zur Navigation springen

Lesemarathon über eine nackte Leiche im Kanal

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Die Tote im Götekanal“ – 15-köpfiges Team präsentiert spannendes Hörbuch im Eckernförder Amtsgericht

Eckernförde | Eine Tote wird gefunden, ein Übeltäter läuft frei herum. Alle wissen, dass sie nichts wissen, und dennoch geht es sofort vor Gericht. Was dem geübten Krimileser und Hobbydetektiv gegen den Strich geht, machte am Sonnabend mehr als Sinn: Wegen des großen Andrangs musste die Auftaktveranstaltung der Sjöwall-Wahlöö-Krimilesung vom OIC ins Eckernförder Amtsgericht verlegt werden – und es ist keiner da behalten worden. Titel der Veranstaltung: „Die Tote im Götakanal“ – Buchhändler, haltet euch fest. Nach diesem fulminanten Lese-Einstieg einer ganz schön starken Truppe, sollte der Umsatz dieses Krimis, aber auch der der nachfolgenden neun Bände, sprunghaft steigen.

Mit einem 15-köpfigen Team, das so gut war, dass es schon einen eigenen Namen verdient – „Martins Vänner“ – ging es in einen Lese- und Lauschmarathon von viertel vor elf am Morgen bis elf Uhr abends.

Bewo Hawel ist der Kopf hinter all dem, er entwickelte die Idee vor zwei Jahren, kürzte die Textvorlage um die Hälfte, sprach Freunde an, gewann sie für das Projekt („Das ist für mich ein Wunder“) und erarbeitete dieses Hörbuch zum Zugucken von März an. Adrienne Günther, Gertraud Homrighausen, Angelika Rau, Sabine Vesper, Andrea Weigert, Christian Brandt, Klaus Buß (Gast), Holger Ceglars, Dirk Homrighausen, Steffen Krüger, Marc Lauenstein, Kay Thomsen (Gast), Gerhard Wink und natürlich Gerald Eckert am Cello sowie Jacob Hawel (Regieassistenz) sowie Bewo Hawel selbst.

Eine nackte Frauenleiche im Schwimmbaggergreifer, kein Mörder in Sicht, eine Menge Ideen, viel Wasser von oben und unten – es regnet um den Fundort im Götakanal und fast während der ganzen Ermittlungen. Ergebnisse – Fehlanzeige. Die Medien nerven wie gewohnt, die Polizei hält sich wie das Wetter – ergiebig bedeckt. Holger Ceglars liest, nein spielt den ersten Kriminalassistent Martin Beck, Dirk Homrighausen den nassforschen Kriminalassistenten Lennart Kollberg. „Wir haben den Fall über eine Schlampe zu lösen.“ Beide, aber auch Adrienne Günther als schwedische Zeugin, leben die Rolle, gehen in ihr auf, jeder auf seine Art. Mit liebenswerten Hilfsmitteln wie Übertragung der Telefonate zwischen Schweden und den USA per Beamer tastet man sich an Indizien und mögliche Zeugen heran. Als da sind 14 Blutspritzer, 85 Mitreisende auf Tatortschiff „Diana“ und, plötzlich, eine Vermisste in Nebraska. Auf Englisch stümpernde schwedische Polizisten gewinnen die Herzen der vielen treuen Zuhörer, die teilweise alle drei Teile verfolgt haben. Wie Edelgard Waskowiak aus Brekendorf bestätigt: „Ich bin ganz begeistert. Als Oma muss man sonst immer selber vorlesen ... Total genial finde ich diese Rollenwechsel, das macht das alles noch viel lebendiger.“

Ein schwer zu verdauendes, hoch dramatisches Highlight setzt kurz vor Schluss noch Christian Brandt als Folke Bengtsson. Seine Leistung im Verhör grenzt an Professionalität. Wie er seinen Seelen- und Gemütszustand auslebt, lässt den Atem stocken. Welche Rolle er im Roman spielt, wird nicht verraten, da gibt es nur einen Rat: Selber lesen! Dieser 50 Jahre alte Roman überrascht mit einer für die Zeit (1965) verblüffend offenen Thematisierung von Sexualität, analysiert Kriminalität als soziale Funktion in einer gesellschaftskritischen Grundhaltung. Wie auch immer, halten wir es doch mit Lennart Kollberg. Sein Stoßseufzer über einen eigenwilligen Delinquenten („Ich muss zu meinem Totschläger zurück – erst einen Liter Rasierwasser trinken und sich dann über das Essen beschweren) ist zeitlos: „Scheiße, wie ist das Leben doch schön.“ Ob mit oder ohne Krimileiche. Wobei ... Was ist eigentlich mit Band zwei?

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen