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Lange Nacht in Eckernförde : Lesevergnügen quer durchs Ostseebad

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auftakt: Lange Nacht der Literatur in Eckernförde / Weitere Lange Nächte am 8./15. und 22. November

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 06:57 Uhr

Gelesen wurde vielerorts: In der Stadtbücherei, auf Carlshö-he, im Bus, im Museum, in der Aula der Pestalozzi-Schule, im Kaffeehaus, im Weinlokal, im Ostsee Info-Center, im Spieker. Philosophisches, Erinnerndes, Kreatives, Lustiges und Spannendes. Die erste Lange Nacht der Literatur in Eckernförde in diesem Jahr, Auftakt zu vier langen Nächten gefüllt mit Literatur, Musik, Theater und Tanz, macht aus dem bisher gar nicht so trüben November ein Kultur-Highlight im Ostseebad. Die Literaturnacht startete bereits am Nachmittag, genauer um 15.18 Uhr. Im Bus des Stadtverkehrs Eckernförde unterhielten die Autoren Martina Boetticher, Leander Sukow, Silvia Luise Wöhlk und Klaus Fredie Funke die Mitfahrer sozusagen bei laufendem Betrieb (siehe Bericht unten). Eine Stunde dauerte Runde 1, dann folgte die zweite literarische Rundfahrt durch Eckernförde – eine ebenso ungewöhnliche wie attraktive Location.

Als nicht minder attraktiv erwiesen sich die Kneipenlesungen. Sowohl im Antalya als auch bei „Römer & Wein“ in der Frau-Clara-Straße gab es handgemachte Literatur für Kopf und Magen (siehe auch Text unten auf der Seite). Das Publikum schätzt diese Art der Präsentation besonders und der Schoppen Wein, das Glas Bier oder die Apfelschorle schmecken eben besonders, wenn vorne kurzweilige, unterhaltsame und zupackende Literatur geboten wird: Gedichte, Geschichten, Erheiterndes und Bewegendes – die Vielfalt stimmte bei der Langen Nacht der Literatur.

Im Museum lauschten die Besucher zwölf Autoren der Senioren- und Jugendredaktion der Eckernförder Zeitung. „Ich freue mich, dass es zustande gekommen ist“, hatte Redaktionsleiter Gernot Kühl Museumsleiter Dr. Uwe Beitz und der Kulturbeauftragten Andrea Stephan zuvor gedankt. Vom Sofa aus, zu zweit, lasen sie freie Texte zum Thema „Lange Nacht“. Selma Polte offenbarte die Seele der Jugend. Las von zu viel Fassade, falschem Schein, zu wenig Liebe, zu viel Bier, von Städten ohne Herz und dem Wunsch, verstanden zu werden. „Verdammt lange Nächte.“ Senior Oluf Castagne las etwas schüchtern von seinen müden Gliedern in der Hängematte, Dr. Heinrich Mehl übte Kritik an Kitsch und Konsum in Nächten wie dem Reformationstag. „Irgendetwas ist schief gelaufen in Schleswig-Holstein.“ Andere zitterten in Juni-Nächten in Norwegen oder beschworen Erinnerungen an Flucht und lange Nächte im Zweiten Weltkrieg herauf.

In der Aula der Pestalozzi-Schule blieben viele Stühle leer. Hier präsentierten Jungmannschüler die dramatische Collage „Erinnerungen“, mit Stimmen zum Krieg in Anlehnung an den Roman „Der Überläufer“, die Erzählung „Kastanien“ und das Gedicht „Signale“ von Wilhelm Lehmann und den Roman „In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger. Im dunklen Saal, nur eine Lampe brennt auf dem Tisch, herrscht Krieg. Bilder von gefallenen Soldaten, toten Pferden und stacheligen Kastanienschalen werden auf die Wände projeziert. Kleiderbügel und Kastanien fallen krachend zu Boden. Ein Soldat zwischen Kriegsbegeisterung, Zweifel und Müdigkeit. „Warum kämpfen die Menschen um Freiheit?“ Das Publikum applaudierte anerkennend. „Das Engagement der Schüler ist beachtlich“, lobte Beate Kennedy, die Vorsitzende der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft. „Sie haben sich die Texte mit sehr viel Sensibilität erarbeitet.“

Wilhelm Lehman und der Krieg lautete auch das diesjährige Thema der Wilhelm-Lehmann-Tage im Mai. Seine Text dürften als Anti-Kriegs-Literatur gelten, bestätigte die Vorsitzende. Sie hoffe, dass die Gesellschaft die Kooperation mit den Schulen fortsetzen könne. „Die Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft wünscht sich, verstärkt junge Leute anzuziehen.“

Die Kulturbeauftragte der Stadt, Andrea Stephan war sehr zufrieden mit der langen Nacht. „Ein gelungener Auftakt mit literarischer Vielfalt“, sagte sie. Wo könne man sich sonst an so vielen verschiedenen Orten mit Literatur beschäftigen?







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