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aufmerksame fahrweise ist gefordert : Liebestolle Hirsche – Gefahr der Straße

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vor gut zwei Wochen hat die Brunft der Damwildhirsche begonnen. Fast in jeder Nacht passiert ein Wildunfall auf Schwansens Straßen, einer der Schwerpunkte ist die B undesstraße 203.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 05:19 Uhr

Auf der Fahrt nach Hause zwischen Tingborn und Russlandmoor auf der B  203, regennasse Straße, Dunkelheit, schlechte Sicht und plötzlich erscheint im Lichtkegel der Autoscheinwerfer direkt neben dem Leitpfosten ein Damwildhirsch. Ein großes Tier mit einem riesigen Geweih – ich habe Glück, denn der Hirsch macht keine Anstalten, auf die Straße zu springen. „Hier ist einer der unfallträchtigsten Stellen“, erklärt Holger Andersch, Hegeringleiter des Hegerings Schwansen-Süd, „hier besteht ein alter Wildwechselpfad, den die Hirsche auf ihrer Wanderung zu den Brunftplätzen benutzen.“ Drei bis vier Kilometer beträgt der Streckenabschnitt auf der Bundesstraße, auf dem die Autofahrer mit starkem Wildwechsel rechnen müssen.

Es ist Oktober und damit Brunftzeit der Hirsche. Eine hochaktive Zeit sowohl für das Wild als auch für die Jäger. Beinahe in jeder Nacht kommt es auf den Straßen Schwansens zu Wildunfällen. Häufig müssen die Jäger noch in derselben Nacht raus, um das angefahrene Wild zu erlösen. Die Brunft habe bereits vor knapp zwei Wochen begonnen, sagt Andersch. Brunftzeit bedeute für den Autofahrer stets ein erhöhtes Unfallrisiko durch den möglichen Zusammenstoß mit Wild, das die Straße überquert. „Die Hirsche stehen voll unter Hormonen und absolut unter Stress“, so der 49-Jährige. Sie verlassen ihren Einstand und ziehen zu den Brunftplätzen (manchmal bis zu 20 Kilometer), wo die Damtiere bereits warten. Rivalitätskämpfe mit ihren Artgenossen sind an der Tagesordnung. „In dieser Zeit fressen die Hirsche so gut wie gar nicht“, sagt der Fachmann. Denn in der Brunftzeit beherrsche einzig und allein der Paarungstrieb die Tiere.

Jedes Jahr vor Beginn der Brunft stellen die Jäger die Warnschilder „Vorsicht! Starker Wildwechsel“ an den markanten Wechselstellen auf. „Diese sollten wirklich Ernst genommen und die Fahrweise angepasst werden. Schneller als 70 km/h sollte man nicht fahren“, empfiehlt Andersch, „die Warnschilder stehen nur da, wo extrem viel Damwild hin- und herwechselt.“ Auch auf Straßen, an deren Rändern besonders viele Eichen stehen oder auf deren anliegenden Weiden Rüben zwischengelagert werden, müsse der Autofahrer mit häufigem Vorkommen von Rehwild rechnen. „Rüben und Eicheln sind Bonbons für die Tiere“, weiß Andersch. Seit zwölf Jahren leitet der Barkelsbyer den Hegering Schwansen-Süd. Sein Gebiet umfasst rund 12  000 Hektar. Als besonders unfallträchtige Straßen nennt er neben der B203 die L  27 zwischen Rieseby und Thumby im Bereich Hörst und die Strecke an der B  76 in Höhe des Truppenübungsplatzes. Zwar sei die markanteste Unfallzeit in der Dämmerung morgens und abends, aber der Autofahrer müsse in der Brunftzeit zu jeder Tageszeit mit Wildwechsel rechnen – das gelte auch für die Nebenstrecken, warnt Andersch.Sollte es trotz aller Vorsicht doch zu einem Unfall kommen, sollte die Polizei über den Notruf 110 gerufen werden. Diese informiert den zuständigen Jäger oder Jagdpächter. Da ein angefahrenes Wild seinem Instinkt folgend häufig noch versucht zu flüchten, rät Andersch den Autofahrern, mit einem Taschentuch oder ähnlichem den Leitpfosten zu markieren und sich die Kilometerzahl zu merken. „Ansonsten ist es für den Jäger manchmal schwierig, das verletzte Tier zu finden“, erklärt der Hegeringleiter. Keinesfalls solle man das Tier berühren oder gar bewegen. Noch gut drei Wochen hält die Brunft an – in dieser Zeit ist die erhöhte Aufmerksamkeit der Autofahrer gefordert.

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