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Ruhestand : Letzter Tag für Kinderarzt Dieter Franz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin geht nach 33 Jahren Praxistätigkeit in Eckernförde in den Ruhestand.

Eckernförde | Er hat ganzen Generationen von Eckernförder Kindern Pflaster aufgeklebt, hat sie geimpft und von schweren Krankheiten geheilt: Kinderarzt Dieter Franz arbeitet heute nach 33 Dienstjahren zum letzten Mal in der Kinderarztpraxis am Ochsenkopf. Maßgeblich war er auch am Aufbau und Betrieb der Kinderabteilung im Krankenhaus beteiligt.

1983 eröffnete der Süddeutsche, der in Kiel studiert hat, seine Praxis am Rathausmarkt 3  a. Zu dieser Zeit gab es mit Dr. Pfirmann nur einen Kinderarzt in Eckernförde, dessen Praxis aus allen Nähten platzte. Zusätzlich existierte am Krankenhaus eine hauptamtlich geführte Kinderabteilung, die 1984 auf Initiative des Chefarztes Dr. Edwin Eckler zu einer Belegabteilung umgewandelt wurde. Ergebnis: Mit zwei Assistenzärzten, die die Stationsdienste übernahmen, konnten die drei niedergelassenen Kinderärzte eine Tag- und Nachtversorgung sicherstellen. Seither ist die Zahl der Betten auf der Kinderstation von ehemals 25 auf heute vier gesunken, was Dieter Franz durch die medizinischen Errungenschaften erklärt: „Unter anderem durch die konsequenten Impfungen gibt es kaum noch schwerwiegende Infektionskrankheiten, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen.“

Als größte Errungenschaft der letzten Jahre bezeichnet der Kinderarzt den erfolgreichen Kampf für den Erhalt der Geburtshilfe mit Kinderstation am Eckernförder Krankenhaus. Die Station sollte vor vier Jahren geschlossen werden, was großen Widerstand bei Eltern, Hebammen, Krankenschwestern und Ärzten hervorrief. „Die Beliebtheit der Geburtshilfe in Eckernförde ist jüngst erst wieder durch die erhöhte Geburtenzahl von 400 Geburten im ersten Halbjahr unter Beweis gestellt worden“, sagt er und nennt als einen Grund die angeschlossene Kinderabteilung, die Eltern eine Rundumversorgung für ihre Kinder gewährleistet.

Seine Praxis am Rathausmarkt führte Dieter Franz bis 1992 allein, dann kam Dr. Gabriele Falliner-Valentin als Partnerin hinzu. Um die Jahrtausendwende erfolgte der Umzug der Praxis ins Ärztehaus am Ochsenkopf. Nach einer schweren Erkrankung von Dieter Franz 2008 wurde das Team durch Dr. Sven-Arne Zeller ergänzt.

Wenn er in Erinnerungen schwelgt, kommen schöne, aber auch dramatische Geschehnisse zum Vorschein. Dennoch: „Kinderarzt zu sein, ist eine wunderschöne Aufgabe. Es ist ein sehr umfassendes Feld.“ Am schönsten habe er es empfunden, wenn er Eltern, die mit Ratgebern und Tipps von allen Seiten überfrachtet wurden, mit seiner Erfahrung auch im pädagogischen Bereich weiterhelfen konnte. „Das Wichtigste ist es, Kindern Geborgenheit und Selbstbewusstsein zu vermitteln“, sagt er. Dazu gehöre es zum Beispiel auch, Grenzen zu setzen. „Damit bin ich aber auch manchmal angeeckt“, so Dieter Franz.Ein bisschen Wehmut ist dabei, wenn der 66-Jährige heute zum letzten Mal die Praxistür hinter sich schließt. „Aber es wird auch eine Erleichterung sein, in den Dienstnächten nicht mehr dreimal rausgerufen zu werden.“ Im August wird ein neuer Kollege das Team in der Praxis ergänzen.

Langweilig, so ist sich Dieter Franz sicher, wird ihm im Ruhestand nicht werden. Als Schularzt in Louisenlund wird er noch einige Zeit weiterarbeiten. Und wenn ihn ab und zu noch eines der rund 30  000 Kinder, die in den vergangenen 33 Jahren in der Praxis behandelt wurden, auf der Straße grüßt, ist er zufrieden.

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erstellt am 30.Jun.2016 | 06:11 Uhr

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