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Gettorfer Seniorenbeirat : Letzte Ruhe unter der grünen Wiese

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bestattungskultur – 60 Senioren beim 36. Frühstücksforum des Seniorenbeirats / Vielfach Wunsch nach pflegearmen Gräberformen

Gettorf | Die Bestattungskultur ändert sich. Über die aktuellen Entwicklungen der Bestattungskultur, zu rechtlichen Fragen rund um die Bestattung und zu der Friedhofssituation in Gettorf, informierten Pastorin Christa Loose-Stolten und Bestatter Niels Vedder auf Einladung des Seniorenbeirates Gettorf im Hotel Stadt Hamburg.

„Die Einstellung zur Urnenbestattung hat sich verändert. Inzwischen sind drei Viertel der Bestattungen Urnenbeisetzungen“, so Niels Vedder. Die Motivation sei meist, dass die Angehörigen nachher nur eine kleine Grabfläche zu pflegen hätten. Der Friedhof in Gettorf biete aber auch andere pflegearme Alternativen. So biete der Friedhof eine Rasenfläche für Erdbestattungen an – mit einer gemeinsamen Tafel, aber auch Einzelgräber mit einer kleinen zu pflegenden Fläche.

Gut angenommen werde die Gemeinschaftsurnenanlage. Sie werde zum Park hin erweitert, sodass das Kreuz später in der Mitte der Anlage stehen werde. Ab sofort seien auf dem Gettorfer Friedhof auch Baumbestattungen möglich, so Vetter. Der erste Baum sei dafür inzwischen hergerichtet. Es gäbe eine Umrandung mit Steinen und Grabsteine mit Namen und Lebensdaten. Weitere Bäume sollen für Baumbestattungen ausgewählt oder gepflanzt werden.

Pastorin Loose-Stolten wies auf die Bedeutung des Friedhofes für die Hinterbliebenen hin. „Jeder trauert anders. Einen Ort, wo man hingehen kann, das brauchen aber die meisten Menschen.“ Deshalb gebe es gute Wege auf dem Friedhof. Hier treffe man andere Trauernde. Man könne sich austauschen. Die Rosenkranzkapelle lade zu stiller Andacht ein. „Grabpflege ist auch Trauerarbeit. Wichtig ist, dass man noch etwas tun kann für den Verstorbenen.“

Insgesamt werden sich die Wahlmöglichkeiten auf dem Gettorfer Friedhof erweitern. Nach der Neugestaltung der Kindergrabfläche sollen weitere Themengrabflächen folgen. Ein Rosengarten könnte entstehen und eine Schmetterlingsblumenwiese. Für Ideen sei die Kirchengemeinde als Träger des Friedhofs offen. „Sprechen Sie uns einfach an“, sagte die Pastorin.

Fragen gab es zu Sozialbestattungen, zur Urne im eigenen Garten und zur Seebestattung in Binnengewässern. Stirbt jemand, der weder Angehörige hat, noch ausreichend Rücklagen für die Bestattung, muss die Kommune dafür aufkommen. Sind Angehörige da, die aber nicht über ausreichend finanzielle Möglichkeiten verfügen, könnten sie einen Antrag auf eine Beihilfe beim Sozialamt stellen, erklärte Vedder. Wer eine Sterbeversicherung abschließe oder Geld auf ein Treuhandkonto für seine Bestattung einzahle, könne für seine Bestattung vorsorgen. Dieses Geld dürfe dann auch nicht für die Pflege in Anspruch genommen werden, so Vedder Eine Auswirkung auf die Möglichkeit einer kirchlichen Trauerfeier habe eine Sozialbestattung nicht, konnte Pastorin Loose-Stolten eine Fragestellerin beruhigen. „Eine kirchliche Trauerfeier gibt es für jedes Kirchenmitglied unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten“, sagte die Pastorin.

Die eigene Asche im Garten verstreuen lassen, die Urne der Liebsten mit nach Hause nehmen und auf den Kaminsims stellen oder sie in einem Fluss oder Binnensee bestatten? Nein, das sei nicht möglich. Seebestattungen seien grundsätzlich nur außerhalb der Drei-Meilen-Zone möglich und deshalb auch nicht in Binnenseen oder Flüssen. Im Hinblick auf die Seebestattung gab Fedder außerdem zu bedenken: „Für sich selbst kann man das so bestimmen, aber für die Angehörigen fehlt der Anlaufpunkt.“ Der eigene Garten oder die eigene Wohnung kommen in Schleswig-Holstein nicht in Frage. Bisher ist Bremen das einzige Bundesland, das den Friedhofszwang gelockert hat.

Fazit des Forums: Jeder Mensch muss nicht nur sterben, sondern sollte vorher mit seinen Angehörigen über die Bestattung sprechen.

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