konzertereignis : Literarisch-musikalischer Höhepunkt

Musikalisches Urgestein: Manfred Maurenbrecher.
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Musikalisches Urgestein: Manfred Maurenbrecher.

Der Berliner Rockbarde Manfred Maurenbrecher spielte am Sonnabend im vollbesetzten Spieker. Der Menschenfreund und Altvordere begeisterte die Fans.

shz.de von
13. März 2018, 06:43 Uhr

Ein Menschenfreund zu Gast im Spieker: Bereits zum vierten Mal trat der Berliner Rockbarde und Liederdichter Manfred Maurenbrecher in Eckernförde auf. Dieses Mal begleitet von Marco Ponce Kärgel (Gitarre) und Andreas Albrecht (Mini-Schlagzeug). „Absolute Weltpremiere in dieser Besetzung hier!“ klärte der Pianist mit rauer Bass-Stimme auf und sang sofort los, war im Thema: „Ein Stein im Schuh, und der tut ganz schön weh. Von außen nicht zu sehn, und das ist nicht schön, weitergehn…“ - vielversprechender Beginn eines „kammermusikalischen Abends bei verhindertem Frühlingswetter.“

Maurenbrecher gestand, dass er nicht wüsste, ob er bei diesem Wetter das Haus verlassen hätte. Wer es tat, hat in vergleichsweise kleinem Kreis einen besonderen, eindringlichen literarisch-musikalischen Abend erlebt. „Es muss weitergehn“, stellte er als Motto über das Programm mit neuen und alten Liedern übers Reisen, Fliehen und die Heimat verlieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Geschichte seines bewegten Musikerlebens, begonnen mit der ersten Fünf-Mann-Folk-Punk- Band „Trotz und Tränen“, die in einem Opel Kapitän („der war schwer zu lenken, ein wahrer Kapitän“) eine Karriere mit Straßenmusik in der Bochumer Fußgängerzone startete. Was mit gesungenen Reisegeschichten aus dem Leben eines über Hans Henny Jahnn promovierten Musikers aus Berlin begann, entwickelte sich zu einem Abend des Nachdenkens und der Betroffenheit. Mit viel Lebenshilfe darin: „Du bist unterwegs, um zu wachsen!“ Aber auch dem „Selbstportrait eines kubanischen Fuhrmanns in der Stadt Trinidad“ oder seinen Sorgen über den herzlosen Umgang „unfähiger Regionalpolitiker“ in Berlin mit Flüchtlingen in Berlin, nicht nur wegen ihrer langen Wartezeiten vor der Weiterreise. Manfred Maurenbrecher hätte sich gewünscht, dass die aus Anstand nicht weiter kandidieren würden. Nichts davon bei den Verantwortlichen für den Bau eines „Museums für unvollendete Technik“ – sein Seitenhieb auf den Hauptstadtflughafen.

Mit „Zu früh“ präsentierte er die Rap-Fassung eines Songs, der in der Klavierversion vor knapp drei Jahren im Spieker seine Weltpremiere hatte und seit fünf Monaten in der Liederbestenliste des WDR gelistet ist. Erfahrungen eines Alt-68ers und ernste Erfahrungen aus dem Leben von Betroffenen: „Liebe kann man lernen“. Das Terror-Attentat in Paris kam ebenso zur Sprache wie eine Reisebegegnung „Das Glück stand an der Autobahn“ mit der Erkenntnis „Reimen ist besser als Denken“. „Beim Denken kommt man schnell in Sackgassen, beim Reimen braucht man nur ein Wort und ist sofort woanders“ war auch eine abschließende Erkenntnis des Abends mit Tiefen- und Langzeit-Nachwirkung.

Auch wegen der herausragend einfallsreichen Verstärkung Maurenbrechers durch Marco Ponce Kärgel und Andreas Albrecht, die durchgängig und musikalisch bestens passend mit viel Raffinesse einfühlsam den Sinn hinter den Worten ihres Dichters verstärkten. Ein literarisch-musikalischer Höhepunkt dieses noch jungen Jahres!

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