Liebesspiel mit einem Bettlaken

Charmant und publikumsnah: 'Romeo' Bernd Lafrenz hat seine Julia (Marina Frommer) im Publikum gefunden. Foto: Hallstein
Charmant und publikumsnah: "Romeo" Bernd Lafrenz hat seine Julia (Marina Frommer) im Publikum gefunden. Foto: Hallstein

Romeo und Julia als Ein-Mann-Show: Bernd Lafrenz haucht dem Shakespeare-Klassiker modernes Leben ein

shz.de von
14. Februar 2012, 06:23 Uhr

Eckernförde | Es ist die schönste und traurigste aller Liebesgeschichten, wurde etliche Male verfilmt, und gehört seit Jahrhunderten zum klassischen Theater - Romeo und Julia. Die Samstagabend-Inszenierung als "One-Man-Show" von Bernd Lafrenz im etwa zur Hälfte besetzten "Carls Showpalast" zeigte, dass Taschentuch und Reclamführer an diesem Abend getrost zu Hause gelassen werden konnten.

In seiner lockeren Parodie verleiht Bernd Lafrenz "Romeo und Julia" als eine seiner frei-komischen Shakespeare-Inszenierungen einen ganz speziellen Reiz, mit dem er sein Publikum schon in anderen Stücken (Hamlet, Macbeth, Othello, König Lear) begeisterte und auf sich aufmerksam gemacht hat. Für die Rahmenhandlung zeigte sich der liebenswerte Balthasar, stolzer Inhaber der Velo-Kurier-Firma "Internationale Kurierdienste Balthasar (seit 1423)" und Nachfahre des gleichnamigen Dieners Romeos verantwortlich. In der 21. Generation - eben seit 1423 - erfüllen die Balthasars das Vermächtnis Romeos: die Geschichte der beiden Liebenden in aller Lande zu verbreiten. Sekundenschnell dann die Verwandlung vom behelmten, mit Kunststoffrucksack ausstaffierten Kurier in die Handlungsperson Shakespeare. Der bezog die Errungenschaften des 20. Jahrhunderts in die Handlung bewusst ein. Sei es auch nur der Klettverschluss am historischen Wams, oder das Handy, das beim Liebesschwur unter Julias Balkon zwischenzeitlich den Kurierdienst abforderte.

Bestechend dann der Wechsel von Shakespeares Literatur-Sprache zum heutigen Jargon: Als Romeo (Lafrenz) und Julia (ein Bettlaken!) gerade beim heftigsten Liebesspiel sind, beginnt draußen ein Vogel zu singen: "Nun muss ich gehen, die Lerche hat gesungen." Julia: "Ach was, das war ’ne Nachtigall, komm, mach weiter!" Dann eine kurze Fechtszene, bei der Romeo mit der Klinge auf ein Stehgitter einschlägt: "Tybalt ist tot, den kann ich jetzt wieder als Gitter verwenden", so der Protagonist, während er den Degen aus einem der beiden Gitter herauszieht, die mal als Balkon, dann wieder als Person oder auch als schmale Hausbegrenzung einer Gasse fungieren. Mal als Romeo, dann als Julia, oder deren Amme, dann wieder als Pater Lorenzo, der als Beichtvater die Sünden durch einen mittels Schweißschild symbolisierten Beichtstuhl abnimmt - Lafrenz’ Wandelfähigkeit gepaart mit wandelbarer Stimmlage und intensivem Mienenspiel sorgte an diesem Abend für beste Unterhaltung, ohne dabei den Shakespeare-Stoff ins Lächerliche zu ziehen.

"Ich habe Lafrenz schon in Hannover gesehen", bekannte sich Birgit Steinborn, die sich seinerzeit prächtig amüsierte und für die es ein Grund war, auch ihre Freundin und Kollegin Julia Lang mitzunehmen. Rund zehn Personen hatte auch Lorenz Dobrot im Schlepptau, er organisierte diesen Abend für seine Firma als Betriebsausflug.

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