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Wohnraumversorgungskonzept : Leitbild Eckernförde 2025 im Visier

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadt Eckernförde packt das Thema Wohnraumversorgungskonzept nach 2006 neu an. Trotz rückläufiger Bevölkerung fehlen rund 430 Wohnungen. Eine weitere Entwicklung: Die Bevölkerung wird immer älter.

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erstellt am 04.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Der Bevölkerungsrückgang der vergangenen Jahre in Eckernförde wird weiter anhalten. Waren 2003 noch 23 316 Einwohner gemeldet, waren es 2011 nur noch 22 442 – minus 3,7 Prozent. Prognose: Bis 2025 wird Eckernförde um weitere 1100 bis 1900 Einwohner schrumpfen – minus 5,0 bis 8,6 Prozent. Aber: Da sich die Haushaltsgrößen verkleinern und alter, nicht mehr adäquater Wohnungsbestand abgerissen wird, sehen die Gutachter bis 2020 einen gemittelten Neubaubedarf von 430 Wohnungen. Als Potentialflächen für den Wohnungsbau hat steg die Nooröffnung (bis zu 100 Wohneinheiten), die Broosbyer Koppel (ehemaliges Bauschulgelände, circa 100 Wohneinheiten), die Preußerkaserne (ab 2016, grob geschätzt 150 Wohneinheiten) sowie die angedachten Neubaugebiete Domsland II und Marienthal im Bereich Wilhelm-Lehmann-Straße und Schulzentrum Süd ausgemacht.

Diese und viele weitere Zahlen stellten Martin Brinkmann, geschäftsführender Gesellschafter der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (steg), und sein Mitarbeiter Jan Seeringer gestern im Vorwege der abendlichen Einwohnerversammlung zur Fortschreibung des Wohnraumversorgungskonzepts vor. Das 2006 erstellte Wohnraumversorgungskonzept stand im Zusammenhang mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), die Dynamik der vergangenen Jahre und die sich abzeichnenden Folgen der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung haben die Überarbeitung und die Neuausrichtung erforderlich gemacht.

Die Zahlen untermauern die Notwendigkeit. Die Bevölkerung nimmt nicht nur ab, sie altert auch. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, wird aber dank steg greifbar. Seit Anfang der 90er Jahre wird aus dem jungen Eckernförde ein älteres. 2002 kreuzten sich die Linien der 20- bis 39-Jährigen mit denen der 40- bis 59-Jährigen und über 60-Jährigen, seitdem geht es mit der jüngeren Altersgruppe bergab, mit der älteren bergauf. Folge: Die 40- bis 59 Jährigen und die über 60-Jährigen liegen inzwischen jeweils über der 30-Prozent-Marke aller Eckernförder Bürger, die 20- bis 39-Jährigen und die 0- bis 19-Jährigen haben die 20-Prozent-Marke unterschritten. Das sind die Fakten, auf die Eckernförde sich einzustellen hat. Auch im Bereich der Wohnungswirtschaft.

Bürgermeister Jörg Sibbel wies in dem Gespräch auf die dynamische bauliche Entwicklung Eckernfördes und die steigenden Immobilienpreise hin. „Wir müssen auf den demografischen Wandel und die Entwicklung reagieren und Antworten auf die Herausforderungen geben“, forderte Sibbel. Die Ausweisung von Baugebieten wie Sonneneck oder künftig Domsland II oder Marienthal sowie die Ansiedlung von Betrieben zur Schaffung neuer Arbeitsplätze seien neben der sehr gut ausbauten Infrastruktur bei Kitas und Schulen wichtige Bausteine.

Mehr Nachfrage als Angebote gibt es derzeit vor allem bei seniorengerechten, barrierefreien Wohnungen, erklärten die Stadtentwickler. Wichtig sei zudem eine kontinuierliche Modernisierung im Bestand sowie die Ausweisung geförderter Wohnungen, weil in den nächsten Jahren viele Wohnungen in Strandlage wie zum Beispiel die Prelios-Häuser im Jungfernstieg aus der Mietpreisbindung herausfielen, wie Brinkmann sagte. „Die soziale Wohnraumversorgung muss sichergestellt werden“, sagt steg-Geschäftsführer Brinkmann. Sein Vorschlag: Bei Bauvorhaben über 30 oder 40 Wohneinheiten müssen 25 Prozent der Wohnungen gefördert werden. Insgesamt müsse das Wohnungsangebot in Eckernförde zielgruppenspezifischer werden. Der Fokus müsse stärker auf Wohnungen für Ältere oder Familien gelegt werden. Wichtig sei es für die Stadt zudem, dass Politik und Verwaltung in einen Dialog mit allen Akteuren des Wohnungsmarktes sowie den Bürgern eintreten. Es wäre lohnenswert, sich der großen Aufgabe eines „Leitbildes Eckernförde 2025“ zu widmen, in der die große Entwicklungslinie der Stadt im Dialog mit den Bürgern und Entscheidungsträgern festgeschrieben wird.

Darüber hinaus empfahlen die steg-Gutachter Eckernförde als Wohnstandort stärker zu vermarkten und die Attraktivität des Ostseebades zu nutzen. Denn durch weiteren Zuzug aus der Region und auch aus anderen Teilen Deutschlands könne dem Bevökerungsschwund durch Abwanderung junger Menschen entgegengewirkt werden. Wie beliebt Eckernförde gerade bei den Einheimischen ist, zeigt die Tatsache, das 80 Prozent der Käufer für die Häuser und Wohnungen auf Carlshöhe, an der Hafenspitze und in Sonneneck aus Eckernförde selbst oder dem Umland kommen. „Eine höchst erstaunliche Erkenntnis“, sagte Martin Brinkmann, der Eckernförde im übrigen folgende Botschaft mit auf den Weg gab: „Eckernförde hat eine sehr erfolgreiche Zukunft vor sich.“

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