Kommunalwahl : Linke wollen Sand im Getriebe der Politik sein

Rainer Beuthel weiter Spitzenkanditat. Bürgerhaushalt und erschwingliche Mietpreise im Wahlprogramm.

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15. März 2013, 08:24 Uhr

Eckernförde | Gute Stimmung bei den örtlichen Linken: "Unsere Chancen sind gar nicht schlecht, weiterhin zwei Abgeordnete zu haben", prognostizierte Fraktionsvorsitzender Rainer Beuthel angesichts der Kommunalwahl am 26. Mai. Und mit schüchterner Stimme fügte er hinzu: "Vielleicht sogar auch mehr."

Der 62-jährige Diplom-Bibliothekar wird wieder als Spitzenkandidat für seine Partei ins Rennen gehen, obwohl er dieses Jahr die Rente antritt, wie er betonte: "Ich habe mich entschlossen, weiter zu machen, aber mit der Option, nicht die ganzen fünf Jahre durchzuhalten."

Der zweite Abgeordnete, mit dem die Linken - zum ersten Mal überhaupt - 2008 in den Stadtrat eingezogen waren, wird sich dagegen zurückziehen: Der Kolumbianer und Weltenbummler Carlos Mejia Cortes wird demnächst umziehen: "Ich werde im nächsten Jahr meinen Aufenthalt in Eckernförde beenden", sagte er.

An seine Stelle tritt Gabriela Eissa, Buchhalterin, 56 Jahre alt. Die gebürtige Hamburgerin lebte lange Zeit in Berlin und begann vor acht Jahren in Eckernförde einen neuen Lebensabschnitt. Aus persönlichen Gründen - Eissa leidet unter Schwerhörigkeit - kämpft sie besonders für die Rechte der Behinderten. Dass sie auf Listenplatz zwei stehe, sei ein Zeichen für gelungene Inklusion, findet sie selbst.

Die 14 Listenplätze sind teilweise auch mit Nichtmitgliedern besetzt, die Plätze sind genau zur Hälfte zwischen Männern und Frauen aufgeteilt.

Auf dem dritten Platz findet sich die 34-jährige Dominika Junikiewicz. Seit einem Jahr lebt sie in Eckernförde und ist Neumitglied in der Partei. "Ich habe selber zwei Kinder und möchte mich für Kinder und Jugendliche in Eckernförde engagieren", sagte die Kunsthandwerkerin. So gelangte auf ihr Betreiben bereits das Anliegen einer Koordinationsstelle in das Wahlprogramm. Dort sollen die bisher unübersichtlichen Angebot für Kinder und Jugendliche in der Stadt gebündelt werden.

Die Fraktion hat zum Ziel, "unsoziale Folgen von Bundes- und Landespolitik vor Ort" abzumildern. Konkretes Anliegen ist etwa die Einrichtung eines Sozialfonds, um Menschen in Not bei den Energiekosten zu unterstützen. Eine Arbeitsgruppe soll sich um ein "verbessertes Angebot preisgünstiger Mietwohnungen" kümmern. Auch die Erweiterung der Gültigkeit des städtischen Sozialpasses, ein Sozialticket für den Stadtverkehr und die kostenlose Ausstellung eines Personalausweises für Bedürftige stehen auf der Agenda. "Wir wollen Sand im Getriebe des bestehenden Politikbetriebes sein", heißt es im Text.

Das sei die Fraktion auch bisher schon gelungen, meinen die Ratsmitglieder Beutel und Cortes. Eine Leistung, auf die sie besonders stolz sind: Ihr Prüfantrag für einen Bürgerhaushalt wurde angenommen. Die Bürger sollen bei der Finanzplanung der Stadt verstärkt beteiligt werden. Für 2014 hofft die Partei auf eine Probephase.

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