Green Screen : „Lindenstraße der Elefanten“

Haben 40 Filme gesehen und zwei Tage über die Preisvergabe diskutiert (v.l.): Die Filmemacher Rosie Koch und Herbert Ostwald, WDR-Redakteurin Gabriele Conze sowie Produzent und Regisseur Heinz von Matthey. Nicht auf dem Foto: Michael Beier und Sven-Michael Bluhm.
Haben 40 Filme gesehen und zwei Tage über die Preisvergabe diskutiert (v.l.): Die Filmemacher Rosie Koch und Herbert Ostwald, WDR-Redakteurin Gabriele Conze sowie Produzent und Regisseur Heinz von Matthey. Nicht auf dem Foto: Michael Beier und Sven-Michael Bluhm.

Vier Mitglieder der Preisjury sprechen über die Qualität der Beiträge und die Zukunft des Naturfilms.

shz.de von
14. September 2018, 18:20 Uhr

Eckernförde | Heinz von Matthey wundert sich jedes Jahr aufs Neue. „Ich meine das positiv“, sagt der Vorsitzende der Green-Screen-Preisjury. „Die Qualität der Filme beim Festival steigt beständig.“ Alle 40 nominierten Filme haben sich die Filmemacher, Redakteure und Szenekenner Heinz von Matthey, Herbert Ostwald, Gabriele Conze, Michael Beier, Sven-Michael Bluhm und Rosie Koch im Vorfelde angesehen und daraus 14 ausgewählt, die heute Abend bei der Preisverleihung in der Stadthalle eine der begehrten Trophäen gewinnen werden.

Immer kreativer werden die Filmemacher. Die klassische Dokumentation mit schönen Bildern eines Biotops im Wandel der Jahreszeiten hat deutliche Konkurrenz bekommen: „Immer mehr Newcomer trauen sich, ihre kreativen Beiträge beim Festival einzureichen“, sagt Juryvorsitzender Heinz von Matthey. Da taucht auf einmal eine Trickfilmszene auf oder werden Kochrezepte gegeben. „Sie brechen Konventionen und erzählen ihre Geschichte aus einer erfrischenden Sichtweise“, stimmt Jurymitglied und Naturfilmer Herbert Ostwald zu. Jungen Zuschauern könne man heute einen Film ohne den Hinweis auf eine Problematik gar nicht mehr vorsetzen. „Vor 15 Jahren noch durfte man Probleme in einem Naturfilm nicht ansprechen“, erinnert sich WDR-Redakteurin Gabriele Conze. Die kritischen Filme mit dem erhobenen Zeigefinger hatten ein Publikum hinterlassen, das sich keine Vorwürfe mehr anhören wollte. „Heute sind die Zuhörer begierig auf ökologische Zusammenhänge.“

Die fortschreitende Technik erlaubt immer mehr unterschiedliche Perspektiven. Die Träume der älteren Filmergeneration werden nun wahr: Luftaufnahmen sind mittlerweile Standard. Was früher nur mit einem Dreh aus einem Flugzeug möglich war, übernehmen heute wesentlich unkomplizierter und billiger Drohnen.

Die Technik werde auch die Zukunft des Naturfilms bestimmen, sind sich die Profis sicher. Geschichten werden künftig aus anderen Perspektiven gezeigt, zum Beispiel aus Sicht einer Echse, die auf Löwen nach Fliegen sucht, wie es die BBC als Vorreiter schon getan hat. Immer mehr werden Naturfilme unter Spielfilmbedingungen gedreht, Musikproduzenten wie Hans Zimmer für sie engagiert. Und die jungen Zuschauer gewinnen einen größeren Raum, wie Filmemacherin Rosie Koch prophezeit: „Da werden Filme über das Internet weitergeschrieben. Ein Elefant, der einen Sender trägt, kann dann über Jahre weiterverfolgt werden.“ Heinz von Matthey: „Eine Art Lindenstraße der Elefanten.“

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