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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 23:07 Uhr

Ruheforst : Letzte Ruhestätte mitten im Wald

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit einer kleinen Feier wurde gestern das neue Urnenfeld Damp/Thiergarten eröffnet / Urnenstellen werden für 99 Jahre gepachtet

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Unter mächtigen Buchen oder Linden in einem idyllischen Wald die letzte Ruhe finden – das ist seit gestern in der Gemeinde Damp möglich. Auf einem vier Hektar großen Areal seines Familiengutes hat Alexander Graf zu Reventlow eine Beisetzungsstätte für Urnen eingerichtet. Gestern wurde der Ruheforst unter dem Namen Damp/ Thiergarten offiziell eröffnet. Er ist umgeben von Auen, Feldern und dem St.-Johannes-Stift mit seinem eigenen kleinen Glockenturm.

Das Projekt Ruheforst hatte der mittlerweile verstorbene Christian Graf zu Reventlow bereits vor Jahren angeschoben, sein Sohn Alexander schloss das Vorhaben mit der Einweihung gestern erfolgreich ab. „Die letzten Zweifel sind gewichen“, erinnerte er an die abwechslungsreiche Vorgeschichte. Er dankte allen Beteiligten, die aus mächtigen Feldsteinen eine kleine Andachtsstelle mit einem Altar geschaffen hatten. Vom Ruheforst geht nach seiner Einschätzung ein ganz besonderer Charme aus. Schon die Vorfahren der Adelsfamilie Reventlow hätten im Gutswald ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Pastor Martin Krumbeck zeigte sich überzeugt, dass Angehörige im neuen Ruheforst auch tatsächlich zur Ruhe finden können. Bei aller Trauer um den Verstorbenen, bei all den zunichte gemachten Hoffnungen und Plänen gelinge es, „das Leben zu sehen, wie es war – mit allem Schönen und Bösen –, und wieder neue Kraft zu schöpfen“. Beeindruckt vom Bestattungsfeld mitten im Wald zeigte sich auch der Damper Bürgermeister Horst Böttcher. In ganz persönlichen Worten fügte er hinzu: „Ich könnte es mir für mich selbst auch vorstellen.“

Das Areal Damp/Thiergarten ist der neunte Ruheforst in Schleswig-Holstein (siehe Extra-Kasten). Urnenplätze werden jeweils für einen Zeitraum von 99 Jahren gepachtet. Rings um jeden Baum können zwölf Plätze angeordnet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Urnenfeldern auf den Friedhöfen ist die Bestattung auf dem Ruheforst nicht anonym, Plaketten am Baumstamm nennen die Namen der Toten.

„Das Sterben soll kein Tabu mehr sein“, wünscht sich denn auch Jost Arnold, Geschäftsführer der bundesweiten, vor zehn Jahren gegründeten Ruheforst GmbH. Der Tod müsse ganz selbstverständlich Gesprächsstoff in der Gesellschaft werden. „Wir Forstleute sehen das Kommen und Gehen doch auch jeden Tag in der Natur“, erklärte Arnold. Insgesamt sei die Bestattungskultur in Deutschland einem starken Wandel unterworfen. Die traditionelle Erdbestattung wird nach seinen Worten immer weiter zurückgedrängt, die Feuerbestattung erlebe gegenwärtig eine starke Nachfrage.

Wälder, die als Ruheforst vorgesehen sind, müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen: wenig Eingriffe durch Menschenhand, eine verhältnismäßig ruhige Lage, die Einrichtung einer Andachtsstätte und auch die individuelle Zuordbarkeit der einzelnen Urnenplätze. Außerdem müsse die Gemeinde die Trägerschaft übernehmen. Arnold schloss seine Rede mit zwei Gedichtzeilen: Es liegt im Wald ein tiefer Zauber. Du kannst weinen, beten, hoffen – und auch vergessen.“

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