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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 16:43 Uhr

Aus dem leben : „Lesen hilft zu verstehen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ausverkauft: Plattgold präsentierte Bolko Bullerdiek auf Gut Knoop.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 17:05 Uhr

„Plattgold“ hat auch im dreizehnten Jahr nichts an Anziehungskraft eingebüßt. Veranstalter Karl-Heinz Langer begrüßte am Donnerstag vor ausverkauftem Haus mit Bolko Bullerdiek „einen der wichtigsten plattdeutschen Autoren, die wir heute haben“. Der Wahlhamburger war lange nicht im Gartensaal des Herrenhauses auf Gut Knoop zu hören gewesen. Seine Lesung aus Schriften neueren und älteren Ursprungs zum Thema „As dat Leven so speelt“ wurde ein voller Erfolg.

Eingangs weihte der Schriftsteller seine Zuhörer in die Herausforderungen beim Schreiben ein, wenn es darum geht, Geschichten authentisch zu formulieren, einen Anfang und ein Ende zu finden. Bullerdiek gelingt es grandios: Man darf die Augen schließen, seine Gestik zeigt ab und an den erhobenen Zeigefinger, aber auch die offene Hand. Man hört heraus, wann das der Fall ist, hebt den Kopf – und kann ihm in die wachen Augen schauen. Obwohl pensionierter Lehrer, kommt er niemals schulmeisterlich daher. Gleichwohl findet sich in nahezu jeder geschilderten Begebenheit, ob erfunden oder nacherzählt, irgendwo ein Pädagoge.

Die Wahl der Worte sowie Ausführung der Gedankenstränge zeigen, dass es im Leben vom jungen Bolko und dem Herrn Bullerdiek nicht immer glatt lief. Wenn sich eine seiner Figuren dann aber im Traum pudelnackt in einer Kirche wiederfindet, dann zeigt sich die Reflexion in der Suche nach Selbsterkenntnis, dem aktiven Verarbeiten von Erlebtem und Erduldetem. Der Autor will der Wahrheit nahe kommen, unterstreicht dabei die Grenzen: „Was kann man von einem Träumer erwarten?“

Bullerdiek ist aber kein Träumer: Die Geschichten haben Hand und Fuß, entstehen im Spannungsfeld von früher und heutigem Kindermund, von Schulmeister und Seelenklempner, von Zuhause und Urlaub. Eine sei heraus gehoben: „De Sünnenfee“. Ein älterer Herr wird von „en lachen Gesicht mit grode Ogen und wille flassengele Hoor“ in die Diskussion über Bücher und das Lesen allgemein verstrickt. Die Auseinandersetzung mit dem kleinen Mädchen zeigt, dass das Lesen schlauer machen kann - aber nicht zwingend muss. „Es wäre schön, wenn das Leben einfach wäre - aber es ist kompliziert. Lesen hilft zu verstehen“, will der Schulmeister schließen. Sünnenfee: „Hat aber nichts genützt, nich?“




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