Zeitungsausträger Uwe Larsen : Letzte Tour für „Mister Zuverlässig“

Uwe Larsen in seiner Zustell-Jacke, die er künftig nicht mehr braucht. Nach 18 Jahren verabschiedet er sich von seinen Kunden.
Foto:
1 von 2
Uwe Larsen in seiner Zustell-Jacke, die er künftig nicht mehr braucht. Nach 18 Jahren verabschiedet er sich von seinen Kunden.

Uwe Larsen geht nach 18 Jahren als Zeitungszusteller mit 84 Jahren in den Ruhestand. Frühes Aufstehen war für ihn kein Problem und die Arbeit ein Fitnessprogramm.

von
30. Dezember 2017, 06:09 Uhr

Eckernförde | Wenn andere noch schlafen, ist Uwe Larsen schon längst auf den Beinen. Jeden Morgen um 4 Uhr steht der 84-Jährige auf – ohne Wecker. „Ich brauche keinen Wecker zum Aufstehen“. Und er möchte den Schlaf seiner Frau Karin nicht stören. Kurz fertig machen, und um 4.30 Uhr ist er in der Bürgermeister-Heldman-Straße, der ersten Station seiner frühmorgendlichen Zeitungstour im Bezirk 13. Dann geht’s weiter in den Holweg, die Käthe-Kollwitz-Straße, Langemarckstraße und die Rudolf-Kinau-Straße, gegen 6 Uhr hat er seine knapp 70 Exemplare in die Zeitungsfächer gesteckt und ist gegen 6.15 Uhr wieder zuhause im Lütthörn, wo er dann noch einmal für ein bis zwei Stunden ins Bett geht und seinen Schlaf nachholt.

Ein Rhythmus, der Uwe Larsen in den 18 Jahren seiner Austrägertätigkeit in Fleisch und Blut übergegangen ist. Heute ist er zum letzten Mal berufsbedingt so früh aufgestanden, denn heute ist sein letzter Tag als Zeitungsausträger für die Eckernförder Zeitung. Immer zuverlässig, immer rechtzeitig vor dem Frühstück, das war Uwe Larsen stets wichtig und das wussten seine Kunden zu schätzen. Der „Alterspräsident“ unter den Zustellern des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge in den Zeitungs-Ruhestand, denn seine Arbeit hat ihm Spaß gemacht und ihn fit gehalten, andererseits können er und seine Frau nun morgens gemeinsam in aller Ruhe frühstücken, den Tag entspannt angehen und auch mal spontan Ausflüge unternehmen oder die ältere Tochter in Berlin besuchen.

Uwe Larsen kam mit drei Brüdern als Flüchtlingskind aus Tollin im Kreis Usedom-Wollin nach Birkensee bei Eckernförde. Zum Überleben war jede Einnahme recht und so hat er bereits als 15-jähriger Schüler im Zustellgewerbe gearbeitet: als Lesemappen-Verteiler. Mit dem Fahrrad ging es nach Osterby, Loose und Karlsminde, als Lohn gab’s bis zur Währungsreform 1948 Reichsmark, danach D-Mark „und ab zu mal ein Ei“. Den Job behielt Larsen auch noch zwei Jahre lang während seiner Lehrzeit bei Heldt-Bürobedarf in der Kieler Straße. „Ab dem 15. Lebensjahr habe ich mir meine Kleidung und Schuhe selbst gekauft“, sagt er, um seine Mutter zu entlasten. 33 Jahre arbeitete Uwe Larsen anschließend bei seinem Lehrherrn und wechselte anschließend nach der Betriebsübergabe zur neuen Chefin Ulla-Angela Heidrich.

1997 ging Uwe Larsen im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand – um wenig später als Urlaubsvertretung ins Zustellgeschäft einzusteigen. Uwe Larsen brauchte wegen seiner Diabetes Bewegung, die er im Alltag nicht hatte („Ich bin kein Spaziergänger und Läufer, meine Werte sind seitdem wesentlich besser“), und ein paar Mark und später Euro extra waren auch nicht zu verachten. Außerdem trat er damit in die Fußstapfen von Mutter Elfriede, die bis 1954 ebenfalls die EZ ausgetragen hatte und das Geld noch von den Abonnenten kassieren musste. 1999 bekam Uwe Larsen schließlich seinen festen Bezirk, für den er bis heute zuständig war.

Ein guter Bezirk, so Larsen, mit vielen netten und manchmal auch aufregenden Begegnungen. Einmal lag ein verwirrter, älterer Herr frühmorgens in Unterhose auf dem Rasen eines Nachbarn, Uwe Larsen hat sich gekümmert, der Mann wurde dann von einem Nachbarn versorgt. Vor Schnee und Eis, Regen und Sturm hat Larsen Respekt. „Ich hab’ oft lang gelegen.“ Von Verletzungen blieb er aber verschont. „Mit 80 hörst du auf, hab ich mir gesagt, habe aber immer wieder ein Jahr drangehängt“, sagt Uwe Larsen. Als jetzt aber Mitte Dezember der Schnee an seinen Profilsohlen haften blieb und er seine Beine und Knie deutlich spürte, traf er kurzfristig die Entscheidung aufzuhören.

Mit 84 Jahren sollte man auf seinen Körper hören. Und die schönen Erinnerungen wie die Wertschätzung und jährliche Weihnachtspost, die ihm die Hälfte seiner Kunden zukommen ließ, bleiben. „Ein bisschen komisch fühle ich mich vor meinem letzten Gang schon“, sagt Zustell-Urgestein Uwe Larsen. Gut möglich, dass ein paar Kunden ihm heute früh ein paar nette Worte oder Präsente mit auf den Weg gegeben haben.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen