Buch gelesen, nach einer Pause gibt es ein Gespräch. Auch wenn das Buch bereits gelesen sein sollte, ein Besuch der Literaturabende lohne sich, so Kennedy: „Manchmal bringt das erneute Lesen und das nochmalige Beleuchten eine neue Erkenntnis.“

Literatur im Gemeindehaus Brookhörn18,  Beginn 20 Uhr: 8. Januar: Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead (Jürgen Bauer)

22. Januar: Margaret Atwood: Der Report der Magd ( Knut Kammholz)

5. Februar: Irmgard Keun: Nach Mitternacht (Beate Kennedy)

26. Februar:  David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt (Jürgen Bauer)

12. März: Daniel Kehlmann: Tyll (Knut Kammholz)

26. März: Kazuo Ishiguru: Der begrabene Riese (Beate Kennedy)

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