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Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 15:45 Uhr

Theater : Letzte Saison – Vorhang fällt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Uta Rieper organisierte 25 Jahre lang die Riesebyer Theatergruppe. Mit Spielplanschluss gibt sie die Leitung und Organisation der Gruppe ab. Ein Nachfolger wird gesucht.

von
erstellt am 11.Jan.2016 | 17:52 Uhr

Rieseby | „Ein Winter ohne Theater, das geht nicht“, sagt Uta Rieper (73). Damit sie in den Genuss von Schauspielen und Opern von Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart oder auch von Bertholt Brecht und Friedrich Schiller kommt, hat sie schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg ein Abonnement für die Kieler Bühnen erworben. Damals organisierten Lehrer oder Schulleiter der örtlichen Hauptschule die Riesebyer Theatergruppe, die dann mit dem Bus gemeinsam zu den Aufführungen in Kiel fuhren. Vor 25 Jahren hatte sie die Theatergruppe etwas unsicher übernommen. Doch mit dem Stück „Tosca“ von Puccini am 2. Juli ist damit Schluss, der Vorhang fällt. Rieper gibt die Leitung der Gruppe mit dem Spielplanende 2016 definitiv ab.

„Es war eine tolle Zeit, mit tollen Stücken“, erinnert sie sich, aber gesundheitliche Einschränkungen zwingen sie zu einer Veränderung. Theater und Oper wird sie aber auf jeden Fall treu bleiben, aber eben ohne die Leitung der Gruppe. Die hatte sie 1990 übernommen, nach dem die Gruppe in Auflösung war. Herbert Rockkohl, der die Gruppe zuletzt geleitet hatte, war verstorben. Dann gab es eine Zeit der Ungewissheit. Die Gruppe verlor Mitglieder, und es wurde kurzfristig der Versuch unternommen, mit einer Gruppe aus Fleckeby die Theaterbesuche fortzuführen. Doch das sei nicht von Erfolg gekrönt gewesen, so Rieper.

Rockkohls Frau Irmgard habe sie dann bekniet, die Gruppe fortzuführen. Und Rieper sagte ja, obwohl sie keine Vorstellung von den Aufgaben hatte. Aus dem Stand kamen 20 Abonnementen zusammen, so dass das erste Abonnement für zehn Stücke der Spielzeit 1990/91 erworben wurde.

Unterstützung erhielt und erhält die Gruppe noch heute nicht nur vom Busunternehmen „Der Riesebyer“, sondern auch ihr Ehemann Werner (80) war immer bei der Sache. „Theater ist unser Hobby“, sagt er und berichtet, das sie schon traditionell am Silvesterabend ins Theater fahren. Theater, Oper oder Schauspiel, das gehöre bei ihnen ganz einfach dazu. Unterstützt wurde Uta Rieper auch von Robert Schulze, der das Theaterprogramm immer über die VHS Rieseby veröffentlichte.

Das erste Stück unter ihrer Fahrleitung war von Giacomo Puccini „Manon Lescaut“. Damit war der Damm gebrochen, und die Mitgliederzahl der Gruppe stieg wieder an. Heute zählt die Gruppe 33 Mitglieder. Von Spielzeit zu Spielzeit hörten immer rund eine Handvoll Mitglieder auf, die sie aber durch ihr eifriges Suchen bald ersetzen konnte.

Nach fünf Jahren in Kiel, wechselte die Gruppe zur Bühne nach Rendsburg. In Kiel sei damals so extrem modern inszeniert worden, dass hätte den Abonnenten nicht gefallen. Als es dann in Rendsburg ebenfalls sehr modern wurde, wechselten sie wieder nach Kiel, wo die Bandbreite dann doch deutlich größer war, so Rieper und auch der Intendant gewechselt hatte.

Grundsätzlich sei Theater eben immer auch ein Spiegel der Zeit. Die Menschen und die Gesellschaft änderten sich, dies finde dann auch seinen Niederschlag auf der Bühne. Während die Musik in der Regel unverändert dargeboten werde, sei das Bühnenbild und die Inszenierung moderner Aufführungen manchmal doch etwas überraschend und treffe nicht immer jeden Geschmack, berichtet Rieper.

Mit Ende der laufenden Spielzeit hat Rieper so 250 Aufführungen erlebt. Besonders gerne mag sie Mozarts Werke. Inzwischen liebt sie vor allem auch die Opern von Richard Wagner. Sie sei ein Wagner-Fan und freue sich schon auf die Aufführung im Februar, wenn „Das Rheingold“, Teil eins der vierteiligen Reihe des Rings der Nibelungen aufgeführt wird. Sehr oft im Programm und Teil des Abonnements waren die Opern Tosca und Carmen aber auch die Zauberflöte. Das seien immer tolle Abende gewesen, so Rieper, auch wenn die Inszenierungen sehr verschieden waren.

Im Nachhinein möchte Uta Rieper Irmgard Rockkkohl danken, dass sie ihr Mut machte, die Aufgabe zu übernehmen. Derzeit bemüht sich Rieper selber um eine oder einen Nachfolger, damit die „Freude am Theater in der Provinz erhalten bleibt“. Es wäre zu schade, wenn das einschlafe. Sehr gerne würde sie auch mit Tipps und Hilfestellungen den Start begleiten, damit es auch künftig heißt: „Winter ohne Theater, das geht nicht.“

 

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